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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-01 · Heft 1 (1.1.1850) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 1 (1.1.1850)
Date
1850-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 binerstühle in Frankreich bestiegen, sind durch christliche Professoren unterrichtet. Was uns anhetrifft, sagen die ArcK., so glauben wir versichern zu können, daß die Angriffe auf denUnterricht der Philo sophie durch Israeliten nur das Vorspiel zu viel allgemeineren Angriffen sind: in diesem Augenblicke selbst, in welchem wir schreiben, versucht man schon, ihnen auch den Geschichtsunterricht zu nehmen, und in kaum zwei Jahren, wenn die geistliche Reaktion noch tiefer gewurzelt ist, wird man ihnen den Unterricht in den Wissenschaften überhaupt entziehen. — Bis jetzt verweigert die Regierung dem Prof. Cahen die Wiederanstellung im Unterricht der Philosophie, und allein, weil er Israelit ist. Mühlhausen, 16. Dezember. (Privatmitth.) Wir entnehmen aus dem, uns übersandten ,,1'Inclustriel Alsacien" eine Beschreibung der Einweihung der neuen Synagoge, die in ihren Hauptsätzen so lautet: Das Fest fand am 13. Dezember statt, in der Mitte eines großen Zusammenflusses von Zuschauern. Der Tempel, der 2000 Personen fassen kann, war ganz gefüllt, und eine zahlreiche Menge drängte sich außen, angezogen durch die Neuheit der Feierlichkeiten, die vor sich gehen sollten. Außer den Mitgliedern der Gemeinde, waren viele Personen aus und außerhalb der Stadt eingeladen und erschienen. Reservirte Plätze waren den Behörden und Körperschaften der Stadt, Den Offizieren der Nationalgarde und Garnison und Anderen Vorbehalten. Ein Detaschement der Nationalgarde und eine Kompagnie der Linie waren befehligt, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Sie bildeten ein Spalier von der alten zur neuen Synagoge, wohin sich die Rabbiner und Delegirten der Gemeinde begaben, um einen letzten Gottesdienst zu feiern und die Gesetzesrollen abzuholen, welche von jetzt ab in einem kostbarem Tabernakel ruhen sollten. Die Uebertragung der Torarollen geschah in Prozession, unter Absagung eines hebräischen Gebetes , welches der Rabbiner von Mühlhausen rezitirte. Jeder der eingeladenen Rabbiner trug im rechten Arm eine Rolle, cingehüllt in eine Bekleidung, die bei mehreren durch den Reichthum der Stoffe und Stickereien sich auszeichnete. Es folgte ein religiöser Gesang, Musik von Halevy, die durch den Vorsänger und ein Männer- und Kinderchor ausgeführl wurde. Dieser Gesang, von bemerkenswerther Harmonie, machte einen tiefen Eindruck, und zeigte die klare und biegsame Stimme des neuen Vorsängers. Die Weihe des'Tempels geschah durch eine Prozession aller Rabbiner des Departements, von denen jeder eine Rolle trug, rings um die Estrade in der Mitte des Schiffes mehrere Male, unter Begleitung des Gesanges. Nachdem alle Rollen in das Tabernakel gestellt waren, hielt der Rabbiner von Mühlhausen eine Rede, in welcher er von dem Einfluß, welchen die Erbauung des neuen Tempels auf den israelitischen Kultus üben würde, von der moralischen Zukunft der Gemeinde, und von den Banden der Brüderlichkeit sprach, welche in dieser Stadt zwischen den Israeliten und ihren Mitbürgern bestehen. Nach abermaligen herrlichen Gesängen wurde eine Sammlung für die Armen durch sechs israelitische Mädchen, eine jede von einem Kommissär begleitet, veranstaltet, die reichlich aussiel. Hierauf sprach der Rabbiner ein Gebet für die Republik, ein Dankgebet wurde vom Vorsänger und Chor vollführt, dann erthcilte der Rabbiner den Segen, und eine Militärmusik beendete die Feierlichkeit, welche 4 Stunden gewährt und die Zuschauer aller Religionsparteien tief ergriffen hatte. Der Tempel ist von orientalischem Stile, mit den Emblemen des mosaischen Kultus innen und außen verziert. Das Innere, voll Lichtes, enthält ein großes Schiff und zwei Sritenhallen in Form von Gallerieen. Im Grunde des Schiffes gen Osten ist das Tabernakel gestellt, dessen Proportionen mit dem Gebäude vollkommen harmoniren. Das Gesims des Tabernakels ist durch zwei Säulen, jede aus einem Steine von 5 Metrcs Höhe getragen. Die Thüren des Tabernakels sind von einem weiten Vorhang von Karmosinsammet, reich in Gold gestickt und befranzt, bedeckt. Um die Thüren zu öffnen hebt man den Vorhang auf, der in einem Doppelfache verschwindet. Ueber dem Gesimse befindet sich eine Rose von farbigem Glase, die Sonnenstrahlen nachahmend, was von schönem Effekt ist. In der Milte des Schiffes befindet sich die Estrade, gegenüber eine Kanzel von schön skulptirtem Eichenholz. Das Schiff ist für die Männer auf festen Bänken bestimmt, an den Seilen und über dem Eingänge sind Tribunen für die Da-

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