Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1850)
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 die Thatsache so ist, wie sie das Journal bringt, wäre es statthaft, an den Staatsrath wegen Mißbrauchs zu appelliren. „Der Artikel 6. des Dekrets vom 18. Germinal Jahr X., der die einzige Vorschrift in diesen Sachen ist, ist folgendermaßen gefaßt: „Es findet Rekurs an den Staatsrath in allen Fällen der Ueberschreitung von Seiten der Oberen der Geistlichkeit statt. Die Ueberschreitungsfälle sind . die Verletzung der Gesetze und Verordnungen der Republik . jede Handlung ' oder jedes Verfahren, welches , bei der Kultusübung die Ehre der Bürger verletzen, ihre Ueberzcugung antasten, in Unterdrückung oder Beleidigung oder öffentlichen Skandal ausarten kann. „Ich glaube, daß wenn ein Bischof bei Ernennung eines jüdischen Lehrers sich erlaubt, die Kapelle des Kollegiums mit dem Interdikte zu belegen, was eine indirekte Protcstation gegen einen Akt der rechtmäßigen Autorität ist, so ist dies Uebertrctung der Sätze des Dekretes vom 18. Germinal des Jahres X. „Der Rekurs an den Staatsrath wäre also gegründet; aber ich wiederhole es Ihnen, um sich eine genaue Meinung von den Chancen des Erfolges beim Staatsrathe zu verschaffen, muß man die Ausdrücke der Verfügung des Bischofs genau kennen." Ich glaube, es ist eine eitle Hoffnung, die Ausdrücke des bischöflichen Schreibens erfahren zu wollen; es ist in den Händen der Regierung, und diese wird sich hüten es zu veröffentlichen; auch wird es uns schwer fallen, zu erfahren, ob wirklich der Ausdruck, „ein unreiner Israelit" sich darin findet, wie „la voix du peuple“ (eine Zeitung) es behauptet. Unsere Glaubensgenossen in Paris haben auch begriffen, daß darin ein Angriff von Seiten der Geistlichkeit gegen die Errungnisse von 1789 und 1830 enthalten sei, daß fammtliche Israeliten von dem Schlage, der Einen von ihnen trifft, getroffen seien; ja daß die Pforte geöffnet sei zu allen anderen Beraubungen. Dies ist Alles wahr, aber anstatt sich mit Klagen zu begnügen, und sich lediglich auf die immer langsame Initiative der Konsistorien zu beschränken, sollte man diese Frage durch Petitionen an die gesetzgebende Versammlung zur Behandlung und Beschlußnahme bringen. Wenn solche Petitionen von allen Orten, wo Israeliten wohnen, ausgingen, und die Versammlung nöthigen zu antworten, würde es nicht an Repräsentanten fehlen, sie zu unterstützen. Da und nirgends anders können solche Fragen erledigt werden. Ein Minister ist oder glaubt sich allmächtig in Bezug auf ein Individuum; außerdem befindet er sich oft selbst unter dem Einflüsse von mehrern Repräsentanten eines Departements, und sieht in ihnen irthümlicher Weise den Ausdruck der Majorität des Landes. An dem großen Tage der Diskussion befindet sich der Minister nicht einem Individuum gegenüber, sondern ist genöthigt, den Reklamationen einer religiösen Minorität zu genügen, mächtig entweder durch sich selbst oder die Ideen, die sie repräsentirt, und fühlt sich in die Nothwendigkeit versetzt, den Ungerechtigkeiten der einen Partei, die gerechten Klagen der andern gegenüber zu stellen, die weiter Nichts verlangen, als was ihnen ausdrücklich verliehen worden ist. Wir rathen unseren Glaubensgenossen, diesen Weg einzuschlagen. — Mögen unsere Glaubensgenossen überzeugt sein, — fahren die Arch. weiterhin fort,—es liegt Nichts darin, als der Wunsch der Geistlichkeit, die weltliche Macht wieder zur Frömmelei zu bringen, und vielleicht auch die geheime Furcht irgend einer rationellen Prüfung der katholischen Lehrsätze. Warum belegt dieser Bischof dieses Kolleg mit den Bann bei Gelegenheit der Ernennung eines jüdischen Professors? Weil die Geistlichkeit darauf brennt, ihren bösen Willen gegen die Juden zu bezeugen; weil die Geistlichkeit darauf brennt, ihre volle Herrschaft im Unterrichtswesen des Volkes zu erlangen, und will, daß keine Ernennung wider ihren Willen vor sich gehe; weil die Geistlichkeit keine Gelegenheit vorübergehen läßt, um ihren Haß gegen die philosophischen Wissenschaften zu zeigen, deren, selbst unwillkürliche, Berührung sie fürchtet. — — In Straßburg, wo die Protestanten und Jsraetiten in großer Anzahl leben, ist ein Abbe schon viele Jahre Professor der Philosophie am Lyzeum. Ist es dem israelitischen Konsistorium dort jemals eingefallen, sich darüber zu beklagen? Oder sind etwa die jüdischen Zöglinge Katholiken geworden? — An der Rabbinerschule zu Metz wird die Philosophie den jungen Rabbinen durch einen christlichen Professor gelehrt. Alle die jungen Männer, die seit 20 Jahren die Rab-