Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1850)
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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9 boten erscheinen. — Die Besetzung der neuen Gerichtsstellen erregte eine freudige Sensation auch unter den Israeliten, und wenn wir unter den Angestellten noch keinen Israeliten finden, so hat man den Grund nur darin zu suchen, daß wir um der Vorzeit willen noch keine praktischen Männer für diese Stellen haben, indeß läßt der Geist, welcher bei den Anstellungen der vom Kaiser bevollmächtigten Minister geleitet, schließen, daß er in der Folge keinen befähigten Israeliten übergehen wird. — Zum Schluffe meines heutigen Berichtes noch die Bemerkung, daß auch unter den Israeliten der Vorstadt Karolinenthal das religiöse Leben reger zu werden verspricht. Der substituirte kaurzimer Krcisrabbiner David Platschek forderte durch ein gedrucktes Zirkular die Bewohner dieser Vorstadt auf, sich zu einer Besprechung zu versammeln, um einen gemeinschaftlichen Gottesdienst in dieser Vorstadt abzuhalten, damit auch der Jugend Gelegenheit gegeben werde, an demselben Theil zu nehmen, was früher wegen der Entfernung von Prag und Lieben nicht geschehen konnte, u. s. w. Ich wünsche dem Werke das beste Gedeihen, hoffe auch das Beste, und werde nicht unterlassen, seiner Zeit Weiteres darüber zu berichten. — A propos! Fast hätte ich mitzutheilen vergessen, daß mit Neujahr unter dem Titel: „Stimmen der Zeit" eine periodische Schrift für jüdisches Interesse unter der Aegide oder gar Redaktion des ehrcnwerthen Hrn. Soliman von Hönigsberg erscheint. Da wegen des Ausnahmszustandcs oder vielleicht wegen anderer Ursachen das Programm noch nicht ausgegeben wurde, so spare ich mir rin Referat über dieses Blatt bis zum Erscheinen der ersten Nummer. .r. Wien, 3. Dezember. Die Gesuche der Israeliten in Pesth, wegen des zu bewilligenden Ankaufs von Häusern in der Stadt, sind von der städtischen Behörde auf höhere Weisung günstig eingeleitet worden. Wien, 16. Dezember. Nach den neueren pesther Nachrichten bleiben die Israeliten Ungarns, ungeachtetder wiederholt gemachten Vorstellung, dennoch gehalten, die ausgeschriebene Kriegssteuer von 2,200,000 Fl. K.-M. in mehreren, auf Jahre sich erstreckenden Raten zu erlegen. Nur die Juden von Preßburg, Temeswar und der serbischen Wojwodina bleiben hiervon verschont. Belgien. Brüssel, 16. Dezember. (Privatmitth,) In voriger Woche ist zu Antwerpen ein Mann plötzlich am Schlagflusse gestorben, der sich viel Verdienst erworben, nämlich Herr I. Böhme, geboren zu Halberstadt, noch in den besten Jahren, ein Mann von Bildung und allgemein geschätzter Rechtschaffenheit. Seit mehreren Jahren war er das Faktotum des Hauses Bischossheim, gehörte zur Administration der Gemeinde und war Dclegirter des belgischen Konsistoriums. Er ist mit vielen Ehrenbezeugungen bestattet worden, seine Leiche geleiteten die angesehensten Bürger aller Konfessionen, und mehrere Trauerreden wurden gehalten. In der jährlichen am Geburtstage des Königs stattsindenden öffentlichen Sitzung der Akademie der Wissenschaften hielt heute der Ln. Gluge, Professor an der Universität und Mitglied der Akademie (Israelit), eine herrliche Rede. — Ein Anderer unseres Glaubens, Herr Samuel, der vor einigen Jahren den Hauptpreis als Komponist im Conservatoire de Musique erlangte, hat kürzlich eine große Oper geschrieben, von der mit großem Lobe gesprochen wird. vr. S. Frankreich. Paris, im Dezember. Die Abberufung des Prof. Cahen in Folge der Unduldsamkeit eines Bischoffs macht noch immer viel Aufregung, und erweckt die Befürchtung von noch weiteren Folgen. Wir geben hier einige Auszüge aus einem Artikel der Arehive8. Bei unseren Glaubensgenossen in der Provinz hat eine solche Verletzung der Gleichheit ein Gefühl des tiefsten Schmerzes und Unwillens hervorgebracht. Wir haben Briefe aus Lyon, Bayonne, Tarbes, Marseille, Montpellier u. s. w. vor Augen, in denen die Klagen über diesen Gegenstand einen lebhaften Wiederhall finden. Bemerken wir überhaupt, daß der Süden die uns zugefügte Beleidigung weit lebhafter empfindet als der Osten. Ein achtungswerther Advokat aus dieser letzten Stadt schreibt uns: „Ich erwartete in den Arclüves den Inhalt des Schreibens, durch welches der Bischof von Luyon die Kapelle des Kollegiums mit dem Interdikt wegen Ernennung des Herrn Cahen belegte, zu finden. Wenn 1*