Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1850)
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Befriedigt geht der Jude von dannen, der leicht zu befriedigen ist, der schon befriedigt ist, wenn ein Christ ihn grüßt oder einmal einladet. Aber wer ein Höheres verlangt, wer im Bewußtsein seines viertausendjährigen Geschlechts und seiner weltüberwindenden Religion nicht blos den Ghettojuden der letzten Jahrhunderte in, an und vor sich hat, wendet sich mit Ekel ab. Geh hin, Jude, der nichts Besseres von seinem Glauben und seinem Stamme zu sagen weiß. O, ich weiß es, Herr Mosenthal hat auch vom Rüben reinere Sentenzchen Vorbringen lassen — aber ein Sammetlappen aus einem schäbigen, zerrissenen Kleide macht das Nebel noch ärger. Wo das Mark des ganzen Stückes, das ganze Thun und Wesen Fluch und Häßlichkeit ist, da helfen solche Sprüchelchen nicht. Ich glaube, ich habe meine Meinung so klar ausgesprochen, daß Niemand Tadelsucht und Mißgunst darunter suchen wird, Motive, die der Kritik so oft untergeschoben werden. Würde das Talent Mosenthals ein geringes sein, würde die Sprache weniger herrlich, würde die ganze Anlage und Durchführung eine minder treffliche sein — ich hatte kein Wort über das Stück verloren: denn es ist jetzt rvol kaum eine Zeit, auf Ephemeren zu achten. Welch' ein Weg vom „Nathan der Weise" bis zur „Deborah!" Hierbei fallt mir ein Kuriosum ein, das ich doch mittheilen will. Vor Kurzem kam mir ein, 1847 geschriebener Ociginalbrief von Heinrich Heine aus Paris sehr zufällig in die Hände. Außer sehr vielen geistreichen Bemerkungen sprach er sich auch über den damals noch nicht verstorbenen Felix Mendelssohn aus. Ich kann seine Worte nicht genau wiedergeben, theils weil es die Schicklichkeit verbietet, theils weil sie mir nicht mehr wörtlich im Sinne sind. Aber er sagte, F. M. bekämpfe er darum, weil er sein ungeheures Talent an den christlichen Pietismus vergeude. „Wenn ich das Glück hatte, der Enkel von Moses Mendelssohn zu sein, ich würde wahrlich nicht den Muckern die Schleppe nachtragen." Die Letzteren sind genau seine Worte. Dies sagt Heinrich Heine! Ja, es giebt auch einen historischen Beruf, einen Beruf, den nicht der wandelbare Tag, sondern die Geschichte seines Geschlechtes, seiner Familie giebt. . .. Zeitungsnachrichten. Deutschland. München, 14. Dezember. Heute endlich in 45. Sitzung der Kammer der Abgeordneten ward die Berathung der Judenbill zum Abschluß gebracht. Ich übergehe die Reden. Bei der Abstimmung wurden alle Modifikationen verworfen mit großer Mehrheit bis auf die v. Paur. Das Paur'sche Amendement zu Art. 2.: daß die Bestimmung des Art. 1. des Gesetzes (den israelitischen Staatsangehörigen stehen fortan im ganzen Umfange des Königreiches bei gleichen Pflichten auch gleiche staatsbürgerliche (politische) und bürgerliche Rechte mit den christlichen Staatseinwohnern zu), „welche die kirchlichen und Schulverhältnisse der Juden unberührt läßt" als ein verzögernder Bestandtheil der Verfaffungsurkunde angesehen werde, wurde angenommen. Ferner wurde als Art. 3. die Bestimmung als transitorisch nach Paur's Antrag angenommen, den Gemeinden an jenem Orte, wo noch gar keine Juden, und wo es sich um Vermehrung der bisherigen jüdischen Ansässigmachungen handelt, bis zum Erscheinen des revidirten Gcmeindeedikts und der revidirten Gesetze über Ansässigmachung und Verehlichung, das absolut hindernde Widerspruchsrccht einzuräumen. — In dieser modisizirten Fassung wurde bei 131 Anwesenden der Gesetzentwurf mit 91 gegen 40 Stimmen angenommen. München, im Dezember. Der zweite Schritt zur Emanzipation der Juden in Baiern ist geschehen, so wie die Regierung hat sich auch die zweite Kammer dafür ausgesprochen, und cs bleibt noch die Kammer der Reichsräthe übrig. Jedermann sieht ein, daß es hier nicht auf die Verhandlungen in ihren Spezialitäten ankommt — was wäre über diesen Gegenstand wol noch zu sagen? Aber wie die Zustände bei diesen Verhandlungen sind, muß interessiren. Wir thcilen daher mehrere Korrespondenzen der Köln, und anderer Zeitungen im Folgenden mit: München, 14. Dezember. Sollte man es denn für möglich halten, daß im Jahre des Heiles 1849 und nur 20 Monate nach der Märzbewegung eine Volkskammer, in welcher bereits Juden Sitz und Stimme haben, sich in vier langen Sitzungen nicht schlüssig machen könne über ein Gesetz, welches nicht