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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-12-24 · Heft 52 (24.12.1849) · p. Seite 743

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 52 (24.12.1849)
Date
1849-12-24
Page
Seite 743 (sequence 7)
Language
German
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743 Juden emanzipirt werden, wird der vr. ibeot. gar ein Demokrat, indem er verlangt, daß bei der Ansässigmachung eines Juden die ganze Gemeinde darüber abstimme, i. e. das absolute Veto ausübe ohne weitere Appellation, „damit die Gemeindebehörden nicht erkauft werden können. — Wahrscheinlich wird der Regierungsentwurf in Beziehung auf Ansässigmachung der Juden in der Kammer auf Widerspruch stoßen, und diese wol zuletzt von der Gemeindezustimmung abhängig gemacht werden. Die Zahl der Juden in Baiern beträgt Etwas über 60,000, von denen der größere Theil in Franken und der Rheinpfalz lebt. In München dürfen sie Häuser nur mit Genehmigung der allerhöchsten Stelle erkaufen oder auch nur bewohnen; in Augsburg ist ein einziger jüdischer Bankier Bürger; Nürnberg hat bis jetzt noch keinen Juden als Solchen ausgenommen, mit Mühe hat ein thäliger Kaufmann es durchgesetzt, daß er dort gegen Aufenthaltskarte mit Familie wohnen kann; früher durfte da ein Jude nicht einmal übernachten. München, 10. Dezember. (P.-M.) Die Kammer der Abgeordneten hielt heute bei mehr als gewöhnlich besetzter Gallerie ihre 41ste Sitzung. Auf der Tagesordnung stand die Berathung und Beschlußfestsetzung über den Gesetzentwurf betreffend die staatsbürgerlichen und bürgerlichen Rechte der israelitischen Glaubensgenossen. Römich ist für den Gesetzentwurf. Der unterfränkische Pfarrer Ruland, eines der Häupter der Ultramontanen, d a g e g e n, der Volksgeist widerstrebe der Emanzipation der Juden. Die Gemeinde müsse gegen Niederlassungen derselben ein absolutes Veto behalten. Die christliche Gemeinde werde nie den Rechtsspruch eines jüdischen Richters anerkennen. Ein Jude (Crcmieux) habe Louis Philipp verrathen, auch Baiern werde nach der Emanzipation seinen Cremieux finden. Der sehr fromme Landrichter Harold ist zu allgemeinem Erstaunen für den Gesetzentwurf. Fink stimmt nur mit Erhaltung des absoluten Veto der Gemeinden für das Gesetz. Crämer, Abg. der Linken, in seinem und seiner Freunde Namen für den Entwurf wie er liegt und gegen alle Modifikationen. Die Juden hätten diese Rechte zu fordern. I)r. Sepp ist gegen die Emanzipation der Juden; sic hätten alle Nationen, zu denen sie gekommen, laut der Geschichte zu Grunde gerichtet. Alle Staaten und Fürsten Europa's seien in ihren Händen und sollten daraus erst emanzipirt werden. Eine Versammlung jüdischer Rabbiner und Notabeln solle erst feststellen, ob ihnen die Emanzipation wünschenswerth und womit sie ihrerseits entgegenzukommen gedächten. Herr v. d. Pfordten, der Letzte der heutigen Redner, spricht sich in warmer fast begeisterter Rede für den Gesetzentwurf vom Standpunkt der Staatsklugheit aus. Da die Juden das höchste politische Recht, die Volksvertretung, bereits ausübten, müsse ihnen konsequenterweise auch alles Uebrige gegeben werden. Der Minister erntet großen Beifall. Die Sitzung wird um 3'/r Uhr geschloffen und auf morgen eine neue anberaumt. —. Die statistischen Notizen, welche ver Bericht des Ausschusses der zweiten Kammer überden Judenemanzipationsgesetzentwurf an die Hand giebt, bemerken, daß die Familienzahl der Israeliten in Baiern im Jahre 1813 5363, im Jahre 1822 bereits 10,663 und endlich im Jahre 1848 12,369 mit 57,498 Seelen betragen hat. (Dieser übermäßige Zuwachs rührt sicherlich nur aus den unzuverlässigen Zählungen der frühern Zeit her, wie dies in allen Ländern anerkannt ist. Red. d. A. Z. d. Jud.) München, 11. Dezember. (V. Z.) In ihrer heutigen 42sten Sitzung setzte die Kammer der Abgeordneten die Berathung über die Judenbill fort. Abg. Maier ist für das Gesetz, doch mit der Modifikation, daß die Gemeinden, wo noch keine Juden ansässig sind, bei Ansässigmachung das absolute Veto haben sollen. Abg. Forndran (Bürgermeister von Augsburg) ist für das Gesetz mit der Modifikation: Alle den israelitischen Staatsangehörigen bisher gesetzlich oder übungsweise zugestandenen Ausnahmen und Bevorzugungen, insbesondere bezüglich des Schachers und sonst unregelmäßigen Handelns, hören nach Umfluß eines Jahres vom Tage der Publikation dieses Gesetzes an auf. Domprobst vr. Allioli ist für eine Gleichstellung, aber mit gesetzlichen Bürgschaften gegen die jüdischeHandelssucht und Arbeitsscheu. Er beantragt die Modifikation: „daß den Gemeinden gegen neue Handelskonzessionen das unbedingte Veto zustehen solle." Kirchgeßner findet in dem Gesetz ein Gebot der Moral, des Rechts und der Politik, er ist gegen jede Modifikation. Abg. Wolfsteiner stimmt nur für das Gesetz mit der Modifikation des

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