Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1849)
- Date
- 1849-12-17
- Page
- Seite 734 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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734 des Vorstandes bei einem zu berathenden Gegenstände betheiligt ist, so darf dasselbe der betreffenden Verhandlung nicht beiwohnen. §. 47. Der Vorsitzende ertheilt das Wort nach Reihenfolge der Anmeldungen und entscheidet über die Fragestellung. Er hat darüber zu wachen, daß kein Redner unterbrochen wird; er hat das Recht, Redner zur Sache und zur Ordnung zu verweisen und ihnen bei beharrlicher Verletzung seiner Anordnungen das Wort zu entziehen. Bei Beschwerden über seine Amtsführung entscheidet die Repräsentation. §. 48. Der Vorsitzende der Repräsentation hat das Recht, den Gemeindediener zu requiriren. §. 49. Wenn der Präsident einer Sitzung nicht beiwohnt, so wählen die Anwesenden aus ihrer Mitte, jedoch nur für diese Sitzung, einen Vorsitzenden. C. General-Versammlung. §. 50. Die General-Versammlung besteht aus allen stimmberechtigten Gemeindemitgliedern (§. 4.), sofern die Ausübung ihrer Ehrenfunktion nicht suspendirt ist (§§. 24. 37. 71. und 77.). Jedem Andern ist der Zutritt untersagt. Einberufung. §. 51. Die General-Versammlung wird einberufen mit Angabe des Berathungsgegenstandes, des Lokals, des Tages und der Stunde, mittelst Ansagen bei sammtlichen Stimmberechtigten durch den Gemeindediener und möglichst durch Verkündigung in der Synagoge beim Morgengottesdienste des der General-Versammlung zunächst vorhergehenden Sabbats oder Feiertags. Wenn der Gemeindediener einen Stimmberechtigten nicht zu Hause trifft, genügt es, wenn er die Anzeige dort hinterläßt. Die Einberufung geht vom Vorstande aus, außer im Falle des Schlußsatzes des K. 73, wo die Repräsentation dieselbe bewirkt. Geschäftsordnung. §. 52. Den Vorsitz in der Generalversammlung führt ein Mitglied des Vorstandes, außer wenn die Repräsentation die Versammlung nach §. 73 Schlußsatz einberufen hat, in welchem Falle der Vorsitzende der Repräsentation präsi'dirt. Bei dessen Behinderung muß die Repräsentation einem Andern aus ihrer Mitte den Vorsitz übertragen. Fortsetzung folgt.) Belletristisches. Was verlorene Kind. Novelle von G. Ben-Levi. (Schluß.) Der Doktor machte zahlreiche Schwingungen, feine Hände strömten mit Kraft das elektrische Fluidum auf Vidal, der in einem Lehnstuhl saß, die Beine ausgestreckt, und bald sah man die Glieder desselben sich dehnen, seine Stirn faltete sich, seine Muskeln zogen sich zusammen, sein Gesicht, von schönem schwarzen Barte bekränzt, nahm eine blasse Farbe an, seine Brust hob sich, seine Augen schlossen sich unter einer übernatürlichen Kraft, und er fiel in den Lehnstuhl zurück, wie wenn das Leben aus seinem Körper entwichen. Die Gesellschaft, aufmerksam und stumm, schien von einem eisigen Schauer ergriffen. Bei der Stimme des Doktors belebte sich Vidat; man verband ihm die Augen, man brachte Karten herbei, und er spielte mehrere Spiele Ekarte, die Karten errathend ohne sie zu sehen, und über alle Spieler triumphirend, die gegen ihn auftraten. Dann übergab man ihm sorgfältig gesiegelte Päckchen, und er errieth ihren Inhalt; man legte ihm geschlossene Bücher auf, und er las in ihrem Innern durch die Deckel; endlich sagte er die Zukunft voraus, gab Rathschlage für abwesende Kranke, und antwortete auf ihm vorgelegte Fragen mit einer Klarheit, Bestimmtheit und Genauigkeit, welche die ganze Gesellschaft in Bewunderung versetzten, die durch die lauteste Ausrufungen sich kund that. Man wollte den Somnambulen eben aufwecken, als der Untersuchungsrichter bat, eine letzte Frage an ihn richten zu dürfen. „Za," antwortete der Somnambule. „Mein Herr," sprach er mit einer ernsten und langsamen Stimme, „ich leite jetzt die Untersuchung gegen die Urheber eines verabscheuungswürdigen Verbrechens. Können Sie im Geiste den Forschungen der Justiz folgen?" „Ja," antwortete der Somnambule. „Können Sie uns in der Aufsuchung des Mörders des Kindes leiten, welches im Hause Castro's getödtet worden?" „Es ist kein Kind getödtet worden." Bei diesen scharf betonten Worten erzitterte die Gesellschaft.