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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-12-17 · Heft 51 (17.12.1849) · p. Seite 735

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 51 (17.12.1849)
Date
1849-12-17
Page
Seite 735 (sequence 15)
Language
German
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735 „Was ist aus dem verschwundenen Kinde geworden?" „Es ist in der Nacht entführt worden." In diesem Augenblick erhob sich Rabusson voll Unruhe, aber er setzte sich bestürzt nieder, als der Richter ihm einen strengen Blick zugeworfen, ohne Zweifel um ihm zu empfehlen, Geräusch zu vermeiden. „Entführt! wie das," fuhr der Richter fort, „und durch wen?" „Ich sehe in diesem Augenblick schwer," erwiderte der Somnambule mit unterdrückter Stimme; „eine blutige Wolke scheint sich auf meine Augen und Brust zu legen. ... Das Kind ist durch eine befreundete Hand entführt, es ist nicht getödtet, es lebt ... aber diese Wolke, mein Gott! diese Wolke, die sich verdunkelt. . „Muth, Vidal, Muth!" rief der Doktor aus, indem er wie wahnsinnig das Fluidum mit voller Hand auf ihn richtete. Und die schwer athmende Gesellschaft schien an den Lippen des Somnambulen zu hängen. Und Rabuffon erbleichte, dicke Tropfen Schweiß rannen von seiner Stirn, und als. er sich erhob, um Luft zu schöpfen, hieß ihn der Untersuchungsrichter sich zu setzen, und fuhr fort; „Wenn es lebt, wo ist es?" „Ich sehe jetzt einen Mann, *\a, einen Mann, der das Kind trägt; wir gehen, wir gehen immerfort, wir gehen sehr weit. Ach, welch schöne Lust. . Gut. Wir verlassen die Stadt; da sind wir unter Baumen; die Morgenluft bewegt das hohe Gras; das Kind schreit, es friert, es hungert. Ha, der Elende, der das arme kleine Kind den Küssen seiner Mutter, den Liebkosungen jenes sanften, unschuldigen jungen Mädchens entführt! Wie gehen immer, wir sind im freien Felde, wir nähern uns .. ." In diesem Augenblick hört man ein schreckliches Geräusch, und die ganze Gesellschaft stößt einen Schrei aus, als wenn ein schreckliches Erdbeben sie erschüttert hatte. Als die allgemeine Unruhe ein Wenig beruhigt war, sah man Rabusson vom Stuhle gefallen, leblos ausgestreckt in der Mitte des Saales, wie vom Schlage getroffen. „Es wird ihm zu warm geworden sein," sagte ruhig der Untersuchungsrichter. Und der Doktor Montrot beeilte sich seinen Schläfer aufzuwecken, um sich mit Rabusson zu beschäftigen. Jndeß war dieser, nachdem er zum Fenster gebracht, ihm der Rock geöffnet und die Halsbinde abgenommen worden, wieder zu sich gekommen. War einmal diese Unruhe vorüber, so wollten die jungen Leute -Punsch trinken, und die Damen versuchten zu lachen, aber es schien unmöglich die eisige Atmosphäre zu brechen, die auf den Anwesenden zu ruhen schien. Die Gesellschaft trennte sich ernst, der Doktor Montcol führte Prosper Vidal fort, der von Ermüdung erdrückt und unter'dem Gewicht der lebhaften Gemüthserschütterungen zu unterliegen schien. Als Rabuffon, der sich für vollkommen hergestellt ausgab, wankend fortging, bot ihm der Untersuchungsrichter den Arm. Während des Weges sagte?r kein Wort zu ihm, nur fühlte jener den Arm zittern, den er kräftig in dem Seinigen hielt. An seiner Thür angekommen, dankte Rabuffon stammelnd seinem Gefährten, der ihm mit kaltem Ernste antwortete: „Ich habe Sie nur begleitet in der Hoffnung, daß Sie mir Etwas von dem bei Castro entführten Kinde sagen, das noch lebt." Diese Worte drangen in Rabussons Herz mit der Kalte des Stahls; er Lehnte sich gegen die Thüre, da er seine Füße unter sich schwanken fühlte, und der Richter zog sich zurück, indem er mit strenger Stimme sagte: „Wenn in vierundzwanzig Stunden das Kind nicht wieder gefunden ist, wollen wir es zusammen aussuchen." Am andern Morgen sah man Rabusson nicht wieder, er war während der Nacht abgereist, und man hörte niemals wieder Etwas von ihm. Am nächsten Tage, Nachmittag, brachte eine Bäuerin, die auf einem Esel saß, das bei Castro entführte Kind zum Bürgermeister. Es war ihr von einem Manne übergeben worden, dessen Bezeichnung dem Rabusson ähnelte. Ein Freilaffungsbefehl brachte sofort Castro und seine Tochter nach ihrem Hause, und der erste Besuch, den sie empfingen, war vom Doktor Montcol, der ihnen Prosper Vidal mit den Worten vorstellte: „Der Geist und die Gewandtheit Ihres Freundes gestatteten mir eine Szene aufzuführen, die Ihnen Leben und Ehre gerettet hat, Dank der Unterstützung des gerechten und guten Richters, der Ihre Unschuld erkannt hatte, bevor sie erwiesen war." Und Castro, nachdem er mit Innigkeit den würdigen Arzt umarmt hatte, legte die Hand seines Befreiers in die seiner Tochter, und sagte: „Gott einige Euch im Glücke, wie Ihr es im Unglück gethan." Und einige Tage spater feierte Castro Ostern mit einer frommen Sammlung; als er mit Innigkeit die Worte der Hagada gesprochen: „dieses Jahr sind wir Sklaven, im nächsten Jahre werden wir frei sein" — fügte er

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