Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1849)
- Date
- 1849-12-17
- Page
- Seite 726 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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728 Verdienst hat, die endlich erreichte Emanzipation hier angebahnt zu haben. Als sie gestern ihre jährliche Preisvertheilung an würdige Dienstboten hielt, war es Rabbiner Stein, der die Eröffnungsrede hielt. Er deutete mit einigen Worten auf obigen Umstand hin. Darmstadt, 12. November. Wie wir vernehmen, so hat die hiesige israelitische Gemeinde, in Erwägung unabweislicher Zeitverhältnisse, sich veranlaßt gesehen, in Berathung über ihre Religionsverfassung zusammenzutreten, um in gemeinschaftlicher Einigung zu entsprechenden Reformen derselben baldigst zu gelangen. Von Seiten dieser Gemeinde, heißt es ferner, seien Einladungen an die Landjudenschaft zur Betheiligung an den Berathungen, deren bereits mehrere stattgefunden, ergangen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 24. November. Aus Krakau befindet sich hier eine Deputation der dortigen Judengemeinde, ihren Rabbiner an der Spitze, um Sr. Maj. für die ihnen durch die oktroyirte Charte vom 4. März gewährte Gleichstellung mit den übrigen Staatsbürgern ihren Dank abzustatten, zugleich aber zu bitten, daß idncn in dieser Beziehung von Seite der dortigen christlichen Gemeinde keine weiteren Hindernisse in den Weg gelegt werden möchten. Bekanntlich haben die krakaucr Juden, gestützt auf die Verheißung und das klare Wort der Reichsverfaffung, das von ihnen bisher bewohnte Ghetto, wohin sie in früherer Zeit durch mittelalterliche Finsterniß und Grausamkeit verbannt waren, nun verlassen und sich in der Vorstadt Stradom niedergelassen. Allein die dortige Stadtgemeindc scheint den Sinn der Reichsverfassung in ganz eigener Weise aufzufassen, und opponirt sich gegen dieses Ansinnen der Kinder Israels. Die Juden (wollen jene aufgeklärten Politiker behaupten) sind zwar durch die Charte vom 4. März den Christen gleichgestellt, darum ist ihnen aber doch nicht erlaubt, unter ihnen wohnen zu dürfen! Wir sind sehr begierig auf die Antwort, welche die krakauer Deputation an den Stufen des Thrones erhalten wird. (Börsenh.) (Aus dieser Nachricht wird auch die, von uns gleich bezweifelte Notiz verständlich, die in vor. Nr. mitgetheilt worden, daß in Krakau eine Bittschrift zirkulire, des Inhalts, di« Juden mögen im Ghetto wohnen bleiben. Die Bittschrift mag bei Christen zirkuliren; aber Juden werden sie schwerlich unterzeichnen. Wer sich aus früheren Schilderungen dieser Zeitung der furchtbaren Verhöhnungen und moralischen Grausamkeiten, welchen die Juden in dem ehemaligen freien Staate Krakau unterworfen waren, erinnert, der wird nicht glauben können, daß Juden den ersten Schritt thun werden, um jene Zustände wieder herzusiellen.) —. 3. Dezember. Heute endlich wurde der ehemalige Reichstagsabgeordnete, Dr. Fischhof, nachdem seine Freisprechung ab iustnutis bestätigt worden war, seiner Haft entlassen. Dieses Ereigniß findet allgemeine Theilnahme. Doch fürchtet man, Fischhof werde Wien verlassen müssen. Wien, 5. Dezember. In dem heute erschienenen neuen Reichsgesetz- und Regierungsblatte wird eine zwischen dem k. k. österreichischen und dem russischen Kabinette vereinbarte Erläuterung des zwischen Beiden früher stipulirten Vertrages wegen gegenseitiger Auslieferung nicht zuständiger Israeliten zur Veröffentlichung gebracht. Preßburg, 20. November. Hier ist eine Verordnung erschienen, welche die religiösere Beobachtung der Sonntage zum Zwecke hat und die diesfalls eine Zeit, lang unbeachtet gebliebenen Vorschriften erneuert. Außer Apotheken und Eßwarenläden müssen alle anderen Verkaufsläden geschlossen bleiben, und das Arbeiten bei Gewerben wird nur in dringenden, der Stadthauptmannschaft bekannt zu gebenden Fällen gestattet. Da rücksichtlich der Schließung der Läden ausdrücklich auch die Stadttheile am Sckloßberg und Zuckmantel einbegriffen worden, so werden hierdurch besonders die Juden betroffen, welche am Samstage ihre Läden verschlossen halten und sie dafür Sonntags öffnen. (Wahrscheinlich finden sich nun jüdische Kaufleute, welche den Sonnabend den Laden öffnen, und ihn Sonntag schließen. Dies wird das Richtige sein, wenn die Zeitungen berichten: „Man vernimmt, daß die Juden in Preßburg, aus Anlaß der neuen Verordnung wegen strengerer Sonntagsfeier sich entschlossen haben, den Sonntag mit den Christen zugleich zu feiern und dafür am Samstag ihre Geschäfte ungestört betreiben.")