Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1849)
- Date
- 1849-12-17
- Page
- Seite 725 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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723 freund, sieht diese hämischen Ausbrüche des alten Vorurtheils mit Unwillen. Aber freilich! kann man den Wunsch nicht unterdrücken, daß nicht so viele unreine Elemente sich von uns ausscheiden möchten, welche bei jeder Affäre zum Borschein kommen. Man vergesse den Verräther Deutz nicht, der eine ähnliche Rolle in Frankreich spielte, und so manche andere Subjekte! Was nämlich das Nebel vermehrt, das ist, daß es gerade Eigenschaften sind, die man allzu oft dem Juden als spezifische zuschreibt, die bei den öffentlichen Verhandlungen an diesem Bürschchen als Eharakteristika zum Vorschein gekommen: Zudringlichkeit bei Unfähigkeit, maßlose Eitelkeit, die um jeden Preis befriedigt sein will, und treulose Spitzbüberei, Lügenhaftigkeit. Uns kommt vielmehr dabei in den Sinn, daß es allerdings der Fluch jahrhundertlang er Ausschließung, Absperrung, Versagung ist, daß sich die Leidenschaft nun auf allen möglichen Wegen hinausdrängt! Doch lassen wir dieses Kapitel, das durch und durch anwidert, und das nur darum nicht vergessen werden darf, um überall und immerfort auf sittliche Läuterung zu dringen, um jedes Einzelnen und um der Gesammtheit willen. Die kirchlichen Angelegenheiten scheinen jetzt bei uns wieder den Vordergrund einnehmen zu wollen. Die Revolution kehrt zu ihrem Ausgangspunkt wieder zurück. Nur sind die Rollen gewechselt. Während früher die kirchlich Liberalen den Angriff machten, sind es jetzt die orthodoxen Parteien. Die Katholiken, die s. g. Altlutheraner wollen unbedingte Freiheit, die evangelische Union in Preußen soll gesprengt werden. Dabei soll aber doch der Staat die Zivilehe zurückweisen, die Konfessionsschulen dotiren rc. Also wo der Staat Etwas zu geben hat, da soll er der Kirche den ehernen Arm leihen, wo er Etwas fordern will, soll er zurückgestoßen werden. Hingegen die Liberalen, wie die freien Gemeinden, die Dcutschkatholiken halten sich ganz ruhig; ihnen ist ganz sacht das Konsistorialjoch wieder aufgelegt worden, und sie halten stille. Wir wollen hier auf diese Zeichen der Zeit nicht weiter eingehen, auf die Nemesis, die darin verborgen liegt — unsere Meinung ist die altbekannte: die religiösen Interessen in den Vordergrund, aber die kirchlichen zurück! Diese Verwechselung, oder diese Verschmelzung des Religiösen und Kirchlichen, sie hat der Menschheit schon so viel gekostet, aber das Maaß scheint noch nicht voll zu sein. Auch hier müssen wir jetzt bezahlen, was das vorige Jahr zu weit ging; aber es ist unausbleiblich, daß in der Zukunft einmal eine desto schärfere Zurückbezahlung auf der andern Seite stattsinden werde. Wenn nur die Menschheit bei diesem Laviren nicht die Schmerzen zu tragen hätte, und die Religion zuletzt als das zerrissene, zerfetzte Segel daraus hervorginge. Auf diesem Hintergründe erscheint das Judenthum wie ein naiv spielendes Kind, das, ohne Theilnahme an den Vorgängen, nur den lieben Gott walten läßt, um es gehen zu lassen wie es geht. Eine Windstille herrscht da, daß wie an einem Punkte das Schiff gefesselt scheint. Ganz im Gegensatz möchte man ausrufen: ein Sturm, ein Königreich um einen Sturm, wer giebt uns einen Sturm! Keiner spricht und Keiner hört und Keiner antwortet. Und wenn eine Fliege zu summen ansängt, so tönt ihr ein vielstimmiges St! entgegen: was störst du unfern Schlummer? Stuttgart, 25. November. Wie man hört sind insbesondere durch den überwiegenden Einfluß des trefflichen und aufgeklärten Rabbinen, Kirchcnrath Maier, bei der hiesigen israelitischen Gemeinde erhebliche Reformen beschlossen worden, die demnächst in's Leben treten sollen und worüber ich mir nähere Mittheilung Vorbehalte. München, 25. November. Endlich ist auch unsere Angelegenheit in Baiern um einen Schritt weiter gerückt. Im Ausschüsse ist nun auch das Judenemanzipationsgesetz erledigt; es wurde von den 18 Mitgliedern desselben mit 10 Stimmen gegen 5 angenommen; die drei abwesenden würden wahrscheinlich gleichfalls dafür gestimmt haben. In der Kammer wird das Gesetz wol durchgehen, und wenn die HH. Ruland, Döllinger u. dgl. mit ihren alten Beweisen gegen die Möglichkeit, daß ein Jude Staatsbürger in einem christlichen Staate sein könne, vergeblich in den Kampf getreten sein werden, dann wird auch die erste Kammer diesem von der Regierung so liberal abgefaßten Gesetze ihre Zustimmung nicht verweigern können. Frankfurt am Main, 26. November. Die Gesellschaft zur Beförderung nützlicher Künste rc. ist der erste Verein unserer Stadt, welcher in seine Mitte Juden in die Verwaltung berief und dadurch das