Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1849)
- Date
- 1849-12-17
- Page
- Seite 724 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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724 die hebräische Sprache noch ausschließlich im israelitischen Gotteshause sich behauptet. Nichtsdestoweniger aber ist auch die Geschichte der Israeliten ein wesentlicher Bestandtheil des israelitischen Religionsunterrichts, insofern er darauf Hinweisen muß, wie gerade das Judenthum die höheren Wahrheiten in der Menschheit vertreten und ihre Verbreitung bewirkt hat. Die Geschichte der Israeliten, nicht blos so weit sie in der Bibel enthalten, sondern mehr noch in den späteren leidenvollen Jahrhunderten bis auf unsere Zeit, ist am Geeignetsten, Liebe und Begeisterung für die Religion in den Herzen der israelitischen Jugend zu erwecken. — Ein solch umfassender Religionsunterricht bedarf aber einer besondern Anstalt, die bis jetzt noch immer zu den frommen Wünschen gehörte. Dem Prediger des hiesigen israelitischen Brüdervereins, dem Herrn Dr. Moritz Goldstein, ist es endlich gelungen, nachdem derselbe in einem Prospektus vorstehende Zwecke der Religionsanstalt auseinandergesetzt, eine israelitische Religionsunterrichtsanstalt in's Leben zu rufen. Dieselbe wurde am 1. November d. I. eröffnet und besteht aus zwei Klassen für Mädchen und drei für Knaben; die Anzahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden beträgt 22. Außer dem vr. G. ist auch der Herr Dr. S. Deutsch aus Danzig, Kandidat der jüdischen Theologie, ein ebenso eifriger als tüchtiger Lehrer an der Religionsschule thätig. Es ist aber nicht hinreichend, eine solche Anstalt eröffnet zu haben, sondern es müssen auch die nöthigen Schritte für deren fernere Existenz geschehen. So lange dieselbe lediglich von den Schulbeiträgen der einzelnen Mitglieder abhängt, kann der fernere Bestand der Schule leicht gefährdet werden. Das geeignetste Mittel, die Existenz der Religionsschule für die Dauer zu befestigen, wäre, die Religionsschule zu einer Gemeindeschule zu machen. Denn, da ohnehin, mit Ausnahme der Zahlungsunfähigen, fast nur die Kinder der Mitglieder des Brüdervereins die Relgionsschule besuchen, so ließe sich bei dem regen Eifer und der Uneigennützigkeit, mit welcher sich Herr Dr. Goldstein dieser guten Sache hingiebt, die Uebernahme der Religionsschule, Seitens der Vorsteher des Brüdervereins, sehr leicht bewerkstelligen. — Hierdurch würde aber nicht nur die Existenz der Religionsschule, sondern auch die Fortdauer der Brüdergemeinde für die spätere Generation garantirt sein. Denn, jede Gemeinde, als religiöse Einheit betrachtet, muß dafür sorgen, daß die Jugend durch gründlichen Unterricht in der Religion sowol vor dem Unals dem Irrglauben bewahrt werde. Wie das Gotteshaus das religiöse Band ist für die einzelnen Gcmeindemitglieder, so ist es auch die Religionsschule in Betreff der Jugend, aus welcher ein Geschlecht hervorgehen soll, das mit dem Zeitgeiste vorwärts schreitend, auch dessen nicht entbehre, was das Glück und die Zufriedenheit der Menschen begründet, nämlich der Religion! M. Dg. Aus dem Großherzogthum Posen, 2. Dezember. (Pos. Ztg.) Man hat sich vielfach gewundert, daß in den Städten der Provinz, in welchen die jüdische Bevölkerung vorherrschend ist und die Cholera, besonders unter diesem Lheile der Einwohner sehr gewürhet hat, eine Abnahme derselben nicht zu bemerken ist und die Familien so vollzählig erscheinen, wie sie früher gewesen sind. Das Räthsel läßt sich lösen: Wer im Königreiche Polen nicht Lust hat, Soldat zu werden, von seiner Familie für immer Abschied zu nehmen und in eine militärische Leibeigenschaft einzutreten; oder wer sich von den allgemeinen und den besonderen Abgaben, welche auf dem Juden lasten, gedrückt fühlt; oder wer ein freieres und besseres Dasein wünscht — er wandert aus, kommt in das Großherzogthum, und tritt an die Stelle eines an der Cholera Verstorbenen, verzichtet äußerlich auf seinen Namen und seine Verwandten, und adoptirt Namen und Familie seines tobten und ungekannten Doppelgängers. Das ist die einfache Methode, durch welche die Auferstehung der Tobten bereits 600 Mal an Flüchtlingen aus dem warschauer Gubernium in aller Stille gefeiert worden ist. Berkin, 9. Dezember. (Privatmitth.) An der erbärmlichen Figur, welche der Jude Ohm in dem Waldeck'schen Prozeß, an der verabscheuungswerthen Figur, welche er in diesem spielte, fressen sich die Judenhasser aller Parteien wieder einmal recht satt. Es ist ein Jude, sagen die Demokraten, und höhnen. Es ist ein Jude, sagen die Reaktionäre achselzuckend. Was nützt es, daß dem Ohm ein Gödsche, dem Waldeck ein Jacoby und Andere parallel stehen — man sucht sich mit dem Ausspruch: es ist ein Jude! zu decken. Der Freund der Gerechtigkeit, nicht blos der Juden-