Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1849)
- Date
- 1849-12-17
- Page
- Seite 723 (sequence 3)
- Language
- German
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723 erschütterliche Grundlage in seiner Geschichte hat—Beides geht der „freien Gemeinde" gänzlich ab, und wer aus dem Judenthume sich ihr anvertraut, macht sich nur zum Sancho Pansa eines Don Quixote; denn dies ist die „freie Gemeinde", wenn sie sich dem Judenthume gegenüberstellt. Wenn die „freie Gemeinde" die obigen Lehrsätze annimmt, so nimmt sie sie eben nur „aus dem Verstände" heraus an, dessen Beweiskraft, wenn sie allein steht, nichts Sicheres hat, wie die „freie Gemeinde" ja selbst beweist. Das Judenthum giebt ihnen aber auch die Beweiskraft der ununterbrochenen Geschichte, und Beider Uebereinstimmung ist ein voller Beweis: da eine Menschengeneration allein niemals einen wesentlichen Beweis gegen die ununterbrochene Geschichte der Menschengeschlechter abgeben kann. Wir fasten dies auch so. Wenn die „freie Gemeinde" bei jenen Lehrsätzen, in denen sie mit dem Judenthume sympctthistren würde, stehen bliebe: woher hat sie denn diese? Allein aus dem Judenthume. Denn diese Lehrsätze blieben ihr eben übrig, nachdem sie die spezifischen Lehren der christlichen Kirche, welche diese um die dem Judenthume entlehnten Lehren gelegt hat, zerbrochen. So hat sie eben nur noch, was wesentlich die christliche Kirche dem Judenthume und unmittelbar entnommen. Wie rhöcicht verfahren also die Juden, welche das, was ihnen in ihrer Religion in ewiger Frische, aber auch in sicherster Gestalt blüht, auf einem Gebiete, das noch dazu von allen Stürmen des Meinungswechsels durchbraust wird, suchen wollen! Was nun freilich solche Juden mit großem Uebermuthe angeben, daß sie allen „historischen Kram" von sich thun wollen — so mögen sie sehen, wie sie mit dieser sinnlosen Frechheit zuletzt fertig werden. Mögen sie sich lieber in den Krater eines Vulkans stürzen, als auf dem festen Boden der Golteserde bleiben — sie dürfen sich nur nicht beklagen, wenn sie dadurch in ihrem innern Gehalte unterlagen, und wenn — Niemand ihnen folgt. Denn die Klagen dürfen sie ohne Heuchelei nicht mehr vortragen, daß auch das Judenthum aus seiner Geschichte heraus Formen habe, die ihnen widerspreche -denn wir sind dahin gelangt, daß das Judenthum seine Formen Niemandem mehr aufzwingt, daß es jedoch darum um so mehr seine Lehre als ein unveränderliches Panier, von dem es sich Nichts abschneiden laßt, aufgesteckt halt *). *) Wir geben diesen Artikel um so unbefangener und Zeitungsnachrichten. Deutschland. Pose», 3. Dezember. (Privatmitth.) Das Bedürfniß nach einer Religionsanstalt für die israelitische Jugend ist hier schon seit längerer Zeit als ein recht fühlbares erkannt worden. Ja, es mag mit Recht befremden, daß eine Gemeinde wie die hiesige, die nahe an 10,000 Seelen zählt, in welcher der größte Eheil der israelitischen Jugend die Gymnasien besucht, wo sie keinen Religionsunterricht erhält, so lange ohne Religionsanstalt existiren konnte. Gerade in unserer Zeit, in welcher dahin gestrebt wird, alles äußerliche, israelitische Element in die allgemeine Zeittendenz aufgehen zu lassen, ist es eine heilige Pflicht, die Jugend schon frühzeitig mit den ewigen Wahrheiten der Religion bekannt zu machen, damit sie das innere Wesen derselben erfasse und begreife, und so zu einem Geschlechte herangebildet werde, das, den Anforderungen des Zeitgeistes Genüge leistend, dennoch als Bekenner eines alten, ehrwürdigen Glaubens sich fühle, dessen Erhaltung durch Jahrtausende von seiner inner» Kraft und Gediegenheit unwiderlegbares Zeugniß giebt. Soll aber bei den mannigfachen Beschäftigungen unserer israelitischen Jugend, bei den verschiedenen Gegenständen des Wissens, denen sie Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen hat, der Unterricht von gutem und dauerndem Erfolge sein, so darf er nicht auf das bloße Erlernen der Pflichten und Lehren, nach einem gegebenen Leitfaden etwa, sich beschränken, sondern er muß das tiefer liegende Gebiet der Quellen umfassen, aus denen allein für Herz und Geist des Kindes gleich erfolgreicher Gewinn geschöpft werden kann. Dazu gehört nun vor Allem das Berständniß der heiligen Schrift, jenes wunderbaren Buches, in dem die ewigen Grundwahrheiten der israelitischen Religion niedergelegt und bewahrt worden sind. Um dem Kinde dieses Berständniß zu erleichtern, ist natürlich die grammatische Erlernung der hebräischen Sprache ein unentbehrliches Mittel, und ein gediegener Religionsunterricht wird um so mehr sie zu erstreben suchen, als zur Zeit aus freiester Ueberzeugung, als nicht etwa in unserer Umgebung sich Juden der „freien Gemeinde" angeschlossen.