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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-12-10 · Heft 50 (10.12.1849) · p. Seite 716

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 50 (10.12.1849)
Date
1849-12-10
Page
Seite 716 (sequence 8)
Language
German
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716 Magid oder (Mochiach) Strafprediger stch sehnen. Da sehen wir oft die litthauer und russisch-polniscben Juden haufenweise in die Synagoge strömen, wo es stets des Morgens und des Abends voll von Männern und Weibern ist, und es wird gebetet, geweint und großer Lärm gemacht von Anfang bis Ende des Monats, täglich in die Posaune geblasen, weil auch laut Versicherung des rrm» diese Tage bei dem Ewigen sehr theuer sind, alle Thore des Himmels werden geöffnet und es steigen sogleich die Gebete (m^an) der Kinder Israel in den Himmel, wo die Verleumder (a-Ä^t^a) durch das Schreien des Pöbels und durch das Schoferblasen stumm werden. Wenn es aber dem nicht gelingt, den Pöbel durch seine Strafpredigten zum Weinen zu bewegen, so sängt er an, an den verstorbenen Rabbiner und fromme Leute in seiner Predigt zu erinnern, und zitirt noch dazu manche Stellen aus der Bibel mit seinen Auslegungen, wie z. B. aw rrnn yw p'nnn riD&o ^222 *0 ab bv der Gerechte kommt um, und Niemand nimmt es zum Herzen — daß bevor die Bosheit kommt und für die Bosheit wird der Gerechte hingerafft. Brüder! (weinend und stotternd) wir haben dieses Jahr den Rabbiner Reb Jze...ze...le verloren, auch Reb Jak....hi...el ist nicht mehr da, wir sind doch ein mm ‘■vn geblieben." Nun siehe, da hat der Prediger den Zapfen der Thränenquelle angegriffen, und jedes Auge fließet Thränenströme, unter Seufzen und Aechzen, wozu noch auch der Kantor (ym) mit seinem Helfer erscheint, und es folgt am Schluffe der rrtD’-m eine rührende tnwm rik. Gleich darauf, wo der ganze Pöbel mit solchen Ermahnungen und Erinnerungen angefeuert ist, wird einstimmig und mit großer Inbrunst das Abendgebet verrichtet, und auch etwas Almosen für die Armen und für die Chebrot vertheilt. (Fo rtsetzung folgt.) Belletristisches. Pas verlorene Kind. Novelle von G. Ben-Levi. (Fortsetzung.) Dies geschah in den letzten Tagen des März, um acht Uhr des Abends und das Wetter war trübe, so daß nur einige Nachbarn diese Strafe ausführen sahen, jedoch murrten diese schon und sagten: „Mit welchem Rechte schlägt ein Jude einen Christen?" Und wenn Rabusson sich nicht scheu und schleunigst in sein Haus, das nur zwei Schritte entfernt war, zurückgezogen hatte, so würde dieser Privatstreit in einen öffentlichen Kampf ausgeartet sein. Denn, beiläufig gesagt, die Hartnäckigkeit des religiösen Vorurtheils ist etwas höchst Bemerkenswerthes! Denn vergeblich haben die größten Geister aller Zeiten ihre Kräfte und ihre Intelligenz in dem Kampfe mit dem Dämon des Fanatismus aufgerieben, es war unmöglich dieses düstere Feuer, das die ganze Erde mit Ruinen und Trümmern bedeckt har, zu verlöschen.... Frankreich, sagt man, schreitet an der Spitze der Zivilisation vorwärts; es sind bereits sechzig Jahre her, daß es im Angesicht der ganzen Welt die Gleichheit der Kulten ausgesprochen, es hat hintereinander drei Revolutionen durchgemacht, um auf seinem Banner die heiligen Worte der Gleichheit und Freiheit erglänzen zu lassen, und dennoch, sobald es sich um religiöse Meinung handelt, verschwindet die Freiheit; und sobald sich die Scheidewand des Kultus erhebt, entflieht die Gleichheit: man könnte sagen, wenn man lebende Geschlechter voll Vorurtheils den Vorurtheilen der vorangegangenen Jahrhunderte Nachfolgen sieht, daß hier Gebrechen des Geistes vorhanden sind, wie Krankheiten des Körpers, die sich von Zeitalter zu Zeitalter forterben als unvertilgbare Zeichen des göttlichen Zornes. Seid also stolz darauf Franzose zu sein, um dennoch von angeblich aufgeklärten und toleranten Männern hören zu müssen; „Dies ist ein würdiger Mann, schade daß er Jude ist!" „Dieser Kandidat hat Wisien, ist ehrenhaft, — aber er ist Jude!" „Dieser Angeklagte ist ein Jude!" „Dieser Dieb (Religion unbekannt) hat die Früchte seines Diebstahls zu einem Hehler getragen . . . sicherlich einem Juden." „Christlichen Schülern keinen jüdischen Lehrer, christlichen Zöglingen keinen jüdischen Hofmeister. . ." und andere Redensarten gleichen Inhalts. Und doch, wenn wir eine aufrichtige, strenge Rechnung aufstellen würden, würde der Ausfall uns ungünstig sein? Wir haben weder einen Lacollonge, noch einen Mingrat, noch einen Bruder Leotade unter uns, es ist bei

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