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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-12-10 · Heft 50 (10.12.1849) · p. Seite 714

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 50 (10.12.1849)
Date
1849-12-10
Page
Seite 714 (sequence 6)
Language
German
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714 aktionäre die Juden als lauter Revolutionäre beschimpfen; daß in Ungarn die Judengemeinden vom Militärkommando mit großen Geldstrafen belegt worden, weil sie die Magyaren sollen unterstützt haben — aber das war den römischen Kardinälen aufgehoben, eine ganze Gemeinde wie eine Hehler- und Diebeshöhle zu behandeln, und in den Augen der ganzen Welt als eine Solche brandmarken zu wollen. Sie konnten es thun, denn was kann die physische Gewalt nicht Alles thun. Aber sie konnten nicht beweisen, daß sie cs mit Fug und Recht gethan — und dies ist unser Triumph. Zum Glück lebt der Gott der Gerechtigkeit noch, der die Verleumdung und das Unrecht zu Tage fördert! Rußland. Aus Litthauen, im November. (Privatmitth. Fortsetzung aus No. 31. 34.) Ich setze nach längerer Unterbrechung meine Schilderung da fort, wo ich aufgehört habe; glauben Sie aber nicht, daß ich die Farben zu schwarz auftrage. So begegnen wir stets auf den Schulhöfen in den großen und kleinen Städten Jeschiwa-Bachurim und Klausnern, die vor ihren bösen Frauen fliehen, besonders aber die, welche jede Arbeit scheuen; in diesen Schulhöfen, welche in Litthauen überall sehr kothig und schmutzig sind, finden die Müßiggänger ihren Zufluchtsort. Viele dieser Klausner werden bei den Bürgern (dt» ■’bsa) beköstigt, welche es für eine Wohlthat (naar») halten, solche Klausner am Sabbat, Fest- und Feiertage an ihrem Tische zu haben, wo sie, um dem Wirth und seiner Frau zu gefallen, Legenden und Mährchen theils aus den Büchern, die sie in den Klausen vorsinden, theils die sie von den Melamdin im -fum hörten, erzählen. Nachdem solche Klausner mit dem Wirth oder der Wirthin nähere Bekanntschaft machten, so kommt cs vor, daß der Wirth, wenn er eine kranke oder verkrüppelte Tochter hat, sie diesem verheirathet; am Meisten aber bleiben die Klausner bei dem Wirth als (Behelser) Bediente für seine Kinder angestellt, um sie in den Cheder zu führen. Da lassen sie sogleich ihre fromme Maske fallen, anfänglich stehlen sie die Speisen u. dgl., welche man den Kindern in's Cheder, laut in Litthauen von jeher herrschender Sitte, durch sie zuschickt; nachher fangen sie an Hausdiebe zu werden, und trifft es, daß man solche Behelser für ihren Diebstahl in's Gefängniß schickt. Aus den noch in manchen Oertern existirenden. Jeschibot gehen auch oft gut unterrichtete Talmudisten hervor, und oft vertreten solche Leute die Stelle ihrer Väter als Rabbiner oder More Deasro (y"n). Solche Rabbiner, wie auch ihre Gefährten D»?i u. dgl., welche sich auch (Duchowne) Geistliche nennen, erlauben sich noch jüdische Kleider und Zobelmütze zu tragen, und wenn sie dazu noch gut zu predigen verstehen, d. h. wenn sie in ihrer Predigt an die jüdischen Rekruten erinnern, wenn sie in der nwT die Sünde (DTtan) aufsuchen, wofür die kleinen Kinder sterben, wenn sie am Ende noch ein schönes Wort über die neumodische Kleidung vortragen und den jungen Leuten für ihre ausgekämmten Kopfhaare Vorwürfe zu machen wissen, woraus das ganze Volkseine Stimme in Aechzen erhebt, und auch alle Weiber in sehr großes Weinen ausbrechen, da wird solcher Prediger (tum) für einen sehr guten und frommen Mann gehalten und während er von der hohen Stelle neben der heiligen Lade (wTpn 's), wo er all seinen Jammer ausschüttete, herabsteigt, bedanken sich Viele auch für seine schönen Gleichnißreden (D'bw»), und nachher folgt der allgemeine ■pa'n irnnp. Auf den Gassen und Straßen wird von der Predigt gesprochen: ,,haben Sie heute gehört den Ta»? was für eine schöne Jammcrstimme er hat." „Nun gut, da kann er ein Beter (rsbsn ^y») in der Synagoge sein." „Aber seine witzigen Gleichnißreden wegen der langen Haare (ms»), welche in den jetzigen Zeiten leider sehr gekürzt sind." „Ja wol, aber hätte er lieber seine Predigt kurz gemacht, da würden wir nicht so lang in der Synagoge geschwitzt haben, wo es sehr enge war und wir sind dort schier erstickt." „Ich habe auch den dubner b"r Ta» wie auch den slonimer gehört, aber solch eine Aussprache wie der hat, habe ich noch nie gehört, besonders hat mir seine Vorliebe für die Armen sehr gefallen, für welche er nur das Almosensammeln predigt und nicht den Ackerbau; verlängere ihm Gott seine Jahre." Kommen die litthauer Rabbiner und Prediger auf einem Hochzeitmahl oder sonst auf einer niL» nwo zusammen, um außer dem Essen und Trinken noch eine gewisse Münze nachher von dem Wirth zu empfangen, so bringt jederRabbiner sein Stückchen —schon zu Hause mehrere Mal wiederholte—Lehre(imn) mir, und bevor

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