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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-12-10 · Heft 50 (10.12.1849) · p. Seite 713

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 50 (10.12.1849)
Date
1849-12-10
Page
Seite 713 (sequence 5)
Language
German
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713 Anruf derselben zu erwiedem. Die Schildwache wiederholte den Anruf, der taube Jude setzte natürlich, ohne zu antworten, seinen Weg ruhig fort, und betrat vielleicht auch den, wie es heißt, dem Zivile verbotenen Rayon des Kastells, ohne sich irgend einer bösen Absicht bewußt zu sein. Da fallt ein Schuß — der Jude sinkt, von der Kugel getroffen, zu Boden und verscheidet in wenigen Stunden. Belgien. Brüssel, Ende November. (Privatmitth.) In den letzten, so vielfach aufgeregten Zeiten war Belgien eine Oase in der politischen Sahara. Die Israeliten haben daher in diesem Lande keine Schicksale gehabt, während sie in fast allen europäischen Staaten den Stürmen und ihrem Wechsel ausgesetzt waren. Wenn, nach einem bekannten Spruche, die in den glücklichsten und blühendsten Zuständen leben, von denen nicht gesprochen wird und Nichts zu sprechen ist, so befinden wir uns sehr glücklich und blü» hend. Und unsere Zahl ist ja auch zu geringfügig, aber — lassen Sie es mich nur sagen — unsere Eigenschaften sind zu wenig bedeutend, als daß viel Interessantes bei uns geschehen könnte. Nachdem in den ersten Jahren nach der Revolution von 1830 der Kultus und das Schulwesen einen ziemlich bedeutenden Aufschwung genommen, ist seitdem Alles stabil geworden, und es wäre schon genug, wenn man sagen könnte, es ist Nichts zurückgegangen. Italien. Rom, 20. November. „Darauf sind die Fakta zu reduziren." So sprach der „Moniteur". Bekanntlich sind aber offizielle Zeitungen nicht immer die lauteren Quellen der Wahrheit, und der pariser „Moniteur" am Wenigsten. Das „Journal des Debats" brachte eine lebhafte Anklage gegen das französische Generalkommando in Rom, sich auf die schmählichste Weise bei der Durchsuchung des Ghetto betheiligt zu haben, und der „Moniteur" eine Vertheidigung, welche die ganze Angelegenheit als unbedeutend darzustellen suchte (f. vor. Nr.) Das „Journal des Debats" antwortet aber dem „Moniteur" dadurch, daß eS alle seine früheren Behauptungen wiederholt und nachweist, wie dieselben noch keine Widerlegung erfahren hätten. Diese bestehen im Wesentlichen darin, daß die Absperrung des Judenviertels mit einer nicht zu rechtfertigenden Strenge durchgeführt worden sei; daß die Rolle, welche die französischen Truppen dabei gespielt, eine erniedrigende gewesen, und daß Herr v. Corcelles dies sehr wohl eingcsehen habe; daß die Zahl der Haussuchungen sich nicht, wie der „Moniteur" behaupte, auf zwanzig beschränkt habe, sondern daß alle Hauser durchsucht worden seien; daß endlich das Ergebniß der Nachsuchungen kaum der Rede werth sei, indem man sehr wenig gestohlenes Gut gefunden habe. Als Beleg der letzten Behauptung wird auf folgenden Umstand hingewiesen, dem sich eine ziemlich starke Beweiskraft nicht absprechen läßt: „Wir wissen," heißt es in dem betreffenden Artikel, daß nach den Demüthigungen, welchen die Juden zwei Tage lang ausgesetzt waren, die angesehensten und geachtetstcn Bewohner des Ghetto, gestützt auf die Reinheit ihres Gewissens und die Fruchtlosigkeit der bei ihnen und ihren Religionsgenossen vorgenommenen Nachsuchungen, bei der päpstlichen Kommission feierlich darum eingekommen sind, daß, im Falle Etwas entdeckt werden sollte, was gegen sie oder ihre Brüder spreche, dieses zur Steuer der Wahrheit in dett römischen Journalen amtlich veröffentlicht werden möge. Bis jetzt nun haben diese Journale geschwiegen, und nach dem, was vorgegangen ist, können wir dieses Schweigen kaum einem andern Grunde, als der Unmöglichkeit, zu sprechen, beimessen. Wenn es wirklich ein Verzeichniß giebt, welches die weggenommenen Gegenstände feststellt, so begreifen wir nicht, warum es noch nicht veröffentlicht worden ist. Giebt es aber kein Solches, und legt das nach jenen Haussuchungen abgefaßte Protokoll nur die Fruchtlosigkeit derselben dar; wer ist es dann, der sich einen Jrrthum hat zu Schulden kommen lassen, der „Moniteur" oder wir?" Es bleiben also drei Fakta unwiderlegt: 1) daß die jetzige provisorische Regierung der Kardinäle das Judenviertel auf die entehrendste Weise behandelt hat, 2) daß sie Nichts gefunden, was dieses Manoeuvre rechtfertigt, so daß die Schmach auf sie selbst zurückfällt, 3) daß die französische Armee sich dabei zu Werkzeugen hergegeben und erniedrigt hat. Man weiß, daß in Frankreich die Sozialisten und Ultramontanen die heftigsten Schmähungen auf die Juden ausgestoßen, Beide, weil sich die Juden ihnen nicht in die Arme geworfen; daß in Preußen die Re-

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