Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1849)
- Date
- 1849-12-10
- Page
- Seite 712 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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712 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Magdeburg, 3. Dezember. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde, die seit 1807 aus wenigen Familien — denn früher durften hier keine Juden wohnen — sich nach und nach zu einer Mittlern (sie zählt jetzt 193 Familien) entwickelte, ist bis jetzt nicht im Besitz einer ihr gehörenden Synagoge gewesen, sondern mußte sich mit einem gemietheten Lokale begnügen. Denn so oft sie auch die Erwerbung eines Grundstücks und den Neubau eines würdigen Gotteshauses beabsichtigte, so stand dem doch die enorme Kostspieligkeit eines angemessenen Grundstücks innerhalb der Festung entgegen, so wie daß die Gemeinde verhaltnißmaßig zwar wenig Arme, aber auch wenig Reiche befaßt. Vor einiger Zeit nun kaufte die Stadt einen großen, an eines ihrer Schulgebäude stoßenden Garten, den sie nach Abzug des für sie benöthigten Platzes, in Parzellen wieder verkauft. Die Aeltesten beschlossen daher, einen Theil des Gartens käuflich an sich zu bringen, und die städtischen Behörden haben denselben der Gemeinde zu einem Preise unter dem Kaufpreis, zu 3 °/o auf 30 Jahre abgelassen. Mit Hilfe dieser Munisizenz wird die Gemeinde bald zum Bau eines würdigen Tempels schreiten. Aus Baiern, 1. Dezember. (Privatmitth.) Wir leben noch immer ohne bestimmte Aussicht auf die Befriedigung unserer gerechten Wünsche; wir leben noch immer unter dem vollen Drucke der Ausnahmsgesetze und Ausnahmssteuern, und die Abhilfe scheint weiter entfernt als je! Der Geist, der in den Kammern weht, ist kein freundlicher. Als in der deutschen Verhandlung ein jüdischer Abgeordneter (Morgenstern) wider das Ministerium sprach, da wurden schmähliche Vorwürfe — auf die Juden geschleudert, und Niemand nahm sich der Sache an. Und ist es der Regierung mit der Gleichstellung Ernst? Wird sie den Gesetzentwurf, wenn er zur Verhandlung kommt, ernstlich vertheidigen? werden nicht zahllose Petitionen dagegen von den Ultramontanen dem Volke entlockt, und die Agitation gegen die Emanzipation eine großartige werden, vor der Regierung und Kammern gern zurüüweichen? Dies ist es, was wir befürchten. Aber diese Furcht ist vielleicht ein leeres Traumgebilde, da die ganze Sache wol noch lange schlummern kann! Jndeß schweigen und ruhen unsere Juden, als ob es sich gerade um das Schicksal China's handelte. Freilich, die Leutchen sagen: wir wollen keinen Lärmen schlagen, denn sonst provoziren wir nur die Gegner. Ja, das wäre richtig, wenn diese nicht von selbst sich rühren werden, sobald die Angelegenheit zur Sprache kommen wird, als ob nicht dennoch die Zeit eine andere geworden ist, wo Baiern allein in Deutschland noch das Mittelalter für die Juden festhält, und als ob es nicht besser ist, die Sache endlich zur Entscheidung zu bringen, denn in der Schwebe zu hängen. Da doch jedenfalls Etwas zu Gunsten der Juden geschehen muß, wäre es in der That besser, dieses Etwas bestimmt zu haben, als Alles zu erwarten, und darüber Nichts zu bekommen. Es stände also den baierschen Juden wohl an, wenn die bedeutendsten Gemeinden Abgeordnete nach München senden würden, um in einer Gesammtpetition die Vornahme des uns betreffenden Gesetzentwurfes zu fordern. Einzelne Gesuche bleiben natürlich ohne Wirkung. Desterreichjscher Kaiserstaat. Krakau, im November. Die Zeitungen bringen von hier aus folgendes Kuriosum, dem wir wenig Glaubwürdigkeit deimessen. „In Krakau zirkulirt eine Bittschrift, worauf Juden und Christen unterschrieben sind,' und welche den Zweck hat, zu bewerkstelligen, daß die Juden ihr Ghetto nicht verlassen sollen, weil dadurch ihr Glaubensdogma verletzt würde." — Daß es in Krakau viele Christen giebt, welche die Juden nicht aus dem Ghetto herauslassen wollen, ist sehr natürlich. Daß es auch viele Juden giebt, welche theils von dem Zusammenwohnen im Ghetto ihr Brod ziehen, theils fürchten, daß die krakauer Juden, wenn sie außerhalb des Ghetto wohnen, ein wenig zu aufgeklärt würden — wozu bekanntlich der polnische Jude, wenn er erst einen Schritt gethan, sehr geneigt ist — ist ersichtlich. Aber „eine Verletzung des Glaubensdogma" ist doch ein Wenig zu viel! —. In Krakau ereignete sich am 16. November ein sehr trauriger Vorfall, der eben nur als dem Belagerungszustände entsprungen angesehen werden muß. Ein 80jähriger tauber Trödcljude ging des Abends neben der Bernardinerkirche an einer unweit dem Kastelle ausgestellten Schildwache vorüber, ohne den