Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1849)
- Date
- 1849-12-03
- Page
- Seite 706 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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706 eingedenk der Erzählung seines Großoheims, zwei Schriften aus den hinterlassenen Papieren seines Vaters zum Drucke beförderte. Landau war in demselben Jahre als Rabbiner nach Jambele gezogen. Nach Verlauf von zehn Jahren wurde er auf die ehrenvollste Weise als Oberrabbiner nach Prag berufen. Sein Ruhm verbreitete sich durch seine Vorlesungen und die von ihm herausgegebenen Schriften in allen Theilen der Welt. Seinen Gesinnungen und Gefühlen blieb er treu. Der durch den kabbalistischen Sabbatianismus einreißende Sekrengeist, so wie die von Berlin eindringende Aufklärung und angeregte Entwickelung des Judenthums verursachten ihm manchen Kummer. Seinen Haß gegen die deutsche Sprache konnte er nie unterdrücken, denn er hielt sie für das Mittel zur Erlernung nichttalmudischer Wissenschaften, wodurch Israel seinen abgesonderten Standpunkt verlassen und sich mit anderen Völkern vereinigen möchte. Als ihm daher Mendelssohns deutsche Uebersetzung der fünf Bücher Moses zu Gesicht kam, gerieth er in heftigen Zorn und verbrannte sie öffentlich im Schulhofe. Aber ec wurde auch ein Vater der Armen, und bedachte besonders die Dürftigen, welche noch verschämt waren und ihre traurige Lage nicht öffentlich zur Schau trugen. Bei der Belagerung der Stadt im Jahre 1757 blieb er als treuer und muthiger Hirre bei seiner Gemeinde, so weit sie zurück blieb, obgleich auch er Gelegenheit zur Flucht gehabt hatte. Ec ernährte die Hungrigen zur Zeit der Noch, leitete die Befestigung der Thore an der Judenstadt, erleichterte den Frohndienst und wies den Uebermuth der frechen Krieger zurück. Raphael zog bald nach Hechingen, denn der Fürst Joseph von Sigmaringen war ein Freund der Jesuiten, und wollte die Israeliten in Haigerloch, wo er restdicte, zwangsweise zum Anhören der Bekehrungspcedigten in den Kirchen anhalten. Raphael bewirkte bei dem Fürsten Joseph Wilhelm von Hechingen den Erlaß eines landesherrlichen Schutzbriefes, wonach den Glaubensgenossen die Kaserne in der Fciedrichstraße bei Hechingen zur Bewohnung überlassen wurde, und zehn Familien in der Stadt selbst wohnen durften. Landaus Segen ging in Erfüllung. Zwar starb er im kräftigen Mannesalter, in Folge eines unglücklichen Falles in Sigmaringen, aber Rebekka, seine Frau, erlebte viele Freuden an ihren Kindern, denn ihre Tochter Kaulla hatte einen großen Geschäftskreis, das edelste Herz und den frommsten Sinn. Sie brachte die Familie, welche sich nach ihr benannte, und die Gemeinde, welche immer zahlreicher wurde, zu Wohlstand und Ehre. Die Gäste und Gelehrten wanderren aus allen Gegenden zu ihr, denn ihr Name wurde gesegnet. Jakob Kaulla war nicht minder groß, er wurde ein Fürst in Israel. Von vielen Höfen wurde ihm Anerkennung zu Theil, und Franz H. ernannte ihn zum k. k. Rathe, in. Erwägung seiner während des Reichskrieges vielfach geleisteten Dienste und überhaupt der Verdienste, welche sich das Handlungshaus Kaulla mit rühmlichem Eifer und mit patriotischer Bereitwilligkeit zur Unterstützung der Reichsarmeen erworben hat. — Sechs und fünfzig Jahre waren in das Meer der Zeit dahin geflossen. Ein neues Jahrhundert war erschienen. Da kam Rath Jakob Kaulla, der Sohn Raphaels und Rebekka's, an den Weihetagen nach Prag in die Judenstadt, um die Synagogen zu besuchen und milde Gaben zu spenden den Armen und Dürftigen, den Wittwen und Waisen, den Lehrern und Schülern. Da wurde ihm die größte Ehre bezeigt, wie noch keinem berühmten Manne. Groß war das Gedränge in den Gassen, denn Jedermann wollte ihn sehen und grüßen. Alle Stadtdiener liefen vor ihm her, um ihm einen Weg durch die Volksmenge zu bahnen. Vor den Synagogen versammelten sich die Aeltesten und die angesehensten der Gemeinde, und sie riefen: Baruch habba b'schem Adonai *). Die Anwesenden aber erwiderten: Somachnu b'omrin beth Adonai nelech!^) In der Meißelschule waren die Lade und der Tisch mit den Gewändern der Festtage geschmückt, und der Vorsänger sprach einen für ihn und seine Familie besonders abgefaßten Segensspruch. Landau's Sohn, Rabbi Samuel, und die übrigen Appellanten begleiteten ihn nach Hause und überreichten ihm ein in achtungsvollen Ausdrücken abgefaßtes Rabbinecdiplom. Die Hauptleute der vier vereinigten Stadtviertel empfingen ihn ererbietig auf dem Rathhause und überreichten ihm ein Ehrengeschenk zum Zeichen der Hochachtung und Erkenntlichkeit für die der Stadt erwiesenen Wohlthaten. Täglich besuchten ihn die kaiserlichen Rathe und Generale, daß die Bewohner der Judenstadt erstaunten und sich freuten über die beispiellose Ehre, die einem Sohne Israels erzeigt wurde. *) Gesegnet sei, der da kömmt im Namen Gottes. Psalm 118, 26. Wir freuen uns, wenn man sagt: in's Haus Gottes wollen wir gehen. Psalm 122, 1.