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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-12-03 · Heft 49 (3.12.1849) · p. Seite 705

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 49 (3.12.1849)
Date
1849-12-03
Page
Seite 705 (sequence 13)
Language
German
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705 ter Abraham den Engel Raphael gesandt hat, daß er ihn heile von der Wunde und seiner Frau die frohe Botschaft bringe, daß sie einen Sohn gebären werde, also hat er auch den guten Boten Raphael nach Prag gesandt, daß er der Gemeinde Trost und Herl bringe, und mir eine frohe Botschaft verkünde." Gerührt dankte Raphael für diese gute Meinung, und er freute sich, eine gute Wahl getroffen zu haben. Indem er sich entfernte, gab er ihm einen Beitrag zur Bestreitung der Kosten für die weite Reise. Die Gemeindealtesten hielten wieder allgemeine Sitzung mit den Schriftgelehrten. Weil und Landau trugen den von Raphael ihnen mitgetheilten Plan vor. Er fand Anklang und wurde genehmigt, aber es wurde auch befchloffen, das Eine zu thun und das Andere nicht zu lassen, indem sie der Kaiserin den Antrag machen wollten, alljährlich eine bedeutende Judensteuer an die Schatzkammer in Wien zu zahlen, wenn das Verbannungsedikt widerrufen würde. Mit diesen Aufträgen wurde ein Eilbote nach Wien und ein Eilbote nach Berlin abgesandt. Maria Theresia befand sich in ihrem Geschäftskabinete. Vor ihr stand der Obersthofmeister, ein junger Mann mit feinen Manieren, in unterwürfiger Stellung, aber gehoben durch das Gefühl des Selbstwerthes. Nicht zu verkennen war es, daß er noch nicht zu lange aus dem geistlichen Stande getreten, und schon im dreizehnten Altersjahre mit einer Domherrenwürde bekleidet war. „Ich gestehe," sagte die Kaiserin, „daß unseren Anordnungen vorgegriffen wurde." „Majestät," erwiderte der Diplomat geschmeidig, „die rasche Handlung ist nicht zu rechtfertigen vor dem schönen, edlen, weiblichen Gefühle der allergnädigsten Kaiserin, aber vielleicht zu entschuldigen durch den Drang der Umstände. Die Regimenter waren unzufrieden und die Desertion riß im Heere ein." „Es ist geschehen!" sagte die Kaiserin. „Was aber soll jetzt geschehen? In Prag wird die Schuld der Juden, in Berlin wird ihre Unschuld behauptet. Dem Feind, der unser Schlesien geraubt, glauben wir kein Wort, aber seine Königswürde muß uns heilig sein." „Allerunterthänigst erlaube ich mir um Entschuldigung zu bitten," bemerkte der Graf. „Der König von Preußen ist ein rechtlicher Herr. Er bestrebt sich, die Revenüen, die er Eurer kaiserlichen Majestät in Schlesien entzogen, mittelbar wieder zu ersetzen." „Wie so?" fragte die Kaiserin aufmerksam, denn sie wußte, daß der gewandte Staatsmann nie ein unbesonnenes Wort sprach. „Ohne die Fürsprache des Königs," war die Antwort, „würde es gewiß bei dem Verbannungsedikte sein Bewenden haben, denn entweder die Juden sind schuldig, und sie sind als gefährliche Menschen aus der Stadt zu entfernen, oder sie sind nicht schuldig, und es wurde gegen sie widerrechtlich gehandelt. Aber in Sachen der Juden gegen einen kaiserlichen Feldhercn kann wol von einem solchen Rechtsschluffe nicht die Rede sein. Daher mögen Majestät auf vermittelndem Wege das Edikt großmüthig widerrufen; so wird das königliche Ieugniß geehrt, denn auf diesen Grund wird den Juden wieder gestattet, in Prag zu wohnen. Majestät mögen aber auch die von denselben angebotene Judensteuer allergnädigst zu genehmigen und zu dekretiren geruhen; so werden auch die Anordnungen des Feldherrn berücksichtigt, denn die Schuldigen werden für alle Zeit mit einer jährlichen Geldbuße belegt. Maria Theresia lächelte wohlgefällig und ging zu anderen Staatsgefchasten über, die in Masse Vorlagen. Die Judensache war erledigt, und die Gemeinde in Prag, hievon in Kenntniß gesetzt, über diesen glücklichen Ausgang hoch erfreut, denn der Mensch tröstet sich in seinem tiefsten Elend, wenn er weiß, daß ein noch größeres Unglück von ihm abgewandt wurde. Bald aber wurde ihr die Judensteuer zu drückend, und die Abgabe auf alle israelitischen Gemeinden in Böhmen verhältnißmäßig umgelegt. — Weil zog mit seiner Familie nach Mühringen, wo er, abgeschieden von der Welt, zwischen düsteren Bergen und finsteren Wäldern in einem elenden Häuschen, das an einem durch ein melancholisches Wiesenthat trüb fließenden Bache Lag, mit seinem Sohne Simon Hirsch das begonnene Werk fortfetzen konnte. Nach Verlauf von sechs Jahren erhielt er einen Ruf nach Karlsruhe als Rabbiner für die Israeliten der Markgrafschaft Baden- Durlach, wo er, wie einst Nethanel, der Fürst des Stammes Jsaschar, sein Opfer auf dem Altäre des Herrn darbringen konnte*), weil er ihn behütet vor bösen Krankheiten, geschützt vor dem Schwerte und den Kugeln der Feinde, und befreit von Armuth und Dürftigkeit. Tiah war in Prag zurückgeblieben. Nach dem Tode.seines Vaters wurde er dessen Nachfolger im Amte und segensreichen Wirken. Simon Hirsch zog nach Fürth, wo er, *) Korban Nethanel. Karlsruhe, 1755.

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