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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-12-03 · Heft 49 (3.12.1849) · p. Seite 697

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 49 (3.12.1849)
Date
1849-12-03
Page
Seite 697 (sequence 5)
Language
German
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687 Oesterreichischer KaLserstaat. Wien, 19. November. Aus Anlaß der mißlichen Erfolge der Rekrutirung in Brody legte das donige Kreisamt der Judengemeinde eine tägliche Geldstrafe von 100 Fl. K.-M. auf, welche so lange zu entrichten ist, bis ihrerseits das ganze Kontingent gestellt worden. Frankreich. Paris, im November. In Bezug auf die famosen Jntoleranzstreiche, von denen wir in No. 45. 47. berichtet, ist folgende Lösung getroffen worden: 1) Der Professor der Mathematik Weil ist durch die unbedingte Weisung des Unterrichtsministers in sein Lehramt zu Hagenau und in den Genuß seiner Rechte eingetreten 2) Der Professor der Philosophie I. Cahen ist vom Lyzeum zuNapoleon-Vendöe abberufen worden, der Minister entschuldigte sich, er habe nicht gewußt, von welcher Konfession er sei. (!) 3) Die Kommission hat sich endlich bewogen gesunden, in dem Entwurf des Unterrichtsgesetzes der Gleichheit der Kulte volles Genüge zu leisten. Es wird im Oberschulrath ein Mitglied des Zentralkonsistoriums, von seinen Kollegen ernannt, Platz nehmen; in den akademischen Rüthen soll ein Beauftragter israelitischen Konsistoriums in den Departements, in welchen ein Solches ist, Platz nehmen; die Lokalschulbehörde soll aus dem Maire, dem katholischen und protestantischen Pfarrer und einem Beauftragten des israelitischen Konsistoriums bestehen; in den Gemeinden von gemischter Bevölkerung soll ein Diener jedes Kultus stets den Eintritt in die Schule frei haben, um über die religiöse Erziehung der Kinder seines Kultus zu wachen; wenn getrennte Schulen (konfessionelle) bestehen, so sollen die Kinder eines Kultus in die Schulen des andern Kultus nur zugelassen werden auf den förmlich ausgesprochenen Wunsch der Eltern; der Friedensrichter des Bezirks, die Diener der autorisirten'Kulte sollen, wenn es im Bezirke Schulen giebt, welche von Kindern verschiedener Kulte besucht werden, den Vereinigungen der Kantonaldelegirten mit berathender Stimme beiwohnen. —. Die jüngsten Vorgänge zwischen der katholischen Geistlichkeit und den jüdischen Professoren haben die jüdische Presse in Frankreich tief erregt; sie haben das Gefühl hervorgerufen, daß selbst dort die Gleichstellung, die Duldung, die konfessionelle Verträglichkeit nur einen schwankenden Boden unter sich hat, der bei irgend einem schweren Schritte sich in Bewegung setzt. In der jüngsten Nummer (3) des l’Uuniv. israel. finden wir darüber einen ebenso schön, wie klar und kräftig geschriebenen Artikel, „die jüdischen Professoren" überschrieben, aus dem wir Einiges hervorheben. „Was uns," heißt es da, „betrifft, so wissen wir, daß es unnütze Mühe ist mit Leuten zu streiten, welche das Ohr der Vernunft, die Augen dem Lichte, das Herz der Gerechtigkeit verschließen. Wir wissen, daß in Rom wie in Frankreich die hohe Geistlichkeit uns unsere Märtyrerkrone nicht nehmen will; ihre Unduldsamkeit in Bezug auf uns, bricht sich Bahn durch alle Riffe, welche die Zivilisation unscrs Jahrhunderts in den mörderischen Erdgängen der christlichen Inquisition zu verstopfen vergessen hat. Mögen die Herren Bischöfe es für angemessen und verdienstlich halten, zu verfolgen und zu unterdrücken so viel sie vermögen die Glaubensgenossen des Gottes der Christen, das berührt sie selbst nur. Mögen sie Christus tausendmal jeden Tag kreuzigen und erniedrigen in der Person seines Volkes und seiner Familie, das ist ihre Angelegenheit. Mögen sie nicht fürchten vom Sohne der Maria mit der furchtbaren Anrede empfangen zu werden: „was habt Ihr aus meinen Brüdern gemacht?" das muß sie mehr beschäftigen als uns. Der Staat ist überdies mehr als die Synagoge bei dem Schicksal dieser Frage interessirt. Er muß sich fragen, ob cs seiner Würde, seinen Rechten und vor Allem seinen Pflichten gemäß ist, durch einen von ihm besoldeten Beamten andere Beamte absetzen zu lassen, die sein Diplom, sein Vertrauen, seine Einsetzung haben. Wir sehen da weder den Nutzen noch die Nothwendigkeit unserer schwachen Dazwischenkunft ein; und wenn wir uns erlauben, unsere Stimme in diesen Kämpfen zu erheben, die in der Thal ein Schimpf für unser Vaterland und eine Beleidigung für die Religion sind, der man dienen will, so geschieht es in der Hoffnung, auf ihren wahren Werth die elenden Gründe zurückzuführen, welche die Dummheit oder die Heuchelei vorgebracht hat — man wähle!" Dies ist denn auch dem Verfasser glänzend gelungen.

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