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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-12-03 · Heft 49 (3.12.1849) · p. Seite 696

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 49 (3.12.1849)
Date
1849-12-03
Page
Seite 696 (sequence 4)
Language
German
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696 machen; man wird gestehen, es ist dies gegen das Judengesetz von 1847 ein hoch anzuschlagender Fortschritt in zwei kurzen Jahren. Aber weiterhin fehlt noch viel. Vor Allem wird unsre Konfession noch lange nicht die Ausnahmsstellung verlieren, welche ihr angewiesen; von den Wohlthaten des Staates wird die Synagoge, trotzdem ihre Bekenner gleicherweise zu den Staatseinnahmen beitragen, Nichts erhalten; man hält für sie die Zivilehe und Zivilstandsregister aufrecht, während die Kirche in ihrer bisherigen Giltigkeit bleibt; man erhält die Konfessionsschule aufrecht, so daß die jüdischen Lehrer ausgeschlossen sind, aber diejenigen jüdischen Lehrer irren sich, welche glauben, daß man nun die Lehrer der jüdischen Konfessionsschulen besolden und gleichstellcn werde — diese bleiben ja Privatanstalten! Und wie wird es mit dem Staatsdienste aussehen?... Ucbcr alles dies mache man sich keine Illusionen. Jndeß sicher ist auch von der andern Seite Manches nicht zu verschweigen. Man muß in der wirklichen Welt vom abstrakten Rechte allerdings absehen, wenn man sie begreifen will. Lassen wir die jüngste Vergangenheit ruhen, sehen wir auf die Gegenwart, da gewahren wir eine, um es kurz zu sagen, literarische Prostitution, welche noch schwer auf die Schultern der Juden fallen wird. Ich meine die berliner Witzblätter, z. B. Kladderadatsch, die meist von Juden versorgt werden. Die Pfeile, die hier abgeschossen werden, sind in Gift getaucht, und die, welche sie treffen, werden sie nie vergessen. Nun kommt dazu, daß, aus Mangel an anderm Stoff und Witz, sie über die Juden selbst das maßlose Gefäß der Lächerlichkeit ausgießen — und darum nennen wir sie Prostitution — was wiederum zum Ruin der Juden genügend beiträgt. Mit diesen Dingen gewinnt man keinen Freund, sondern nur Feinde: denn die Demokraten selbst lachen wol, aber mögen solche Partner nicht. Es reizt die Gegner zu reicher Vergeltung in Thaten, die natürlich an allen Juden geübt werden, wie dies die alte Leier aus dem Buche Ester ist. Aus diesen Dingen deduzirt und extrahirt man sich einen „jüdischen Geist", den man verabscheut. — Das Andere ist, daß in gewerblicher Beziehung die Juden einen Weg einhalten, der ihnen den Volksgeist nicht allein entfremdet, sondern feindlich aufwiegelt. Es ist, wie der mittelalterliche Wucher. Wir meinen z. B. die Kleidermagazine, in die sich der alte Trödel modernisirt hat, der Leinwandhandel, richtiger Leinwandschwindel, das Kommisstonärwesen rc. Dahinein werfen sich so viele Juden, daß diese Branchen bereits als Eigenthum der Juden angesehen werden, und aller Haß, der daraus entspringt, auf sie fällt. Treten hier nicht Aenderungen ein — und die sind schwierig — so wird eine Saat gesäet, die nicht gut aufgehen wird. Als einen kleinen Beweis für meine Worte stelle ich Ihnen ein „Eingesandt" her, das in diesen Tagen die hiesigen Zeitungen enthielten: „Mögen die vielen, besonders jüngeren Juden davon abstehen, alle besseren Eigenschaften des Volks mit Spott und Hohn zu untergraben. Wenn deutsche Treue wankt, und der Becher des Haffes überschäumt, den jetzt die Massen gegen Alles das einsaugen, was durch Besitz oder Bildung hervorragt: dann wird auch eine Zeit kommen, wo deutsche Gutmüthigkeit schwindet und die entfesselte Leidenschaft eine traurige Lösung der sozialen Frage sucht. Wenn eine Nationalität friedlich neben einer größern bestehen will, muß sie dieselbe vor allen Dingen achten und nicht den edlern Theil derselben auf geist ig.em, den übrigen auf materiellem Gebiet tagtäglich herausfordern und dabei zu gewaltsamen Zuständen hindrängen. Nach Börne." Breslau, 21. November. (Bresl. Z.) Es soll sich hier dieser Tage ein jüdischer Verein konstituiren, der es sich zur Aufgabe stellt, die jüdischen Interessen, gemäß.den Anforderungen des neuen Staatslebens, nach Innen und nach Außen zu vertreten oder wenigstens zu dessen Vertretung anzuregen. Ferner fordert die jüdische Kultusgemeinde zu Aktienzeichnungen auf für den Bau einer Synagoge. Merkwürdig genug hat eine Gemeinde von nahe an 8000 Seelen, die so viele reiche und wohlhabende Mitglieder zählt, sich bis jetzt mit verschiedenen Privatlokalen begnügt. Münster, 21. November. Dieser Tage ist der Fall vorgekommen, daß ein Katholik aus Recklinghausen wegen verweigerter Trauung mit einer Jüdin beim hiesigen Gerichte Klage führte; er.ist indessen, nach Inhalt der betreffenden Paragraphen des Landrechts, mit derselben abgewiesen worden.

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