Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1849)
- Date
- 1849-11-26
- Page
- Seite 690 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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690 sal ist abgewandt. Man erfährt, daß ein Erlaß Sr. Maj. die Sistirung der Strafe angeordnet, daß diese Verordnung auch schon vor mehr als einer Woche in Pesth angelangt , daß aber das betreffende Aktenstück durch neun Tage unberührt in einem Schranke ruhte, welcher es ihm unmöglich machte, in die Hände des Feldzeugmeisters gelangen zu können. —. Der „Presse" schreibt man: Was über die Sistirung oder den Nachlaß der vielbesprochenen Kontribution der Juden in Pesth und Ofen gemeldet wurde, scheint auf einem Jrrthum zu beruhen. Nachdem vor einigen Tagen der gemessene Befehl an die Gemeinden gekommen war, binnen 48 Stunden 200,000 fl. als zweite Rate der Kontribution zu erlegen, wobei im Unterlassungsfälle 20 Geißeln bezeichnet wuroen, die zur strengen Haft gebracht werden würden, erfolgte eine Zurücknahme des „auf einem Mißverständnisse" beruhenden Befehls und folgende Modifikation: Die sammtlichen, den verschiedenen Judengemeinden Ungarns auserlegten Strafgelder betragen circa 2V2 Million Gulden. Von dieser Summe wird Nichts nachgesehen, da man überhin in Erfahrung gebracht, daß manche Gemeinde, wie Mosen, die sie treffende Summe nicht aufbringen kann, so soll die ganze Strafsumme auf sammtliche Judengemeinden Ungarns (mit Ausnahme von Preßburg und Temeswar) repartirt werden. —. 14. November. (81.) Die Kriegssteuerfrage der Juden, welche hier zu Lande bereits zu zahlreichen Verhaftungen und Konfiskationen Anlaß gegeben, scheint nun endlich doch einer freundlichern Lösung entgegenzugehen. Die Juden werden zwar, aller Bitten ungeachtet, keine Gleichstellung mit den Christen erreichen, denn dagegen streitet die unter den höchsten Militärbehörden verbreitete Ansicht, als hätten die ungarischen Juden die Revolution gemacht. Aber schon eine Gleichstellung der jüdischen Gemeinden unter sich ist als ein Fortschritt anzusehen. Aus glaubwürdiger Quelle wird versichert, daß die etwas über 3 Mill. Guld. K.-M. betragende ausnahmsweise Judenkontribution über sämmrliche Gemeinden des Landes repartirt, und allen jenen Ersatz geboten wird, welche mehr geliefert, als wozu der Repartitionsausweis sie verpflichtet. Nur die temesvarer und preßburger Juden bleiben ihres konstant loyalen Benehmens halber von jedem ausnahmsweisen Steuerbetrage befreit. Belletristisches. Prag vor hundert Jahren. Erzählung von Dr. Samuel Mayer. (Fortsetzung.) Am nächsten Freitag waren sie aufgestanden zur Zeit des Mittags vom Boden, und hatten sich erhoben von den Sacken. Da wurden die Gassen angefüllt mit gellendem Angstgeschrei und herzdurchbohrendem Weherufe. Die Aeltesten waren gerufen worden auf das Rachhaus der Gemeinde, wo ihnen ein Dekret der Kaiserin von einem Kommissar vorgelesen wurde, daß die ganze Gemeinde die königliche Residenz- und Hauptstadt Prag zu verlassen habe, daß aber in Anbetracht der strengen Winterzeit zum unfehlbaren Abzüge eine Frist von zwei Monaten bewilligt werde. Trostlos rangen die Unglücklichen die Hände, denn sie wußten sich im Augenblicke nicht zu helfen und nicht zu rathen, und als des andern Tages bei dem sabbatlichcn Frühgottesdienste in der Altneuschule die Geschichte von den Söhnen Jakobs in Egypten vorgelesin wurde, wie man sie beschuldigte, daß sie als Kundschafter in das Land gekommen seien, wie man der heiligen Betheuerung ihrer Unschuld nicht glaubte, und wie sie ihrem Vater klagend erzählten: „Es redete der Mann, der Herr des Landes hart mit uns, und er hielt uns für Kundschafter; .aber wir sprachen zu ihm: Redliche sind wir, nie waren wir Kundschafter!" Da konnte der Vorsänger nicht mehr weiter lesen, denn Thränen erstickten seine Stimme, und die Zuhörer erzitterten und weinten mit ihm, daß sich die alten Steine des Gotteshauses erbarmten. Um diese Zeir befand sich Raphael Benjamin in Prag. Er nahm den lebhaftesten Antheil an der allgemeinen Bestürzung und linderte mit mildem, wohlthatigem Sinne manchen Kummer in verborgener Stille. Unter den Appellanten hatte er die Auswahl, da sie eine Zufluchtsstätte suchten. Er wollte aber vorsichtig zu Werke gehen. Weil und Landau wurden ihm besonders empfohlen. Avec Weil war ihm zu sanft und gelassen; er wollte einen Mann wählen, der die aus verschiedenen Orten zusammengereihten Gemeinden mit festem Willen und muthiger Kraft zu lenken wisse. Landau's Persönlichkeit gefiel ihm, und er machte ihm den Antrag, ihm als Rabbiner der Schwarzwaldgemeinden zu folgen. Landau aber sprach: „Es ehret mich das Zutrauen und es