Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1849)
- Date
- 1849-11-26
- Page
- Seite 689 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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689 geringschätzenden Lächeln angehört. Wenn wir auch über das Letztere Weggehen und es durchweg als gemein bezeichnen wollen, so müssen wir doch immer eingestehen, daß wir diese Aufforderung lieber von der Kanzel herab in der Synagoge gehört hätten. Oder glaubte vielleicht Herr Rapoport, daß gerade bei einem Leichenbegängnisse die düstere Feierlichkeit des Moments seine Anhörer empfänglicher für seine Aufforderung machen werde? Dann, meine ich, hat der ehrwürdige Mann geirrt, und er wird es einschen, daß er einen andern Weg gehen muß, um diesen Zweck zu erreichen, daß er aber erreicht werde, ist ebenfalls unser eigener Wunsch. Wir könnten in nähere Details über einzelne Stellen dieser Leichenrede eingchen insofern sie den Unterricht der Bibel in der israelitischen Hauptschule betrafen, allein wir wollen weder beleidigen noch anzüglich werden, doch hoffen wir, daß wir ähnlichen Vorträgen nur an anderen mehr geeigneten Orten begegnen werden. Ad vocem Kanzelvon rügen sei hier erwähnt, daß Herr ür. Kämpf Tags vorher im Tempel eine Predigt über die jetzigen Zerwürfnisse der hiesigen Gemeinde gehalten. Er sprach so ergreifend und so eindringlich, daß wir nur wünschen, es mögen seine Worte das Ziel erreichen, für das er sich ausgesprochen und jedes redliche Gemeindeglieb nur wünschen kann. Auffallend ist es, daß jede Partei den Inhalt dieser Predigt für sich zu deuten wußte; übrigens wäre zu wünschen gewesen, daß die meisten Landgemeinden unsers Vaterlandes diesen Vorträgen beigewohnt hatten, es hätte jede in demselben eine heilsame Lehre gefunden. Schließlich sei noch erwähnt, daß bei diesem Leichenbegängnisse zum ersten Male von den Sängern des Tempels unter Leitung ihres Oberkantors sowol in der Judenstadt als am Stadtthore und auf dem Friedhofe die geeigneten Gesänge zweckmäßig und feierlich vorgetragen und von der Menge weihevoll ausgenommen wurden. Es ist dieses der erste Schritt zu der Regelung eines ordnungsmäßigen Leichenbegängnisses. .r Wien, 15. November. Das Grundrecht der Gleichberechtigung ohne Rücksicht auf das religiöse Glaubensbekenntniß scheint sich bei der Armee einer bessern Beherzigung, als in der Zivilverwaltung zu erfreuen. So ist es seit der Proklamation der Verfassung vom 4. März nicht wenigen Israeliten gelungen, sich durch ausgezeichnete Befähigung zu Offizierstellen in den verschiedenen Waffengattungen von der Picke auf zu schwingen, während bei der Anstellung von Zivilbeamten Nichts derartiges verlautet. —. Die Israeliten in Galizien fangen an, sich fleißig mit dem Ackerbauzu beschäftigen. Einige israelitische Gutspächter beschäftigen Viele ihrer ärmeren Glaubensgenossen mit Feldarbeit und diese ersetzen durch Fleiß, was ihnen an Arbeitsfertigkeit gebricht. —. Den Vorstehern der preßburger israelitischen Gemeinde wurde gestern, als am Martinstage, die Ehre zu Theil, nach uraltem Herkommen, Sr. Maj. dem Kaiser und den übrigen hier anwesenden Mitgliedern des Kaiserhauses ihre Aufwartung zu machen. Sie hatten sich der huldreichsten Aufnahme zu erfreuen, und Se. Maj. sprachen sich mit besonderer Zufriedenheit über das loyale Benehmen der preßburger israelitischen Gemeinde während der letzten Wirren in Ungarn aus. —. Ueber die politischen Zustände Galiziens enthält die heute ausgegebcne erste Nummer der „österreichschen Reichszeitung" eine interessante Schilderung. Die Parteien zerfallen dort: in eine unbedingte Regierungspartei, welcher die Beamten, die Bauern, die kolonisirten Deutschen und die altgläubigen Juden angehören — in eine gemäßigte, viele Edelleute, Bürger, jüngere Beamte und reformirte Juden, einen großen Theil der Geistlichkeit und der gereiften Intelligenz zu ihrem Anhang zählend; — und in die radikale, die ihren größten Stützpunkt in den kleineren Edellcuten, den Studirenden und dem Proletariat der Städte findet. Pesih, 15. November. Wir stellen über die Geldstrafen der ungarischen Juden hier die Artikel chronologisch zusammen, welche das jüngste Verfahren beleuchten. —. 7. November. (Presse.) Die pestofcner Judengcmeinde von der Hoffnung getragen, eine allerhöchste Entschließung werde sie von der bekannten Kontribution dispensiren, wurde am 7. d. M. durch die energische Aufforderung der Militärbehörde, binnen 48 Stunden 200,000 fl. zu erlegen, auf das Schmerzlichste überrascht. Jede Einsprache war ver-! gebcnS, und es heißt, sie vermöge in der kurzen Frist! die Summe nicht aufzubringen. —. Aus Pesth vom 8. November schreibt man:! Das der pesth-ofener Jsraelitengemeinde drohende Schick- 48*