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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-11-26 · Heft 48 (26.11.1849) · p. Seite 682

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 48 (26.11.1849)
Date
1849-11-26
Page
Seite 682 (sequence 2)
Language
German
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682 feste Kern der Religiosität ist in der positiven Religion gegeben und ftstgestellt und gesichert. Allerdings ist auch dieser feste Kern des Religiösen im Verfolge der Geschlechter in seiner Ausdehnung, Verästelung und Einkleidung den Veränderungen unterworfen. Aber auch hier bleibt zu aller Zeit ein innerer fester Kern, der unwandelbar in der positiven Religion bleibt. Es ist dies keine bloße Behauptung, es ist in der Religionsgeschichte leicht erkenntlich. Sehen wir z. B. vom Gesetze im Zudenthume einmal ab, so erkennen wir auch in seiner Lehre einen bestimmten Inhalt, der durch alle Jahrtausende des Judenthums derselbe blieb, während sich in den verschiedenen Epochen desselben doch noch eine Menge von Lehrsätzen darum legten, die, zum Theil wenigstens, kamen und gingen. Die Lehre von Gott, von der Ebenbildlichkeit des Menschen, vom Geiste, von der Erkenntnis, vom Rechte, von der Liebe — sie sind niemals in ihren Grundsätzen andere gewesen im Zudenthume, wie noch heute. Aber die Lehren z. B. von der Auferstehung der Todtm, vom persönlichen Messias, wie sind sie in den verschiedenen Zeiten verschieden gewesen und geworden! Und sehen wir genauer zu, so erkennen wir, daß es gerade dieser feste, unwandelbare Kern des Judenthums ist, den die übrigen positiven Religionen von ihm entlehnt haben, und der allein auch ihr fester Kern ist, je mehr wandelbare Lehren sie darum gelegt. Die Religionsgegnerschaft ist nun diePartei, welche gerade diesen festen Kern, der durch alle Geschlechter unwandelbar gegangen und geht, zum Angriff nimmt und zu vernichten strebt, welche die Existenz Gottes leugnet, das reale Sein zum Selbstschöpfer macht und somit auch den Menschen zu seinem eigenen Gotte erhebt. Diese Partei war es, welche im vorigen Jahre sich zur Führerin auf dem Gebiete des Geistes aufwarf, die mancherlei Sünden der Kirche zum Vorwand nahm, die Menschen zur Befreiung auch von dieser aufrufend, aber mit demselben Truge, wie ihre extremen Gegner, der Menge die Kirchen mit der Religion vertauschend. Da war es aber nun eine viel betrübendere Beobachtung zu sehen, wie weit die Religionslosigkeit Platz gegriffen, wie eine ungeheure Zahl Menschen, ohne jenen Religionsleugnern zugehörend, doch für die Religion so wenig Begriff und Gefühl hatten, daß sie ihnen Beifall zujauchzte, daß sie sich bereit zeigte alle religiöse Institute ihnen preiszugeben, sie dem Verfall zu überlassen. Es war ein Augenblick, wo die positive Religion in Gefahr schien, wo, im blöden Jrrthum, als ob der Mensch sich in einer religiösen Anschauung erhalten könne, ohne daß ihm jener feste Kern in dem Judenthum gewahrt sei und von Geschlecht zu Geschlecht überliefert werde, die Menge alle religiöse Einrichtung zurückweisen wollte. Dies ist es, worauf die Aufmerksamkeit aller wahrhaft Religiösen gerichtet werden muß. Nicht sowol zur Bekämpfung jenes modernen Heidenthums, das sicher nur in wenigen Geistern zur Herrschaft kommen kann, als vielmehr zur Bekämpfung der Religionslosigkeit, die im Schlendrian des gewöhnlichen Lebens, im materiellen Erwerb und Genuß, in der Kraftlosigkeit des Geistes, im Mangel aller Treibkraft zur hohem geistigen Entwickelung groß gezogen die Religion, ohne ihr feind zu sein, ohne eigentlich ihr zu entsagen, dem Verfall überläßt. Hier ist nun allerdings der Blick vorzugsweise auf das Heranwachsende Geschlecht zu richten. Allerdings sind hier die Schwierigkeiten nicht gering. Die Kinder werden ja von dergleichen Eltern erzogen; im Hause derselben hören sie Nichts von Gott und seiner Lehre, sehen sie, erfahren sie Nichts, was das religiöse Bedürfniß in der zarten jugendlichen Seele weckt und nährt; entweder die Uebung einiger halb verdrossen geübter Satzungen, ohne den belebenden Geist der Vorväter, oder auch diese nicht. Was da der treue Lehrer pflanzt am Morgen, über Nacht ist es verdorrt. In der Zeit, in welcher das Bewußtsein des Kindes erstarkt, und es erst recht bildsam wird, in dieser Zeit wird es dem Lehrer entzogen, und in de.r Regel dem geschäftlichen Leben zur Lehre übergeben. Was geschieht für die Ausbildung des Lehrlings? Wer kümmert sich noch um ihn? Der Lehrherr halt ihn zur Arbeit an, der Vater zum Gehorsam — für die unsterbliche Seele wird keine Nahrung gereicht. Jetzt ist der junge Mensch Kommis oder Gesell. Die Welt steht ihm offen. Was für eine Welt? Eine Welt der Leichtfertigkeit, der Großthuerei, der Verführung, der Eitelkeit. Dies sind die Bildungsanstalten, die der junge Mann durchmacht. Da sänke die Hoffnung unter den Gefrierpunkt — wenn man nicht dennoch die unverwüstliche Natur des Menschen, die Unverlöschlichkeit der ersten Eindrücke, und die anziehende Kraft der Lebensgeschicke kennte. Und so müssen wir immer wieder auf die Erziehung des kindlichen Alters und auf den Pflichteifer des Lehrers zurückkommen. Aber vor Allem, ihr Lehrer, bildet und erziehet Euch selbst! In Euch selbst zündet das heilige Feuer an! Dann bedarf es weniger der künstlichen Methoden, denn Feuer zündet.

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