Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1849)
- Date
- 1849-11-19
- Page
- Seite 671 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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671 installirt, als auch der ultra-katholische Fanatismus und die geistliche Intoleranz gegen ihn erwachten, oder vielmehr gegen die Universität, deren Mitglied er ist, und gegen den Minister, der seine Ernennung unterzeichnet. Die katholischen Journale häuften die größten Beleidigungen auf den Herrn Cahen, und der Bischof von Luoon schleuderte sofort das Interdikt auf die Kapelle des Lyzeums. Man begreift die ganze Wichtigkeit des Falls. Ist der Unterricht in der Philosophie den Akatholiken verboten, so wird der in der Geschichte, der noch delikater ist, bald Nachfolgen. Bon da ist der Weg zum Verbot alles Unterrichts in den Wissenschaften sehr kurz', und so würde das große Prinzip der gleichen Befähigung jedes Franzosen zu allen öffentlichen Aemtern bald beseitigt sein. Der junge Professor ging ungestört seinen Weg, und, ohne sich an Injurien und Interdikt zu kehren, setzte er seinen Kursus fort, umsomehr, als er die Liebe seiner Schüler und die Achtung der ganzen Stadt sich erwarb. Nichtsdestoweniger ist er den 24. Oktober Abends durch telegraphische Depesche nach Paris beordert worden. Was die Intention der Regierung bei dieser Maßregel ist, ist noch nicht bekannt. Die Arch. bemerken, daß an der Rabbinerschule in Metz ein christlicher Professor die Philosophie lehrt, während die Schüler des Napoleon-Vendee keine Geistlichen werden. Gleich darauf ereignete sich ein ähnlicher Fall. Der Verwaltungsrath des Gemeindekollcgiums von Haguenau verweigerte, Herrn Weil, der zum Lehrer der Mathematik daselbst ernannt worden, aufzunehmen, blos weil er Israelit ist. Das Zentralkonsistorium, lebhaft erregt von der Stellung, welche die Geistlichkeit den Juden geben will, wendete sich sofort mit einem Schreiben an den Minister des Unterrichts. Es sagte darin: „Mit lebhaftem Schmerze sehen wir uns in die Nothwendigkeit versetzt, «in Prinzip zu vertheidigen, das nicht allein die Grundlage unserer Gesetzgebung ausmacht, sondern das die Weihe einer langen Erfahrung empfangen hat. Seit 20 Jahren haben die Israeliten Lehrer in allen Zweigen des allgemeinen Unterrichts verschafft. Wir nennen zum Beispiel: Manuel und Hemardinquer, Aggregirte der oberen Klassen der Wissenschaften, der Eine Professor zu Dijon, dann zu Tours, der Andere Professor zu Angers, jetzt in Paris; Moritz Meyer, Prof, an der Fakultät der Wissenschaften zu Poitiers; Weill, Prof, der Mathematik zu Lille, jetzt zu Nancy; Hauser, Prof, der Mathematik an der Fakultät der Wissenschaften und am Lyzeum zu Lyon; Franck, Mitglied des Instituts, 17 Jahre lang Prof, der Philosophie in Douay, Nancy, Versailles und Paris; Cahen, Lehrer der Philosophie zu Napoleon-Vendee." Hierauf verzichteten die Herren Haguenauer auf fernem Widerstand, und Herr Weill hat sein Amt angetreten. Dabei drohet jetzt dem Zentralkonsistorium die Auflösung. Dasselbe beschäftigte sich jüngst mit dreien Fragen, auf die seine Entscheidung von der Direktion der Kulte verworfen worden. Nämlich: 1) daß die Zahl der Mitglieder der Konsistorien vermehrt werden soll; 2) daß, da nach dem organischen Gesetze eine Erneuerung zur Hälfte für die Konsistorien bevorsteht, eine vollständige Erneuerung (auf Grund des allgemeinen Stimmrechts) stattsinden solle; 3) daß das Konsistorium zu Kolmar jetzt nicht in Bestand anzuerkennen sei, da es einen Theils im vorigen Jahre Nichts zum Schutze der Israeliten, die Opfer der Unordnungen im Oberrhein geworden, gcthan habe, andern Theils, weil deshalb zwei Mitglieder ihre Demission genommen, und da der Großrabbiner gestorben ist, nur aus 2 Laienmitgliedern besteht. Durch eine völlig unerklärliche Resolution will die Direktion der Kulte das Zentralkonsistorium zwingen, jenes anzuerkennen und mit ihm in Verbindung zu bleiben. Es ist leicht möglich, daß, wenn namentlich im letztem Punkte dem Zentralkonsistorium nicht Genüge geschieht, Männer, wie Cerfberr, Franck, Halphen, Halevy ihre Entlassung geben, und das wäre für die Israeliten ein unersetzlicher Verlust. —. Der vielverdiente G. Z. Blum zu Straßburg, Herausgeber der kure verite, die einige Jahre erschien, den wir erst vor Kurzem zu nennen Gelegenheit hatten (No. 39), ist verstorben. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Ein sehr schwieriger Psalm. Der 11 Otc Psalm. (Schluß.) Der zweite Absatz muß nun ein neues Moment bringen. Der König ist nun König, aber wie wird er dies