Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-11-19 · Heft 47 (19.11.1849) · p. Seite 670

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 47 (19.11.1849)
Date
1849-11-19
Page
Seite 670 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225654--10607-3240669
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

670 durch einen Besuch der bewaffneten Polizei überraschen und um jeden Preis in den Hehlerprozeß mit zu verwickeln bemüht waren. Attentate dieser Art auf Besitzende werden hoffentlich nicht mehr Vorkommen, wenn der Papst zurückgekehrt ist. —. Eine etwas leichtfertige Korrespondenz der „Times" muß am Ende doch zugeben, daß in jedem christlichen Stadtviertel bei gleicher sorgfältiger Untersuchung man ebenso viel in der Zeit der Bewegung untergeschlagenes und verkauftes Gut gefunden hätte. Sie lautet: „Bor einigen Tagen ist hier ein seltsames Schauspiel aufgeführt worden, welches ohne Zweifel unter verschiedenen Farben dargestellt werden wird. Ich will blos die Fakta klar hinftellen, ohne eine Meinung über dieselbe auszusprechcn, und es Ihnen überlassen, zu entscheiden, ob die römische Polizei ein Recht hatte, so zu handeln, wie sie gehandelt hat, und ob cs Sache der französischen Behörden war, ihr militärischen Beistand zu leihen. Das von unseren jüdischen Brüdern bewohnte Viertel heißt der Ghetto. Er wird ebensowol von bedeutenden Bankiers und Kaufleuten bewohnt, wie von der überaus zahlreichen Klasse der Kleinhändler und Empfänger gestohlenen Gutes. Es war bekannt, daß zur Zeit, als die Republik triumphirte, Abgesandte aus dem Ghetto einen täglichen Markt von gestohlenen Sachen in einem Kaffeehause nahe bei der Jesuitenkirche eingerichtet hatten, und man nahm es fast als sicher an, daß Vieles von dem geraubten Eigenthume des abwesenden Papstthums seinen Weg in dieses verdächtige Viertel gefunden habe. Unter so bewandten Umstanden fand es das apostolische Triumvirat im Uebermaße seiner Weisheit jüngst für gut, eine Wanderung nach dem besagten Orte anzutreten, und da die französischen Behörden sich nicht widersetzten, so ward der ganze Distrikt ohne vorhergegangene Anzeige plötzlich nach allen Seiten umstellt und länger als 66 Stunden vollständig abgesperrt. Alle verdächtigen Häuser und Vorräthe wurden durchsucht und viele Dinge, die offenbar der Kirche und dem Altäre angehörten, in Händen gefunden, die nicht eben die reinsten waren. Silber, Spitzen, Gewänder kamen an's Licht, und selbst zwei Wagen, welche Kardinälen gehörten, wurden entdeckt. Im Ganzen jedoch war das Ergebniß der Nachsuchung kein bedeutendes, und ich muß gestehen, wenn man mit derselben Sorgfalt ein christliches Stadtviertel durchsuchte, so würde man wahrscheinlich ebenso viel gestohlenes Gut finden. Die achtbaren jüdischen Kaufleute waren, obgleich man ihre Häuser verschonte, entrüstet über die Art, wie man die Ehre ihrer Brüder verletzte, und über die lange Unterbrechung des Geschäftes im Ghetto. Auch wandten sich mehrere derselben deshalb an die römischen Behörden; doch glaube ich nicht, daß man sich viel um ihre Vorstellungen kümmerte. Darauf ward eine von drei der fremden Konsuln (dem preußischen, schweizerischen und englischen) Unterzeichnete Denkschrift an Herrn de Corcelles gesandt; allein sie kam zu spät, um irgend eine gute Wirkung hervorbringcn, und diente nur, zu zeigen, wie diese drei Herren, welche, wie ich glaube, zugleich Geschäftsmänner und Konsuln sind, die Sache ansahen.Ich bedaure, daß die französischen Behörden, obgleich sie sich weigerten, den Ghetto zu betreten oder sich überhaupt aktiv an der Sache zu betheiligen, sich verleiten ließen, ihren militärischen Beistand dazu herzugeben und zur Aufrechterhaltung dcrBlokade Schildwachen auszustellen. Warum läßt sich der französische militärische Stolz an einer so empfindlichen Stelle verwunden? Und sind die Soldaten denn endlich, wenn sich solche Vorfälle wiederholen, etwas Anderes als Sbirren der päpstlichen Polizei? Ich bin überzeugt davon, daß dieses Ereigniß den tiefen Abscheu, welchen die ganze Armee in Folge ihrer gegenwärtigen Lage empfindet, noch vermehren wird, und daß Offiziere und Gemeine sich laut beklagen werden, wenn sich keine bessere Beschäftigung für sie findet." Frankreich. Paris, im November. Die Arch. isr. de Fr. bringen das Nähere über den in No. 45 erwähnten Fall. Herr I. Cahen, ein Zögling der Normalschule, war durch Dekret vom 17. September zum Professor der Philosophie beim Lyzeum Napoleon- Vendöe ernannt. Diese Ernennung ist mit einem lebhaften Eindruck in der Hauptstadt der Vendöe ausgenommen worden. Kaum daß der junge Professor von dem Lehrstuhl Besitz genommen, als er von allen Notabeln der Stadt, von den öffentlichen Beamten, Eigenthümern, Mitgliedern der Stadtbehörden rc. die offenbarsten Zeugnisse der Theilnahme und Beweise des liberalsten Geistes empfing. Aber kaum war er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.