Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1849)
- Date
- 1849-11-19
- Page
- Seite 669 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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669 mit mir, daß das Licht der geistigen Freiheit in Preußen nicht ausgelöscht werde. (Bravo.) Fu bel: Man müsse das Prinzip untersuchen, von welchem daS Ministerium bei Aufnahme dieser Artikel in die Verfassung ausgegangen sei. Die ganze Entwickelung und Organisation des preußischen Staats gehe vom Christenthum aus, das aber enthalte verschiedene Konfessionen, von denen keine die Idee des Christenthums vollständig in sich fasse. Der Staat müsse sich innerhalb bestimmter Grenzen konzentriren, die christliche Kirche dagegen erkenne keine Grenzen an. Im Volke dagegen träfen Staat und Kirche zusammen. Der erst bezeichnete Unterschied Beider sei durch die in Art. 11 ausgesprochene Unabhängigkeit der Kirche vom Staate anerkannt, das sei ein Beweis großen Vertrauens, und das Christenthum bedürfe keiner fremden Stütze, sondern nur der Freiheit für seine innere Entwickelung. Man verwechsele Staat und Kirche, Parlament und Synode, Bekenntniß und Gesetz, Religion und Konfession. Der Staat sei keine Persönlichkeit, sondern nur ein Komplex von Personen. Die Forderung, Zeugniß davon zu geben, daß die Nation den lebendigen Gott anerkenne, könne nur an eine Synode, nicht an ein Parlament gerichtet werden. Wolle man ein solches Bekenntniß ablegen, so würde es zum Gesetz werden. Kein Satz der christlichen Religion könne ausgesprochen werden, ohne zugleich das Bekenntniß einer Konfession zu enthalten. Wenn, wie die erste Kammer verlange, die Ehrfurcht gegen Gott in's Gesetz geschrieben werde, so sei das derselbe Grundsatz, den derjenige Staat fest verfolgte, welcher den Stifter der christlichen Religion wegen Gotteslästerung verdammt habe. Aus demselben Prinzip seien die Verfolgungen der Reformatoren, der Philosophen hervorgegangen. Man solle keinen solchen Satz, blos aus politischer Klugheit aufnehmen, damit werde man der Religion keinen Dienst leisten, welche nur die Wahrheit wolle. (Bravo.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 11. November. Die Juden in Preßburg haben einen einfachen Dankgottesdienst in der Synagoge gehalten. —. In dem Formulare zu den neuen, für die Reisen in Ungarn eingcführten Pässen befindet sich auch wieder die Rubrik „Religion", welche nach einer kürzlich erlassenen Ministerialverordnung in allen Auflagen neuer Pässe wegzubleiben hat und in den vorräthigen alten Pässen zu streichen ist. Italien. Rom, 1. November. Schmählicheres als eben am Ghetto verübt worden, ist lange nicht geschehen, und charakterisirt die jetzigen Gewalthaber und die Zeit, in der wir leben, und die auch nicht im Entferntesten mit der zu vergleichen, die man als 1847 sich oft wieder zurückwünschen wird. Das war eine Zeit der Humanität, der Hoffnung, des Strebens, und jetzt-? Wir stellen hier Berichte über die Blokade des Ghetto zusammen: —. 26. Oktober. Die Verfolgungen im Ghetto dauern fort; nutzlos sind die Beschwerden, welche die israelitischen Gemeindevorsteher bei den Behörden dagegen erheben. Drei der angeseheneren Familien, deren Häuser und Magazine ebenfalls der Wuth der Heloten nicht entgingen, führt das „Statuts" namentlich an; alle ihre Silbergeräthschaften, sowol zum eigenen Gebrauch als auch zum Verkauf, wurden unter Sequester gesetzt. —. 27. Oktober. Die Blokade des Ghetto ist in der Nacht vom 26. auf den 27. aufgehoben worden. Das römische Gubernium wirft die Verantwortlichkeit für diese Unmenschlichkeit auf die französischen Agenten und Exekutoren, die Franzosen hingegen auf die päpstliche Polizei. Die Durchsuchung des Ghetto soll gezeigt haben, daß Nichts aus den Kirchen bei den Juden verborgen war, im Ganzen sollen verschiedene an sie verkaufte Gegenstände, theilweise früher Kardinalen gehörend, im Werthe von 30,660 Scudi sich vorgefunden haben. —. 36. Oktober. Der Belagerungszustand des .Ghetto's hat bis gestern gedauert, ohne daß die Resultate der Hausuntersuchungen evidente Beweise gegen das republikanische Hehlerthum der Israeliten geliefert hätten. Wer einen Funken von Rechtsgefühl besitzt, mußte sich über den Modus des Verfahrens in hohem Grade skandalisiren. Denn die Inquisition wurde ganz und gar nicht durch sichere Indizien, oder gegen diesen oder jenen Verdächtigen geleitet. Es stellte sich vielmehr klar heraus, daß die Kardinäle Geld nöthig haben und zu dem Ende allein die reichsten Israeliten