Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-11-19 · Heft 47 (19.11.1849) · p. Seite 666

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 47 (19.11.1849)
Date
1849-11-19
Page
Seite 666 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225654--10603-3240665
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

666 der Reformation und der geläuterten religiösen Erkenntniß. Unter den hiesigen drei Hauptsynagogen gebührt dem in neuester Zeit erbauten Tempel des Brüdervereins der Vorzug. Schon seine moderne Bauart, seine geschmackvolle Einrichtung und reichen Verzierungen zeichnen ihn vor allen anderen hiesigen Gotteshäusern aus; aber weit wesentlicher unterscheidet er sich von jenen durch die Art und Weise des Gottesdienstes. Während in jenen Synagogen beim Gottesdienste ganz der alte Schlendrian herrscht, wodurch nicht nur die Andacht sehr gestört, sondern auch oft jede Gemüthserhebung verhindert wird: ist im Tempel des Brüdervereins der Gottesdienst ganz zeitgemäß umgestaltet worden. Derselbe findet ganz nach den Bestimmungen der Rabbinervcrsammlungen statt, mit dem Unterschiede, daß beim Vorlesen aus der Tora statt des dreijährigen Zyklus der einjährige beibehalten wurde. — Die wichtigsten Momente des Gottesdienstes aber, die am Meisten zur Berherrlicbung desselben beitragen, ja, durch die er erst die wahre Weihe erhalt, das sind die vortrefflichen Predigten des vr. Moritz Goldstein, der, seit einem Jahre installirter Prediger am Brüdervereine, am Sonnabend alle 14 Tage und an jedem Feiertage das Wort Gottes verkündet. Seine Predigten zeichnen sich aber sowol aus durch ihren geistigen Gehalt, als auch durch ihre gemächliche Sprache und verfehlen ihre Wirkung bei den Zuhörern nicht, dieselben für das Bessere und Zeitgemäße empfänglich zu machen. — Außer den Predigten werden auch die jedesmaligen Prophetenabschnitte in deutscher Sprache vom Prediger vorgetragen, denen sich dann deutsche Gebete für die Gemeindeobrigkeit und Kasualfälle anschließen. Den Gesängen beim Gottesdienst ist das berühmte Werk von Sulzer zum Grunde gelegt; die Leitung des Chors ist dem Kantor am Brüdervercin, dem Herrn Rittermann, anvertraut, der, aus dem Konservalorio zu Wien gebildet, seinem Amte zur vollen Zufriedenheit seiner Gemeinde vorsteht. Wünschenswerth wäre es aber, daß die vom Kantor komponirten Gesänge, namentlich das Schlußgebet aVny yns, mehr Einfachheit haben möchte, weil durch den kunstmäßigen, vierstimmigen Gesang die Selbstthätigkeit der Gemeinde erschwert wird, statt daß der Aktivität derselben ein größerer Spielraum verschafft werden sollte. Die Theilnahme, deren sich der hiesige Brüderverein zu erfreuen hat, wird mit jedem Tage größer. Hat doch in voriger Woche Jemand sogar auf seinem Sterbebette seinen Beitritt zur Brüdergemeinde erklärt und derselben für die Aufnahme 15V Thaler gezahlt! Möge dieser jungen Gemeinde auch ferner die Anerkennung nicht fehlen! Möge der würdige Prediger derselben in seinem Eifer nicht erkalten, auf daß der Irr- und Aberglaube ausgerottet, und Wahrheit und Fortschritt verbreitet werde. — g. Magdeburg, 11. November. (Privatmitth.) In diesen Tagen ist hier das neue Institut des Gewerberaths (bestehend aus Haudelsabthcilung, Fabrikabtheilung und Handwerksabtheilung), dessen Mitglieder Sachverständige aus den betreffenden Gewerbsbranchcn, gewählt von sämmtlichen Interessenten, sind, für Magdeburg und Umgegend in's Leben getreten. Zum Schriftführer wurde mit großer Majorität der Rabbiner vr. Philippson gewählt. Das Amt ist mit einem Gehalte von 5VV Thlrn. verbunden. Die Gemeindeältestcn haben die Vereinigung mit seinem Amte gestaltet. — Den 5. I>. wurde in Dessau das 50jährige Jubiläum der Franzschule (die aber hiermit in eine allgemeine Handelsschule sich wandelt) glänzend gefeiert. Eine Unpäßlichkeit hinderte uns, die wir dieser Schule unsere erste Bildung verdanken, an dem Feste Theil zu nehmen, und ist uns bis heute keine nähere Beschreibung zugekommen. Doch ist uns erzähkt worden, daß dem in Ruhestand versetzten vr. D. Fränkel ein ehrendes herzogliches Handschreiben mit einem namhaften Geschenke, so wie Gratulationen von allen Schulen des Landes zugekommen sind. Abends fand in einem herzoglichen Lokale ein glänzendes Festessen statt. Berlin, 12. November. Die Berfassungsparagraphen über die Religionsgesellschaften werden nun auch in der zweiten Kammer diskutirt, und heben wir das Bedeutendste daraus hervor. Sitzung vom 9. November. Die allgemeine Diskussion beginnt. Der Unterrichtsminister: Die stürmischen Bewegungen des vorigen Jahres dehnten sich natürlich auch auf das aus, was dem Menschen am Nächsten steht, auf die religiöse Ucberzeugung und das Wissen. Diese Bewegungen zeigten sich hierin so maßlos, wie damals allenthalben, und sie waren um so maßloser, als sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.