Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1849)
- Date
- 1849-11-12
- Page
- Seite 658 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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«58 Beispiel der Psatmenbearbeitung die Erklärung des llOten, der bekanntlich zu den schwierigsten gehört. Es ist allerdings nöthig, daß unsre Leser den Psalmen zuvor überlesen, Der Kommentar lautet nun folgendermaßen. In einem wahrhaften Irrgarten der Interpretation gerath man, sobald man an die Stelle des l lvten Psalms gelangt; da sind der Pfade der Erklärung so viele getreten, daß man das Ziel, richtiges und klares Verstandniß, nicht erreicht, weil man von einem in den andern fallt. Dies trifft sowol des Ganzen als des Einzelnen Deutung; und doch ist bei nicht vielen Psalmen die Auffassung des Ganzen und das Verständnis des Einzelnen so sehr mit einander verflochten, wie bei diesem. Wenn Raschi nach traditioneller Ansicht den Psalmen an Abraham gerichtet glaubt (wegen Malki-Zedek's), Borhek an Schelomo, Justin der Kirchenvater an Chiskija, de Wette an Ussija und Hitzig an den Makkabäer Jonathan, der aber niemals „König" hieß; wenn Rabe (Aben-Esra) glaubt, daß ihm 2 Schem. 21, 15—17., Mendelssohn, daß ihm 2 Schem. 11, 12. zu Grunde liege, indem David zu Hausen bleiben soll, um nicht in Lebensgefahr zu gerathen, eine höchst matte Erklärung, die sich noch dazu auf eine falsche Erklärung des V. 6. stützt, Ewa ld den Psalmen zu David gesprochen halt, als er nach Opfer und Gebet zum Kriege gegen mächtige Feinde aufbrechen wollte, wobei er V. 3. ganz irrthümlich erklärt, und den rechten Sinn von V. 2. vernachlässigt, Pfeiffer nach der Eroberung Zijon's; wenn die früheren jüdischen Weisen, und auch noch spätere, wie R. Saadia, viele christliche Theologen, jüngst wieder Hengstenberg mit großem Wortschwall, ohne mehr als die Stellen des N. T. dafür anführen zu können, den Psalmen auf den Messias deuteten — daß jedoch die bestimmte Idee eines persönlichen Messias, der als König und Priester Schlachten schlagen und Könige zerschmettern werde, zu David's Zeit und in diesem schon vorhanden gewesen, kann nicht nachgewiesen werden, auch nicht aus 2 Schem. 23.; am Wenigsten paßt aber V. 7. auf den Messias, denn von ihm, von dem wörtlich verstanden wird, daß er zur Rechten Gottes sitzt (V. 1.), zu sagen, er werde auf dem Wege Waffer aus dem Bache trinken, und darum das Haupt erheben, ist mehr als Widerspruchso muß man sicher, will man endlich etwas Sicheres erreichen, alle diese Erklärungsweisen zuvor zu vergessen suchen, und den Psalmen für sich und aus sich, wie er so dasteht, zu begreifen streben. Dann ist es aber nothwendig, den umgekehrten Weg zu gehen, und sich genau zuvor über die Einzelheiten aufzuklären. Was stellt sich uns nun als das eigentliche Ziel des ganzen Psalmen dar? Schon in den ersten Versen wird es uns genau bezeichnet: "w „b i s ich deine Feinde deinen Füßen zum Schemel machen werde", d. h. bis ich dir deine Feinde unterworfen haben werde. Der König hat viele und gewaltige Feinde, über deren Unterwerfung ihm Versicherung gegeben wird. Schon des zweiten Verses erstes Glied beantwortet uns die Frage: wer sie ihm unterwerfen will? 'tt, der Ewige, und wer dieser ^König ist? Yi"»£:n „von Zijon", der König Israels. Dieselben Worte, Vj nbtt^ {-tüe zeigen uns aber auch schon, wann der Zeitpurckt des Sprechenden gewesen: „den Stab deiner Macht wird der Ewige von Zijon ausstrecken", also zu einer Zeit, wo diese Macht von Zijon aus sich noch nicht erstreckt, noch nicht ausgebreitet hatte. Die folgenden Worte sprechen nun diese kommende Herrschaft bestimmt aus: ‘pa*1** a^ipa im „herrsche in der Mitte deiner Feinde"; die Feinde sollen dich also nicht länger am Herrschen hindern; sie sagen aber auch aus, daß diese Feinde nicht etwa fremde Völker sind, da er in ihrer Mitte herrschen soll. Hieraus ist klar, daß der König zwar schon König ist, aber die wirkliche Herrschaft noch nicht erlangt hat, daß ihn viele Feinde daran verhindern, daß er sie aber sicher erlangen soll, daß die Feinde seiner Herrschaft ihm unterthänig werden, so daß er in ihrer Mitte trotz ihnen herrschen wird. So dunkel nun V. 3. ist, so giebt uns genaue Prüfung dock mehrere Anhaltspunkte. Er lautet: rria^ ^nnb^ bü tjb "inipH önaa unp mina Tsb^n ora Wir sehen bald, daß das dicht an gerückte Gegensatz zu jenem sein muß, und daß dieser Gegensatz seinen Schwerpunkt durch nwi erhält. Denn die Freiwilligkeit, die jedenfalls in diesem Worte liegt, steht der vorhergegangenen erzwungenen Herrschaft über die Gegner entgegen, so daß dadurch das Volk den Gegnern des Königs gegenüberstcht, als seiner Herrschaft sich willig unterwerfend, weshalb es auch von vorn herein „dein Volk" heißt. Man hat nun nms als Eigenschaft erklären wollen, „ganz Willigkeit ist dein Volk" (de Wette), oder „dein Volk, ein freiwilliges" (Sachs). Für das Abstraktum nan) kann man aber nur die eine Stelle Hoschea 14, 5. anführen; im Plur. aber ist es also gar nicht zulässig. maiD sind überall (selbst Ps. 68, 10.) freiwillige Gaben, und da im ganzen Verse ein Verbum