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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-11-12 · Heft 46 (12.11.1849) · p. Seite 657

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 46 (12.11.1849)
Date
1849-11-12
Page
Seite 657 (sequence 9)
Language
German
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657 Kenntnisse berühmt waren, und zwar in dem Grade, daß man Chaldäer und Astronom oder Astrolog sowol bei den Griechen wie bei den Rabbinen für gleichbedeutend hielt, oder besser, daß man einen Sternkundigen und Sterndeuter nur durch den Namen „Chaldäer" bezeichnte. Zn den ersten Jahrhunderten nach Christo war aber der Sitz der chaldaischen Sternkunde in Orchon am Euphrat, und die Astronomen hießen um dieseZeit geradezu Orcheni. (Strabo XVI.) „Orchene" war also für Astronomen ein Gelehrtentitel wie etwa unser , Doktor" für philosophische Wissenschaft, was war natürlicher, als daß ein Samuel, dessen spezifisches Studium die Sternkunde gewesen, den Namen „Orchene" führte? Dieser fremdländische Name wurde aber nicht unmittelbar und wissentlich in eine rabbinische Form verwandelt, sondern es ging Anfangs die Kenntniß feiner Herkunft in Vergessenheit oder Beachtungslostgkeit über, bis man ihn spater halb absichtlich, halb in Unkunde hebraisirte, mundrecht machte und dafür eine mehr oder weniger passende Etymologie auffand. So ging denn „Orchene" in drei ihrem Aeußern nach verschiedene Formen über, in narrr-p und 82^8. Ich halte den von Samuel allein geführten Namen -p'-iN (transponirt aus "CPna?) für den ältesten aus „Orchon" hervorgegangenen, S-ia^rrv» dagegen im Zusammenhang mit dem Adjektiv „Orchenos" für den spatem. Was die dritte Form „82^8" betrifft, so wird sie ebenfalls in der Zeit Samuels herrschend, und wird nur babylonischen Gelehrten beigelegt, aber vorzüglich Solchen, die sich durch ihre Kenntnisse in der Sternkunde einen Ruf erwerben, wie 2-1 und *nb. Bezeichnend ist hierüber die Stelle Cholin 137, b, wo Jemand dem Rabbi Jochanan erzählt, es sei Abba Aricha (2*,) jetzt Oberhaupt in Babylonien, worauf R. Jochanan verweisend sagt, er solle von 2*1 ehrerbietiger sprechen. Es war aber R. Joch, ein Verächter der Sternkunde, wie er ja geringschatzend von Samuel sagte: 2V 8)ab22 822ivin und daher hörte er den Namen ----- „Orch 0 e" von 2") ungern, ihm war dieser Rab nur in Folge seiner talmudischen Größe achtungswerth. Daß 2*i wegen seiner Körperlänge „Aricha" geheißen haben sollte, wird, trotz Raschi, Keiner für sehr wahrscheinlich halten, es hatten dann viele Andere, darunter Piyist 2^, Oberhaupt in Pumbedita, den Beinamen führen müssen; auch ist es gar nicht schmeichelhaft, der „lange Abba", oder der „lange Levi" genannt zu werden. Ich muß noch als kurzen Beleg hier einige Wörter anführen, die ursprünglich aus fremder Sprache zu den Juden gekommen, von diesen aber nach hebräischen Sprachgesetzen behandelt und nach hebräischer Abstammung ausgelegt wurden: OY-njrsDtt, Epicurus oder epicureus wird von Späteren, selbst von Maimonideö, von dem Stamme NPQ abgeleitet. Der Plural wird ganz hebräisch trDtavip'’S8 gebildet. a:nD8, Haus (fälschlich von den Neueren: Schloß, Pallast), kömmt zuerst häufig zur Zeit des Rab Nachman im Talmud vor, also kurz nachdem sich die Perser wieder am Euphrat und Tigris festgesetzt hatten, und ist das persische Abad. Aber man gab für das fremde Wort das im Buche Daniel vorkommende chaldaische, und so wurde auch die Bedeutung desselben in die Tradition ausgenommen. tn-isnö, welches im Talmud gleichbedeutend mit V^2N ist, kann sehr wohl von POv Herkommen, nicht aber von schreiben, oder gar von zahlen, wie der Talmud (Kidduschin 30) behauptet; es hieße dann „Schriftgelehrte", „Männer der Schrift". Allein der Begriff „Weise" ist vorherrschend in den vorkommenden Stellen, es steht immer neben tn722n oder an dessen Stelle, und es ist daher sehr wahrscheinlich, daß das griechische oocpog mit einem Plural dem Namen zu Grunde liegt, den Heiden zum Juden machte, den Griechen zum Hebräer, und zwar diesmal nicht, indem man ihm Etwas abschnitt, sondern, indem man ihm Etwas zulegte, nämlich das eingeschobene Resch. Solche Pcoselytenmacherei haben sich die Juden häufig zu Schulden kommen lassen. Ich könnte die Liste solcher hier sehr ausdehnen, aber ich denke an den Satz; bfcma*^ ön» iwp rc. d. h. es werden diese Proselyten den israelitischen Lesern lästig sein, und deshalb halte ich sie noch zurück. F. Lt. Ein sehr schwieriger Psalm. Der 11 Ote Psalm. Das größere Bibelwerk, welches wir seit zehn Jahren herausgeben, geht seiner Vollendung rüstig entgegen. In diesem Jahre erscheinen noch des dritten Bandes 7te und 8te Lieferung, die bis Ps. 120 gehen, die ersten Monate des nächsten Jahres bringen die übrigen dreißig Psalmen und die Einleitung zum Psalmbuche. Wie schon früher bringen wir unseren Lesern als ein 46*

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