Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1849)
- Date
- 1849-11-12
- Page
- Seite 654 (sequence 6)
- Language
- German
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654 genössischen Bundesrath gewendet hat, um Zulassung der dortigen Juden zu den Märkten des Kantons Luzern zu erzielen, was von diesem auch bejahend entschieden wurde. Noch hat sich der regenerirte Kanton Luzern nicht dazu verstanden. So viel haben wir mit den Waffen in der Hand vor zwei Jahren dort gewonnen! Vom Kanton Bern ist in politischer Beziehung nicht zu klagen. Sie wissen, daß bei der neuen Kantonalverfassung 1846 die Ausnahmsstcllung der Juden aufgehoben worden und diese unter das Fremdengesetz gestellt wurden. Seither haben zwei Juden wieder Hauser gekauft und Einer ein großes Landgut, einige Stunden von Bern, das er selbst bearbeitet und bedeutend kultivirt. Eduard Pikard heißt der junge Mann. Seither sind auch einige Familie aus dem Elsaß wieder nach Bern gezogen und haben ohne Anstand ihr Domizilium erhalten. Auch ist S. Weil, Arzt in Walkring, zum militärischen Kreisarzt ernannt worden, ohne daß ein Mensch daran gedacht hätte, daß die Ehre zu groß sei für einen Nachkommen Abrahams. Dafür sind aber auch Verbesserungen im Innern der jüdischen Gemeinde zu berichten. Seit Herr Em. Bloch, Kleiderhändler (zu unterscheiden von mehreren anderen Bloch daselbst), Vorsteher der Gemeinde worden ist, hat sich diese total geändert. Nicht etwa die Einzelnen in ihrem Leben und Treiben. So weit ist die Zivilisation noch nicht gediehen. Aber in der Synagoge sowol als in der Schule, im Gemeindewesen sowol als in der Ordnung bei der Kahalsversammlung, da ist ein himmelweiter Unterschied zwischen jetzt und ehedem. Ich will die unterscheidenden Merkmale nicht speziell angeben; sie sind wie Tag und Nacht, wie Licht und Finsterniß. Gebe Gott, daß Herr Bloch nicht ermüdet in seiner Wirksamkeit und ich bin überzeugt, daß er es binnen Kurzem dahin bringt, daß eine regelmäßige Predigt cingeführt wird. Man mag staunen, daß das als ein so großer Fortschritt betrachtet wird. Aber, lieber Leser! hättest du gesehen, was ich, so würdest du glauben cs seien Wunder geschehen größer als rpe.H’' ny“ip. Ehrend muß genannt werden, als Herrn Bloch zur Seite stehend: Herr Bamberger, Optikus in Bern. Sonst wird ihm aber sein Amt sauer genug gemacht. Auch von Basel ist in den organischen Verbesserungen der jüdischen Gemeinde nur Erfreuliches zu berichten. Mehre junge Männer, die sich der zerfallenden Gemeinde angenommen, haben in wenigen Jahren recht Ordentliches zu Stande gebracht. Und diese wenigen Familien werden nun eine Synagoge bauen, was gewiß kein geringes Opfer für diese Leute sein wird. Es ist noch nicht alle Religiosität geschwunden in Israel! Sehr wenig ist aus den anderen jüdischen Gemeinden in der Schweiz zu berichten. Es ist Schade, daß nicht Jemand da ist, der alle diese zersplitterten Gemeinden und Duodezgemeindchen zu einem organischen Ganzen zu verbinden vermag; es wäre noch Manches zu machen. Herr vr. Weil wollte einen Emanzipationsverein gründen unter den Juden der Schweiz, der nicht nur den Zweck hatte, die Erzielung politischer Höherstellung der Juden in der Schweiz, sondern auch sämmtliche Juden zu verbinden und durch ein Konnte sie zu überwachen. Allein er fand zu wenig Anklang und die Einwanderung vieler fremder Juden im vorigen und diesem Jahre aus Frankreich und Baden, während der dortigen Verfolgungen ließen ihn fürchten, die Regierungen möchten Anstand nehmen, den Juden fürder so gastliches Asyl zu geben, in der Befürchtung: man wolle gerade für diese eine bessere Stellung und Gott weiß was! erzielen. Der Plan ist aufgeschoben doch nicht aufgehoben. Wären nur einige thätige Hebel da! Aber mit Ausnahme des Herrn Lehrers Marx G. Dreifuß in Endingen arbeitet Niemand viel für das Heil Israels. Und wie es diesem gedankt wird, will ich lieber verschweigen. Italien. Ikom, 25. Oktober. Der Rückschlag, den die Rückführung der alten Verhältnisse insonders auf die Juden übt, wird Niemanden empfindlicher gemacht, als den armen Bewohnern des römischen Ghetto. Ich sage „den armen", denn es ist bekannt, daß es wenig ärmere Gemeinden giebt, als die in Rom, wo unter einer Fülle von Armen nur wenig Bemittelte leben. Und wie sollten sie auch anders, da ihnen Alles verboten war, Alles, Handel und Gewerk in der Stadt, und wer kam nach dem Ghetto, wenn nicht um armseligen Trödel zu kaufen? Und gerade