Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-11-12 · Heft 46 (12.11.1849) · p. Seite 653

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 46 (12.11.1849)
Date
1849-11-12
Page
Seite 653 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225653--10589-3240650
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

653 Werke verwendeten. Vielleicht glauben sie aber, daß der Zehente vom Zehenten, der.Priesterantheil, schon hinlänglich genügend sei. Aus Pommern, Ende Oktober. (Privatmitth.) Beim ersten Zusammentritt der Geschworenen für den Bezirk Anklam, zu denen auch ein Israelit gehört, wird ein gegen einen Israeliten, vr. phil. Stofen« berg, weiland Präsidenten des demokratischen Klubs zu Demmin, eingeleiteter politischer Prozeß zur Sprache kommen, wobei vr. R., der ein gewandter Redner, sich selbst vertheidigen wird. Man ist auf den Ausgang des Prozesses gespannt. Ueber die Gemeinde- und Kultverhaltnisse Demmins und Neuvorpommerns überhaupt, schreibe ich Ihnen deshalb Nichts, weil sie nicht der Rede werth sind. In Pasewalk (s. meine früheren Berichte) soll es ganz bunt hergehen; als Hauptursache wird ein Streit zwischen Prediger und Chasan angegeben; Letzterer hat nämlich bisher die Trauungen verrichtet, und dies Recht will der Erster«, weiter Prediger der Gemeinde, für sich beanspruchen; — und diese und ähnliche Lapalien sind's, die in P. und in vielen anderen Gemeinden die größten, mit aller Leidenschaftlichkeit geführten Kämpfe Hervorrufen — und solche Saat trägt bittere Frucht! — Sapienti sat. In Prenzlau (vgl. unsere früheren Art.) soll endlich die Prediger- und Rabbinerstelle besetzt worden sein, und zwar durch den vr. Lazarus, den ich schon in No. 26 d. Bl. erwähnt; ich kann Prenzlau zu dieser Wahl nur gratuliren; denn Herr L. ist ein ausgezeichneter Lalmudist und, was ich besonders hervorheben will, von echter Frömmigkeit beseelt, fern von jener destruktiven Richtung vieler unserer jüngeren Theologen. Und wenn Herr L. auch keinen glänzenden Bortrag hat, so sollen seine Predigten immer inhaltreich und gediegen sein. 12 »■>» rrns «b« Ipbpa bsnön b« hat einmal ein Weiser gesagt. Wann Herr L. sein Amt antreten wird, ist mir nicht bekannt. Auch einen guten Kantor hat P. und zwar in der Person des Herrn Wolf Herrmann, der, irre ich nicht, schon zwei Jahre dort und jetzt auf's Neue engagirt ist. Herr H., ein honetter Mann, ist musikalisch gebildet und hat einen angenehmen Vortrag. Für heute muß ich abbrechen; in meinem Nächsten vielleicht über einige andere Gemeinden. W. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 18. Oktober. Die hiesige israelitische Gemeinde hat beschlossen, nur in religiöser Beziehung als besondere Gemeinde fortzubestehen, im Uebrigen aber sich dem allgemeinen Stadtgemeindeverbande anzuschließen. Zur Entwerfung einer Gemeindeordnung sind die Doktoren Frankl und Engl, der Schriftsteller Joseph Wertheimer und Heinrich Edler v. Wertheimstein ernannt worden. (Lloyd.) Das klingt schön, aber — wo bleiben die israelitischen Armenanstalten? wo die Verwirklichung jener schönen Grundsätze unserer Religion, ohne deren Ausführung sie sich selbst für Nichts erklärt? deren Aufrechthaltung nicht minder der Beruf Israels ist als die des Monotheismus? Geben denn die Katholiken all ihre Wohlthätigkeitsanstalten für die Kommune hin? Behalten sie nicht ihre Stiftungen, Konvikte rc.? Und mit großem Rechte! Die Wohlthätigkeit, welche eine Stadtkommune ausübt, ist nur ein beiläufiges Geschäft derselben, darum sind Anstalten nothwendig, die blos um der Wohlthätigkeit und nur um dieser Willen da sind. Giebt die Religion das Gebiet der Barmherzigkeit an die politische Gemeinde hin: so hat sie ihr letztes Stück Erde aufgegeben, und sie wird nicht lange mehr darauf weilen! Wir geben dies wohl zu bedenken! Es giebt außer dem Staate und der Kommune immer noch Kreise, die erhalten werden müssen: die Glaubensgenossenschaft j und die Familie. Wir denken, es wird ein kurzer Jrrthum sein, daß sich die jüdische Gemeinde in ihrem ganzen wirklichen Bestände vor der bürgerlichen auflösen soll. Es ist dies ein narrischer Jrrthum, aber auch ein schädlicher! —. Dr. Fischhof wird in diesen Tagen freigelassen werden. Die Schweiz. Aus der Schweiz, im Oktober. (Privatmitth.) So selten ist eine Zeile über die Juden und ihre Verhältnisse in der Schweiz in Ihrem geschätzten Blatte zu lesen; und es ließe sich doch so Manches auch von dort berichten. Ueber ihre politischen Verhältnisse oder Fortschritte leider entsetzlich wenig. Besonders im Aargau ist ein arger Stillstand in dieser Beziehung einge- I treten. Blos daß sich der Stand Aargau an den eid-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.