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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-11-12 · Heft 46 (12.11.1849) · p. Seite 651

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 46 (12.11.1849)
Date
1849-11-12
Page
Seite 651 (sequence 3)
Language
German
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651 dunkeln Scheitel des neben ihm stehenden errötheten Mägdleins gehalten, wie feenhaft zauberisch glitzern die mächtig großen Borstecknadeln und Ohrgehänge auf den sauber gebürsteten, schwarzen sammtmanchesternen Kissen und die goldenen Ringe mit den Brillanten und Rubinen aus der schwarzen Rolle aufgereiht, wie Bretzeln am Fenster eines Bäckerladens; welche kaum geahnte Pracht eröffnet sich nicht in den jetzt aufgeschlagenen Stücken Kattun, dessen wunderliche Muster mit den blitzähnlichen Zickzacks und unzähligen Monden und Sternen selbst der älteren Farmersftau ein lautes „Ach" der Bewunderung entlocken, und dann erst gar die seidenen Halstücher und Bänder, die Perlmutterknöpfe und Haarnadeln mit dm kleinen farbigen Glaskugeln oben drauf, die Haarschleifen und Armbänder, die Ketten und seuerstrahlcnden Ohrringe, das Alles muß in einem solchen Blockhause, mitten im Walde gesehen werden, um ganz den, wenigstens für den Verkäufer wünschenswerthen und günstigen Eindruck hervorzubringen. Der Pedlar läßt seine Waaren gewöhnlich nur für baar Geld aus den Händen, kennt er aber seine Leute, oder sieht er an der ganzen Umgebung, daß er gerade nicht viel zu fürchten hat, so kreditirt er wenigstens einen Theil derselben, was ihm zu gleicher Zeit Entschuldigung für einen zweiten Besuch gewährt. Ein Anderes ist es mit den „Jewelrypedlars" oder denen, die nur goldene Schmuckwaaren, einige Taschenuhren und silberne Löffel führen. Diese geben nie Kredit, weil sie aus sehr vernünftigen Gründen nie einen und denselben Ort zweimal besuchen: sie trauen dem Frieden nicht recht und sind selten geneigt, dem Mann wieder unter die Augen zu treten, dem sie früher von ihren Waaren verkauft haben. Der größte Betrug wird in dieser Hinsicht mit den Argentanlöffeln getrieben, die in den Städten unter dem Namen german silver oder deutsches Silber bekannt sind, und wo, besonders in Ohio, den leichtgläubigen Farmern unter dem Vorwände, daß deutsches Silber nur eine andere Art, aber sonst ebenso gut sei, das Dutzend Eßlöffel zu 18 und 20 Dollars verkauft wurde. Hätten die Gesetze in diesen Fällen wirklich einschreiten wollen, so würden sie Nichts haben ausrichten können, denn die Waare war unter dem rechten Namen „deutsches Silber", wenn auch zu einem übermäßigen Preis«, verkauft, die Landleute selbst aber, welche mit der Zeit, obgleich erst durch Schaden, klug wurden, schwuren nachher freilich dem Pedlar, sobald er sich wieder blicken lassen würde, furchtbare Strafe zu. Dieser jedoch trieb dann schon in einem andern Staat, entweder weiter westlich oder südlich, wer konnte sagen wohin er gezogen, sein Wesen, und nur weniger Jahre bedurfte es, so hatte sich der arme Packträger ein Pferd oder gar einen kleinen Wagen angeschafft, auf dem er jetzt seine Waaren in bedeutend größer und besserer Auswahl, durch das Land fuhr. Louisiana besonders wimmelt von diesen Leuten und es kommt dort vor, daß mehrere derselben Zusammenlegen, und sich ein Pferd gemeinschaftlich kaufen, um ihren Waarenballen fortzuschaffen; das arme Thier ist aber dann wahrlich zu bedauern, denn erstens muß es die sicherlich übermäßige Last, und gewöhnlich auch noch abwechselnd einen der hoffnungsvollen Jünger Merkurs schleppen, und nicht selten geschieht es dann, daß solch ein gequältes Geschöpf zusammenbricht und nicht weiter kann. In Louisiana besteht der Hauptnutzen der Pedlars in dem Verkehr mit den Negern und besonders den Negerinnen, welche, da sie die Plantagen nicht verlassen dürfen, für alles das, was sie gebrauchen, einzig und allein auf diese wandernden Krämer angewiesen sind. Den jungen Mulattinnen und Mestizen fehlt es dabei nie an Geld, besonders wenn sie schön sind, und sie wissen den „Minnesvld" natürlich auf keine andere Art zu verwenden, als daß sie Putz und Kleider dafür einkausen, die ihnen von den geschäftigen Deutschen in reicher Auswahl zugeführt werden. Grellrothe Tücher, Glasperlen, auffallend bunte Kattune und alle Arten von Schmuck finden hier einen ausgezeichneten Markt, und der Nutzen an diesen Gegenständen, die spott billig auf den Auktionen in New- Orleans eingekauft werden, ist bedeutend. Am Meisten verdienen diese Leute aber mit dem verbotenen Handel, wie das fast stets der Fall ist. Den Negern dürfen sie nämlich keinen Whiskey verkaufen, wie überhaupt kein Kaufmann in den Sklavenstaaten, und die Strafen, welche für Uebertretung dieses Gesetzes bestimmt sind, werden sehr streng beobachtet; der Krämer weiß aber der Gefahr entdeckt zu werden sehr gut zu entgehen; Werrath ist von den Negern selbst nicht zu befürchten und eine mittlere, doppelte Wand im Wagen birgt den geheimen Schatz, aus dem sie heimlich die Flaschen der durstigen Sklaven füllen.

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