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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-11-12 · Heft 46 (12.11.1849) · p. Seite 650

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 46 (12.11.1849)
Date
1849-11-12
Page
Seite 650 (sequence 2)
Language
German
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650 rung auf Einer Stufe; was sie aber auch im Vaterlande getrieben haben mögen, welches Handwerk, welche Kunst, es bleibt sich gleich, in Amerika, wo sie wählen dürfen, greisen sie nach dem Handel und werden mit sehr wenigen Ausnahmen Kaufleute, oder geht das nicht, Krämer und Hausirer, wie man sie dort nennt „Pedlars". Zwar ist ein kleiner Theil dieser Pedlar, wie schon gesagt, Christen, ein anderer besteht aus Amerikanern, doch dieser sind so wenige, und sie verlieren sich so unter der Masse, daß sie kaum einer Erwähnung bedürfen. In einem der Seehäfen angekommen, besteht ihre Baarschaft (denn wir haben es hier mit den wandernden Krämern, also der ärmern Klaffe zu thun) gewöhnlich noch aus wenigen Dollars, mit denen sie denn auch nicht säumen, ohne weitern Zeitverlust „ein Geschäft zu beginnen". Ein schmaler Korb (zum Umhängen) wird vor allen Dingen angeschafft, dahinein ein kleiner Vorrath von etwas Brod und Zwirn, einige Kämme und Zahnbürsten, Hosenträger und Zahnstocher, wunderbar schimmernde Hemdknöpfchen und Näh- und Stecknadeln und andere derartige Sachen gekauft, und der Weg zu ihrem Glücke ist gebahnt. Noch versteht der angehende Kaufmann keine Silbe von der Sprache des Landes, das er jetzt zu seiner Heimath gemacht hat, ye8 und no und noch ein Paar kleine Hilfswörter, wie very cheap (sehr billig) und very gooä (sehr gut) ausgenommen, mit einer liebenswürdigen Dreistigkeit aber sucht er vorzüglich die amerikanischen Hauser auf (denn die Deutschen selbst sind schlechte Kunden) und knüpft hier mit der Hilfe von solch barbarischen Wörtern und lebensgefährlichen Gestikulationen ein Gespräch an, daß die Leute, wenn sie nicht den ohne alles Weitere Eintretenden beim ersten Anlauf aus der Thüre werfen, sehr häufig geneigt sind, «ine Kleinigkeit zu kaufen, die sie natürlich im Leben nicht benutzen können, blos um das Mienen- und Gebärdenspiel wie die außerordentliche Unterhaltung des „jungen Amerikaners" eine kurze Zeit zu genießen. Das dauert aber nur wenige Monate, in fast unglaublich kurzer Zeit lernt der Pedlar die Landessprache wenigstens so weit, daß er sich verständlich ausdrücken kann, und nun beginnt das eigentliche Leben desselben. Wie der Schmetterling aus der Puppe, so kriecht er mit seinem mächtigen Packen und einem tüchtigen Wanderstab versehen aus den Straßen der engen Stadt hervor und flattert, wenn man überhaupt mit einem Waarenballen von einigen 60 Pfund auf den Schultern flattern kann, hinaus in's Weite, den fernwohnenden Farmern das an Herrlichkeiten zuzutragen, was er entweder auf Auktionen mit baarem Gelbe eingekaust, oder von bekannten Kaufleuten auf Kredit erhalten hat. In dem Staat, in welchem er Handel treibt, muß er freilich eine bestimmte Taxe, sogenannte Liccnce entrichten, weiter ist er aber auch an Nichts gebunden, und kann an Waaren ausbieten, was ihm nur immer und wo es ihm beliebt, deshalb haben sie sich auch über die ganzen östlichen, südlichen und mittleren Staaten ausgebreitet, und nur die ganz westlich liegenden größtentheils den Amerikanern überlassen, da dort die Gegend noch zu unbebaut ist, und ihnen der Anblick von wilden Thieren, die wenn auch einzeln, doch dann und wann umherstreisen, keineswegs zu behagen scheint. Natürlich wählt sich der Pedlar stets den Strich Landes, auf welchem die meisten Ansiedelungen liegen und der noch am Wenigsten von seinen Kollegen heimgesucht ist, dort geht er dann von Farm zu Farm und fragt, ob die Jnwohnenden Etwas von Waaren nöthig haben. Gewöhnlich lautet die Antwort „nein". Da aber der Mann selten zu Hause ist und die Frauen stets — gerne sehen möchten, was der Krämer denn eigentlich in dem großen schweren Packen für Kostbarkeiten verborgen trägt, so erhält dieser leicht die Erlaubniß, seinen Ballen zu öffnen und seine Waaren auszubreiten. Erhält er die übrigens auch nicht, so bleibt sich das im Grunde dennoch gleich, denn öffnen thut er ihn doch, und seine Sachen zeigt er auch vor, ehe er geht, Stück für Stück, ob er nun freundliche oder mürrische Zuschauer um sich sieht. Das Ausbreiten der Waaren in einsamer, den Städten fernliegender Hütte, hat aber seinen doppelten Nutzen, erstlich sehen die Bewohner derselben so viele Sachen, welche sie gut gebrauchen können, ja deren sie wol gar nothwcndig bedürfen, vor sich und werden dadurch an manche Kleinigkeit erinnert, die sie sonst vergessen hätten, und dann gewinnt auch die Maare selbst, in der unscheinbaren niedern Hütte, auf dem rohen Holztisch, in der ganzen hausbackenen Umgebung zur Schau gestellt, ein ganz anderes Ansehen. Wie verführerisch glänzen die schildpattähnlich gemalten Hornkämme von dem schlauen Krämer gegen den

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