Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1849)
- Date
- 1849-11-05
- Page
- Seite 644 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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644 Gottes von dem schönen und gelehrten Sabbathay Zebi Ln Smyrna *). Ich hatte keine Ruhe bis ich ihn gesehen hatte, und wanderte mit einer großen Gesellschaft nach Jerusalem, wo er seinen Einzug hielt. Nie will ich vergessen die Pracht und Herrlichkeit, die ich dort gesehen und gehört habe; er hatte eine königliche Gestalt und seine Worte flössen von seinen Lippen wie die Reden tönen von dem Munde eines Engels. Auch ich sprach mit ihm von meinem Lehrer und er gedachte seines Namens mit großem Lobe, denn auch er hatte von seinem Ruhme gehört. Begeistert kehrte ich zurück und bereitete mich vor, mit Frau und Kindern in die heilige Stadt zu ziehen, um dort zu wohnen in dem Schatten seines Schutzes und zu hören die Lehren seines Mundes, die so mild und lieblich klangen, wie die Worte meines Lehrers; aber es verbreitete sich plötzlich die Kunde von der Nichtigkeit des Unternehmens, und ich mußte schweigen, denn ich wurde verspottet und verachtet wegen meines Glaubens an den falschen Messias, denn ich dachte, er sei nur, um für den Augenblick der Gewalt des Sultans weichend, aus ihm wohlbekannten Gründen ein Türke geworden, er werde schon wieder zur rechten Zeit mit Kraft und Macht austreten, um zu streiten für das Licht und Recht seines Volkes." „Doch die Hoffnung sollte vereitelt werden wegen der Menge unsrer Sünden, und zur Strafe brach eine gräßliche Seuche aus in Oesterreich und Böhmen, in Wien und Prag, und sie vernichtete Taufende der eitlen Menschensöhne. Wer Füße hatte zum Laufen, ging fort mit Eite. — Wir zogen mit unsren Familien nach Deutschland und kamen nach Frankfurt." „Hier hörte ich von einem jungen Menschen, Namens Jochanan, der großes Aufsehen erregte. Er war, sagte man, früher sehr fleißig gewesen, aber sein Kopf war nie scharf und hell; er hat immer geschwiegen und nur zugehört, aber nie diSputirt. Jetzt auf einmal halt *) Sabbathay Zebi in Smyrna gab sich für den Messias aus. Die Zeitumstande, namentlich die geheime Unterstützung der Republik Venedig, welche mit der Türkei Krieg führte, und dem Sultan einen innern Feind im Lande Judäa erwecken wollte, waren ihm günstig, und rissen ihn und selbst seine Gegner in den Strudel des Wahnglaubens hinein, so daß sein Ruhm sich in ollen Welttheilen verbreitete, und die durch ihn erfolgende Erlösung allgemein erwartet wurde. Im Jahre 1666 wurde er aber Muselmann, um dem ihm vom Sultan Mahomed IV. zugedachren Tode zu entgehen. er Bortrage, daß man sich wundern muß über seinen Scharfsinn." „Aus Neugierde besuchte ich mit einigen Bekannten seine Vorträge. Wie aber mußte ich staunen, als ich Fragen und Antworten hörte, die mir als langst bekannt vorkamen. Ich sann hin und her und kam endlich auf den rechten Gedanken. Ich fragte ihn: ist euer Vater oder euer Lehrer, der euch unterrichtet hat, in Fulda gewesen bei R. Meic Schiff? Er erbleichte und stammelte: „Nein!" Da erhob ich mich zürnend und rief ihn mit gewaltiger Stimme zu wie der Donner rollt: „so hast du deine Gelehrsamkeit gestohlen aus den Papieren meines Lehrers R. Meic Schiff, die in deinem Munde sich ausnimmt wie ein goldner Ring in der Nase eines Schweines!" Er wurde noch bleicher und konnte nicht antworten vor Schrecken, denn er wurde ergriffen von großer Scham und Angst und von innerem Grauen. Ich aber ging zu Wolf Stern und erkundigte mich nach dem schriftlichen Nachlasse seines Schwiegervaters. Da kam auch Jochanan, denn er ging im Hause aus und ein, und erhielt Speise und Trank, soviel er wollte, weil er die Kinder unterrichtete, denn er allein von allen Studirenden konnte deutsch lesen und schreiben. Er gestand, daß er von den Papieren in der Kiste, welche auf dem Söller unbeachtet stehe, entwendet habe, um sich zu schmücken mit fremden Kleidern. Aber Ihr habt nicht gut gethan, R. Lipmann! fuhr er fort, daß Ihr mich öffentlich beschämt habt. Ihr kennt ja die Geschichte von Kamza und Bar-Kamza. Auch Ihr hättet mich vor so vielen Menschen nicht verhöhnen sollen; darum sollt auch Ihr die bitteren Folgen dieser bösen That erfahren, denn wisset! daß ich nicht bin, für was Ihr mich haltet. Ihr glaubt, ich sei ein Jude, aber ich bin ein Christ; Ihr meint, ich heiße Jochanan, aber ich heiße Johannes Eisenmenger. Ich habe studirt auf eurer Hochschule, um eure Wissenschaften gründlich kennen zu lernen. Jetzt aber will ich die gesammelten Kenntnisse zu eurem Schaden anwenden, denn auch ich will, wie einst Bar-Kamza, ider Welt die Augen öffnen und zeigen, wer Ihr seid und was Ihr von uns denkt und glaubt." „Eisenmenger! rief ich zornig. Hast du nicht einen Bruder, der ein Trommler ist bei den Kaiserlichen? Er bejahte es, und ich sprach: so bist du vom Stamme Amalek! Du willst thun, wie Bar-Kamza gethan? so will auch ich dir thun, wie ihm geschehen ist. Ich riß die Thüre auf und warf ihn die Stiegen hinab, daß