Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1849)
- Date
- 1849-11-05
- Page
- Seite 643 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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«43 mächtig, wie noch Keiner vor ihm war und Keiner nach ihm sein wird. Ihm ist erschienen Elias, der Prophet, denn ohne seine Hilfe wäre es ihm nicht möglich gewesen, daß ein junger Mann so gar viel wissen und verstehen konnte." „Beständig war ich bei ihm, denn er hatte mich lieb, weil ich von einer großen Familie abstammte. Er sagte mir Manches, was er keinem Andern mittheilte, und er lehrte mich Vieles, was Niemand von ihm erfuhr. So war ich glücklich Lek ihm und lebte nur von seinen Worten. Er wollte mir auch seine Tochter Henle zur Frau geben, denn er sprach; mein Sohn Sanfel Ln Worms ist kränklich und wird keine Kinder bekommen. Darum wünsche ich einen Eidam zu erhalten, der mein Nachfolger wird und meine Handschriften dereinst dem Drucke übergiebt, denn ich selbst kann es nicht mehr thun, da meine Kräfte abgezehrt sind von dem Feuer der Gotteslehre und von der Anstrengung meines Geistes, dem ich nie Ruhe gönnte. Ich fühle mein Ende nahen, aber ich bin ruhig, denn ich habe mein Tagewerk vollbracht, und habe mehr gethan in meiner kurzen Lebenszeit, als mancher Mann, der hundert Jahre und länger lebte. Darum wird süße sein der Schlaf des Arbeiters." „Ich wollte ihm die trüben Gedanken ausreden, aber er lächelte freundlich und sprach: „ich weiß, was ich weiß!" „Seine Wünsche wurden nicht erfüllt, denn seine Handschriften sind nur theilweise durch den Druck bekannt gemacht worden. Es ist nämlich der Schwede in das Land gekommen und hat Alles, was er gesehen, mitgenommen. Die Kaiserlichen und die Baiern wollten ihm wehren, denn sie hätten gern Alles für sich behalten. So sind sie auch nach Fulda gekommen und haben geplündert und getödtet, was und wie sie wollten. Da ist auch eine Rotte in die Judengasse gekommen mit Schreien und Larmen, mit Morden und Brennen, und sie verschonten nicht den Greis in seinem Lehnsessel und nicht das Kind im Mutterleibe. R. Meir hatte seine Handschriften in der heiligen Lade verborgen; ^er glaubte nicht, daß die Räuber es wagen würden, das Hekligthum zu verunreinigen. Jetzt aber war er in großer Angst, und ich sah sein Herzensleid, denn er jammerte und sprach: „mein Sohn ist nunmehr todt, und so soll auch das Kind meines Geistes untergehen, daß mein Name nicht mehr genannt wird unter den Menschen?" Da konnte ich nicht mehr ruhig bleiben und ich sprach: seid ruhig, Rabbenu, ich will versuchen zu retten, was noch zu retten ist." „Und ich stürzte hinab auf die Gasse wie ein Wilder, warf den Kriegsmann, der auf der Schwelle der eingebrochenen Synagogenthüre stand und auf seine Trommel schlug, daß die anderen Soldaten auch in die Schule kommen sollten, um an dem Mordbrennen Theil zu nehmen, die Treppe hinab, stürmte in die Schale hinein, öffnete die Lade und nahm von den Schriften, soviel ich tragen konnte. Der Trommler hatte sich wieder aufgemacht und sprang mir entgegen mit gezogenem Schwerdte; ich aber warf die zasammengebundenen Papiere meinem Lehrer zu, der aus Sorge um mich mir nachgeeitt war, rief ihm zu, daß er fliehen solle, und sprang dem Trommler unter den Arm und hielt ihn fest und warf ihn zu Boden und schlug ihn, wie man schlägt ein Kind, denn ich bin zweimännig gewesen, und habe mich im Zorn nicht vor drei gefürchtet. Aber es kamen noch mehrere Kriegsleute und sie schrieen: „der Tambur Eisenmenger wird geschlagen von einem Judenburschen!" Da rettete ich mich durch schnelle Flucht, denn ich wollte Gott nicht versuchen. Der Trommler suchte mich überall, aber er fand mich nicht, denn ich bin geflohen aus Stadt und Land, und ging nach Frankfurt am Main, wo ich so lange bleiben wollte, bis die Sache vergessen war." „Dort erhielt ich aber die traurige Nachricht von dem Tode meines Lehrers! Er hatte nicht gewußt, wohin ich gekommen war und geglaubt, daß ich umgekommen sei. So gab er seine Tochter dem Wolf Stern von Frankfurt zur Frau, und übergab ihr vor seinem Tode die von mir geretteten Papiere, damit sie sie aufbewahren und einem Sohne, den sie gebären werbe und zur Gelehrsamkeit aufziehen solle, zustellen möge, daß er sie dem Drucke übergebe. Da konnte ich nicht länger in Frankfurt bleiben, denn ich konnte nicht ruhig ansehen das Glück des Wolf Stern, und ich konnte es nicht verschmerzen, daß ihm und nicht mir die Tochter meines Lehrers und seine Schriften angehörten. Darum zog ich hierher nach Prag, wo Mabbi Abraham Brody, euer Großvater Naphthati und ich den Talmud gemeinschaftlich erforschten. Aber unsre Ruhe wurde auch hier gestört, denn die Schweden eroberten die Kteinseite und belagerten drei Monate lang die drei anderen Städte. Niemand konnte hinaus, Niemand herein, bis zum Glücke der Friede mit ihnen abgeschlossen wurde." „Um jene Zeit kam die Nachricht von der Ankunft des Messias auch nach Prag, und man erzählte Wunder