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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-11-05 · Heft 45 (5.11.1849) · p. Seite 640

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 45 (5.11.1849)
Date
1849-11-05
Page
Seite 640 (sequence 8)
Language
German
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640 Deputation an den Papst schicken, um eine Revision der sie betreffenden Verordnungen Eugen IV. und Benedikt XIII. zu erbitten. Was sie verlangen, ist unter Anderm die Erlaubniß, ohne vorherige Genehmigung der geistlichen Behörde Rom verlassen und überhaupt Reisen machen zu dürfen, so wie das Recht, in allen Quartieren der Stadt zu wohnen. Frankreich. Paris» 10. Kktober. Der National klagt in .einem Artikel dieser Tage, daß Frankreich dem Ultramontanismus in die Hände gefallen, und die Priesterpartei jetzt die alleinherrschende sei. Es ist dies wahr, so wunderbar dies auch ist. Die Ordnungspartei hat sich jenem, da sie keinen Monarchismus hat, untergeordnet. Auch hier werden die Folgen dessen die Juden empfinden, nach und nach immer schwerer. Einen Beweis gab schon der Entwurf zum Organisationsgesetz des Schulwesens. Einen anderweitigen Belang bietet folgender Vorgang. Der Bischof von Luyon hat wegen der trotz seines Widerspruches geschehenen Anstellung eines Israeliten als Professor am Lyceum zu Bourbon-Vendee die Kapelle dieser Lehranstalt ohne Weiteres mit dem Interdikt belegt. Rußland. Petersburg, 19. Oktober. Der Kaiser hat verordnet, daß solchen jüdischen Bürgern und Ackerbauern, die zum Christenthum übergegangen und auf herrschaftlichem Grund und Boden ansässig sind, die aus ihrer Niederlassung herrührenden Zahlungsreste und Schulden in derselben Art erlassen werden sollen, wie solcher Erlaß den zum Christcnthum übergegangenen Juden, die sich auf den der Krone zugehörigen Ländereien niedergelassen haben, gewährt worden ist. Also wieder eine Geldprämie auf den Uebertritt von einer Religion zur andern. Jndeß war es die Abschüttelung von Lasten in den wenigsten Fällen, welche einen Bekenner des einigen Gottes zum Verlassen dieses Bekenntnisses bewog. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Rabbinische Sprüchwörter. (Fortsetzung.) 3. Die Handelsschaft. Der beste Beweis, daß die Jahrhunderte, in welcher die Talmudisten lebten, die Juden noch nicht so sehr zum Handel hingetrieben hatten, wird dadurch geführt, daß der Talmud im Ganzen wenige Aussprüche hat, die sich auf den Handel beziehen, wie sie nothwendig das Produkt eines handeltreibenden Volkes sein mußten. Jndeß finden wir doch Blicke in die Natur des Handels, die nicht ohne Werth sind. Die Einträglichkeit des Handels, und daß dieser, wenn er recht und glücklich geführt wird, schneller zu Besitz führt, kennt der Talmud schon. Jebam. 63, 1. heißt es: •'TD iiaa »iam Nim Nar> ba äpom iir sinb niivni tmb'a nj>in2 „hundert Gulden auf Geschaf verwendet, erlauben täglich Fleisch und Wein; hundert Gulden auf Ackerbau, Salz und Kraut zu genießen." Wer sieht nicht, daß das gewerbliche Leben der Juden für viele Zeit mit diesem einzigen Spruche charakterisirt war? Das Eine nur bemerkt der Talmud hierbei nicht: daß die hundert Gulden auf Ackerbau sicher Jahr aus, Jahr ein Salz und Kraul verschaffen, die hundert Gulden Handel aber leicht eine Zeit lang Fleisch und Wein reichen, dann aber auch das Salz und Kraut verlieren lassen! Jndeß sind die Talmudisten keine Freunde der Spekulation im Handel; sie nennen diese: vrn3>a traft UKft ilp bs> (Chethub. 77.) „sein Gut auf das Horn eines Hirsches legen", schnell wie der Hirsch ist es verschwunden; stegeben den Spruch: ftnbSN Nnitiö NB'lp ftiab Nba« Np^nil ftiab „Waare in der Nähe verzehrt der Herr, Waare in der Ferne verzehrt den Herrn", also Handel in der Heimath bringt Gewinn, Handel in die Ferne hin geht verloren. Jndeß fehlten damals noch viele Hilfsmittel der Kommunikation; falsch ist der Ausspruch aber heute auch noch nicht. Sie geben dem Kapitalisten überhaupt folgende goldene Regel: d»pipp lB'bil) iwa bin uftb»' öbwb 11' nnr, «'bw traapiEö (Baba Mez. 42.) „zu aller Zeit theile der Mensch sein Kapital in drei Theile; das eine Drittel lege er auf Grundstücke, das andere im Handel an, das dritte behalte er baar." Hingegen sind sie geschworen« Feinde des Wuchers.

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