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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-11-05 · Heft 45 (5.11.1849) · p. Seite 637

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 45 (5.11.1849)
Date
1849-11-05
Page
Seite 637 (sequence 5)
Language
German
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637 In dem s. g. Arbeits- oder allgemeinen Zucht- 1 Hause befinden sich die Sträflinge, welche wegen geringerer Vergehen eingeliefert werden. Dieselben werden durch die verschiedensten Arbeiten und Handwerke in gemeinschaftlichen Arbeitssälen beschäftigt, erhalten von einem besonders angestellten Lehrer Elementarunterricht und durch die Geistlichen sowol Religionsunterricht als Gottesdienst. Zu diesem Zwecke werden ihnen verschiedene Erbauungs- und Belehrungsschriften mitgetheilt. — Zeder Arbeits- und Schlafsaal ist zwar von einem Aufseher überwacht, nichtsdestoweniger werden die Besseren, weniger Entsittlichten entweder verhöhnt oder zu gleichen Schlechtigkeiten mit fortgeriffen, so daß hier zuweilen bei aller Aussicht und Anstrengung der Beamten und Lehrer die Anstalt eher schlimmer als besser macht. Etwas besser und zweckmäßiger ist schon das Aubernische System, indem der Einzelnen, wenn sie ein besseres Gefühl hat, freisteht, sich in ihre Zelle zurückzuziehen; außerdem können durch das s. g. Schweigsystem, wenn es strenge eingehalten wird, Versuche zur Verführung weniger Vorkommen. Am Zweckmäßigsten und Interessantesten ist jedoch das neue Männerzuchthaus. Dieses bildet gleichsam eine Festung von einer hohen Mauer mit acht Thürmen rings umgeben. In der Mitte des Ganzen ist ein Thurm, von dem nach vier Seiten hin die Flügel mit den Zellen der Gefangenen sich ausdehnen. Sie sind der Art gebaut, daß man zugleich alle drei Stockwerke übersieht, indem ringsherum frei hängende eiserne Gänge führen. Im Mittelbau befinden sich im Mittlern Stockwerke die Arbeitszimmer der Beamten, im dritten Stockwerke die Schulzimmer und Geschäftszimmer der Geistlichen und im vierten Stocke die Kirche und die Synagoge. Die Zellm sind sehr freundlich, werden durch Luftheizung erwärmt, enthalten außer einer eisernen Bettstätte, die bei Tage aufgeheftet werden, noch einen Tisch und einen Stuhl, Beide an der Wand befestigt, und ein Etage, worauf die Gefangenen die gewöhnlichen Bedürfnisse ablegen können. Dieselben erhalten Kalender, Bibel, Gebetbuch und andere Erbauungsschriften und sind in den verschiedensten Handwerken beschäftigt. Täglich werden sie zweimal in die frische Lust geführt, jedoch so, daß sie auch dann isolirt bleiben, indem in jedem der vier Höfe, die je zwischen zwe Flügeln liegen, eine Ronde sich befindet, von dem, wie die Radien eines Kreises, einzelne Mauerarme auslaufen, die von außen durch eine eiserne Stange, und von innen durch eine Thüre geschloffen sind. Sobald die Sträflinge ihre Zelle verlassen, müssen sie sich mit einer Mütze bedecken, deren Schild das ganze Gesicht bedeckt und für die zwei Augen Ausschnitte hat. Jede Zelle hat ihre Nummer, die auch der Sträfling, sobald er seine Zelle verläßt, anhängt. Sämmtliche Beamte der Anstalt haben täglich einen Theil der Gefangenen zu besuchen, so zwar, daß jeder Einzelne sechs Besuche im Tage erhält, um ihn gegen Irr- und Tiefsinn zu schützen. Es ist indeß im Laufe dieses Jahres, seitdem die Anstalt eröffnet ist, kein Fall der Art vorgekommen. Die Kirche und die Synagoge sind so eingerichtet, daß alle Sträflinge den Geistlichen und dieser jene sieht, ohne daß sie selbst sich gegenseitig sehen können, indem jeder einzelne Sträfling in einem eignen Kasten in der Form eines Beichtstuhles sitzt, und diese alle gegen den Altar sich richten. Wenn auch für den äußern Anblick die Strafe eine sehr harte, und wie sich Manche ausdrücken, unbarmherzige scheint, so wird doch gewiß Jeder, der Gelegenheit hat das Gefängnißwesen im Allgemeinen und das pensylvanische ins Besondere zu beobachten, dem Letztem den Vorzug geben, indem dieses offenbar den Zweck der Strafe, die Besserung, wenn je, am Sichersten erreicht. Während in den alten Anstalten die Rückfälligen sich immer mehrten, werden sie hier zu den größten Seltenheiten gehören; während dort der günstige Einfluß, den die Predigt und der Religionsunterricht oder die religiöse Besprechung des Geistlichen hervorgerufen, durch die Einflüsterungen und Neckereien und Verhöhnungen der übrigen Sträflinge paralysirt wurde, so wirkt das Alleinsein wohlthätig und unterstützend auf die religiöse Belehrung. Die Synagoge enthält die Sitzplätze für die Gefangenen, eine Kanzel und Betpult für den Geistlichen und einen Tabernakel mit einem Vorhänge. Es wurden auf Kosten der Anstalt, auf Antrag großherzvglichen Oberrathes, ein Dienstornat für den Rabbinen, hebräische und deutsche Bibeln, Religionsbücher, Erbauungs-

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