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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-29 · Heft 44 (29.10.1849) · p. Seite 626

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 44 (29.10.1849)
Date
1849-10-29
Page
Seite 626 (sequence 10)
Language
German
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«26 nielt hatte, einen Gesetzentwurf vor zu Gunsten der israelitischen Unterthanen des Kirchenstaates. Erwürbe fast mit Einstimmigkeit angenommen und mehrere Kammermitglieder drückten ihre Sympathie in energischen Worten aus. Der Gesetzentwurf kam darauf an den höhern Rath oder die Pärskammer und die Israeliten standen am Vorabende eines vollständigen Triumphes, als die Vertagung des Parlaments eintrat. Indessen ernannte die hohe Kammer vor ihrer Trennung eine Kommission und beauftragte sie, sich mit der Sache der Israeliten gründlich zu beschäftigen und ihren Bericht bei der nächsten Sitzung der Nationalversammlung vorzulegen. In der Zwischenzeit wurden die Israeliten von einer andern Verfolgung betroffen, deren Einzelnheiten nicht genau bekannt sind. Mehrere bedeutende Ereignisse folgten sich damals: die Revolution des November, die Ermordung des Grafen Rosst, die Flucht des Papstes, die Verkündigung der Republik und die Wahl einer konstituirenden Versammlung. Man begreift leicht, daß während dieser unruhigen Periode die Römer keine Muße hatten, sich mit der Frage der Israeliten zu beschäftigen; der Gesetzesentwurf, von dem wir oben gesprochen haben, wurde gänzlich vernachlässigt, denn es gab damals kein Parlament, um ihn zu berathen. Unter der Regierung, die aus der Revolution hervorgegangen war und unter der kurzen Herrschaft des Mazzini'schen Triumvirats wurde die Stellung der Israeliten in jeder Beziehung der ihrer Mitbürger gleich, aber diese neue und anscheinend so günstige Lage bereitete ihnen wenig Freude, denn es fehlte ihr die erste, wesentliche Eigenschaft: die Dauer. Man kennt Alles, was die ewige Stadt in dieser Zeit der Prüfung erduldet hat; die Israeliten wurden nicht geschont; aber es wäre ungerecht, nicht hinzuzufügen, daß sie nur das gemeinsame Schicksal theilten und daß durchaus keine Ausnahmszustand sie betraf, wie in den früheren Unruhen. Die Belagerung Roms war ein schrecklicher Moment für die Israeliten; ihr Viertel war der französischen Artillerie am Meisten ausgesetzt; seine Zerstörung schien unvermeidlich; aber, ebenso wie in Egypten ging der Todesengel an ihren Thüren vorüber. Während dieser langen Zeit der Noth lag jede Art der Industrie danieder, jeder Handel war vernichtet. Das Elend und die Armuth griffen in schrecklichem Grade um sich und es war die ganze Umsicht und edle Thätigkeit der Synagogenvorsteher nöthig, um die Wirkungen dieser traurigen Lage zu mildern. Dennoch trat nie Verzweiflung ein. Das Benehmen der israelitischen Gemeinde, schreibt uns ein glaubwürdiger Korrespondent, war ein Solches, wie man es von Leuten erwarten konnte, welche das richtige Urtheil über ihre Stellung und die Augen auf die Zukunft gerichtet haben. Seit der Wiederherstellung des päpstlichen Ansehns wünschen wir, daß ein Lichtstrahl den Horizont der Israeliten erleuchte, aber bis heute (10. August) verdunkelt ihn ein dichter Nebel. Da das alte Regierungssystem bereit ist, sich wiederherzustellen, scheint es wenig wahrscheinlich, daß unsere Hoffnungen auf bürgerliche Gleichstellung, erwacht in den Jahren 1847 und 1848, sich leicht verwirklichen werden. Unser letztes Vertrauen beruht in Gott, dem Beschützer der Unschuld, in der Gerechtigkeit unserer Sache, in ihrer Verbindung mit dem Fortschritt der Zivilisation und in der Rechtlichkeit und Mäßigung, mit welcher wir uns vertheidigen. Jndeß mögen unsere Glaubensgenossen in Europa uns nicht vergessen. Wenn das Gouvernement der Kardinäle, mit Lambruschini an der Spitze, das seit dem letzten Monat wieder eingesetzt ist, Bestand erhält, so hoffen wir nichts Gutes für das Schicksal der römischen Israeliten. Aber die Stellung der französischen Regierung flößt uns die Hoffnung ein, daß Frankreich die dauernde Rückkehr des alten Systems nicht sanktioniren werde. Wir entsagen daher noch nicht dem Glücke, in einem nicht zu weit entfernten Zeitpunkte, wenn nicht die volle Gleichstellung der Israeliten Roms, doch wenigstens einen annähernden Zustand der Ruhe und Unabhängigkeit zu sehen. Wir hoffen zugleich, daß bis zur gänzlichen Herstellung der Ordnung, und daß die politischen Angelegenheiten einen bessern Verlauf genommen, sie die Klugheit haben werden, die Regierung nicht mit ihren Reklamationen zu ermüden, und einen günstigern Augenblick abzuwarten. Ihre Stellung ist ohne Zweifel schmerzlich. Nach so vielen Leiden, endlich an's Ziel zu gelangen, und als man die Befreiung begrüßen zu können glaubte, zu bemerken, daß man ein Gespenst für eine Wirklichkeit genommen, und daß man nur den Tag gesehen, um in eine neue Nacht zurückzufallen, solche Prüfung mit Würde zu ertragen, dazu gehört mehr als gewöhnlicher Muth. Haben wir Vertrauen zu dem guten Takt und der Verständigkeit, welche in allen Lagen die israelitische Bevölkerung Roms ausgezeichnet haben.

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