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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-22 · Heft 43 (22.10.1849) · p. Seite 615

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 43 (22.10.1849)
Date
1849-10-22
Page
Seite 615 (sequence 11)
Language
German
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615 durch die Bestimmung des tz. 67 in keinerlei Weise geschmälert werden. (Schluß folgt.) Rabbinische Spriichwörter. (Fortsetzung.) Wenn wir so in den weiten Räumen des Talmuds einem Worte begegneten, das eine tiefe Einsicht in die Verhältnisse der Besitzlosen bezeugt, und eine dauernde Geltung hat, so reihen sich noch andere daran, die jenes vervollständigen. Es heißt Baba batra 5, 1.: ki22l8 «bb£b W218 «bttb „Vier Theile sind des Arbeitenden, vier des im Schatten Sitzenden." Hierzu gehört auch Berachot 53, 2.: ^1221 N2Nb722 *pl227a ‘pT'Vft ^N2L12 „Die Knappen fechten im Kriege, und die Helden siegen." Beide Sprüche deuten darauf hin, daß die materiellen Verhältnisse in den menschlichen Verhältnissen so verworren geworden, daß nicht die der Arbeit Lohn davon tragen, der Mühen Frucht genießen, welche jene vollführen, sondern die, deren Stellung und Besitzstand für sie arbeiten. Ein tiefes Mitgefühl, eine wahre Würdigung der Entbehrenden geht daher durch den ganzen Talmud, und macht sich in Schlagworten Luft. «•»bin *p*ü 80*^12 „der Bauch trägt die Füße", sagt der Talmudist (Jalkut 8^r i 123.), von der Kraft der Ernährung, von der Befriedigung der unentbehrlichen Bedürfnisse hängt auch die Kraft des Körpers, ja des Geistes ab; fortgesetzte Entbehrungen drücken nieder, verfinstern auch das Gemüth, lähmen den Schwung, machen ängstlich, zaghaft. rri2-n bpi 822b ^bsn *pni25 >28 «bl „sechzigfachen Schmerz empfindet der Zahn, der seinen Nachbar essen hört, und selbst Nichts zu essen hat (Baba kama 92, 2.); entbehren müssen und auf die Fülle des Andern sehen, mit dem Bewußtsein, gleichen Anspruch zu haben, schärft noch die Empfindung des Mangels. Zm Gegentheil hat auch der Wohlhabende, der genügend Beschliche einen ganz andern Muth, eine Zuversicht, die dem Darbenden abgehen. So heißt es Jebam. 37., 2.: '12b ibön ns ib iZ5*»i25 '12 stovi 1^8 lbD2 nd ib ^812 „nicht gleich der, welcher Brod im Korbe hat, demjenigen, der Keines im Korbe hat!" Aber nicht allein in ihrem Innern, im Selbstgefühl steht es anders mit dem Besitzlosen — auch auf die anderen Menschen influirt eS, auf ihr Benehmen gegen ihn. 8b 82112 228 *pN« WM 8N81N 228 “}"»?jnhn?2 «bi *pfi« „an der Thüre des Ueberflusses giebt es Viele der Freunde und Helfenden; aber an der Thüre des Elends giebt es weder Freunde, noch Helfer" (Jalkut '1258*12 31.) Welch' ein Wechsel in dem Benehmen der Menschen beim Glückeswechsel! Wie wenige harren aus bei dem Tugendhaften und Gerechten, wenn er verarmt; wie noch Wenigere suchen ihn heraus im Gewände der Acmuth; wie gescheidt, wie human ist der Reiche; wie Nichts der Arme! Ja, selbst auf die, welche unabhängig sind, welche Nichts zu erwarten haben von einem Reichen und Mächtigen: wie anders stehen sie diesem gegenüber, oder dem Dürftigen, selbst wenn dieser Nichts verlangt! Es ist ein Zauber, der auf dem Reichthum liegt. Jndeß, wenn die Talmudisten die Verhältnisse des Lebens kennen und sie besprechen: so sind sie doch fern davon, sie zu billigen. Ja, sie legen der Armuth nach der Art der Stoiker jenen Werth bei, daß sie den Menschen theils bedürfnißloser, selbstständiger, männlicher, freier mache, theils ihn vor Verweichlichung und vielen Lastern wahre, theils zu geistigem Streben befähigter mache. Wiederholt sprechen sie aus: 2p:m «ni2b 8m222 82Yrn «-»didi 812''12 «pnid 8pl22 „es paßt die Armuth für die Tochter Jakobs (für Israel), wie ein rothes Band am Kopf eines weißen Rosses." (Vajikra rabba 136.) Die Armuth wäre also eine Zierde für dm Israeliten, Etwas, was ihn schmückt, was ihm angemessen ist. Warum dem Israeliten? Weil allerdings die Bestimmung dieses Volkes weit ab liegt von dem Erwerbe äußerer Glücksgüter, weil sein innerstes Lebensprinzip, das innigste Verhalten zu Gott dem widerspricht, daran behindert wird. In diesem Sinne sprechen auch spätere Lehrer Israels, z. B. 'öi>BJi IDiTa: IDiiaii b22 8im 227272 181^125 1722 1251 81N 281 122> 281 2b22 «IN 281 bp"» N2172N 12N1 ^211 '1181L hl 2N7 1">21 2D1" „der sittliche Mensch werde geehrt, und wenn er arm ist, wie der Löwe, vor dem man sich auch fürchtet, wenn er auch ruht; und der Unsittliche werde verachtet, auch wenn er reich ist, wie ein Hund, auch wenn er eine goldene Kette an seinem Halse trägt." 2. Die Frauen. Es ist hier nicht darum zu chun, die Rechtsstellung der Frauen nach talmudischen Vorschriften zu erörtern, wol aber die Anschauung kennen zu Lernen, welche die

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