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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-22 · Heft 43 (22.10.1849) · p. Seite 611

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 43 (22.10.1849)
Date
1849-10-22
Page
Seite 611 (sequence 7)
Language
German
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611 Einige der hervorragendsten Männer der Stadt; zwei jüdische Kaufleute wurden in denselben ausgenommen; das Handclskassino öffnete fast zu gleicher Zeit seine Thüren einem oder zwei anderen Israeliten. Dies war eine Neuerung von der größten Bedeutung, das gewisse Unterpfand für weitere Veränderungen. Diese Klubs begründeten eine brüderliche Freundschaft zwischen Leuten, die sich bis dahin ganz fremd gewesen waren; in dem Maaße, als sie sich besser kennen lernten und sich öfter sahen, schritten die Israeliten und Katholiken von der Gleichgiltigkeit zur Ächtung und von der Freundschaft zum Wohlwollen. Am 1. Januar 1848 präsentirte sich eine Deputation der israelitischen Gemeinde im Quirinal; Pius IX. empfing sie mit Wohlwollen, hörte sie mit ermuthigender Aufmerksamkeit an und versprach, die Lage seiner treuen israelitischen Unterthancn zu verbessern, indem er mit der Vorsicht, die ihn charakterisirt, hinzufügte: „aber langsam, langsam muß man vorschreiten." Das römische Volk begrüßte mit trunkenem Enthusiasmus die neue Institution des „Staatsrathes", indem es dieselbe als Vorläufer einer freien Konstitution und einer Volksvertretung ansah. Die Israeliten überreichten dem Staatsrath ein Memoire mit einer Liste ihrer Klagen; dann brach in Frankreich die Februarrevolution aus und die Revolutionen waren überall an der Tagesordnung. Die Konstitutionen folgten aufeinander mit der Schnelligkeit der Eisenbahn in Neapel, in Sardinien, in Toskana und in Venedig; die Römer waren ungeduldig, dasselbe Glück zu genießen, und nach einem kurzen Verzüge, den die Schwierigkeit bedingte, eine Konstitution zu verfassen, die dem Kirchenstaate und der besondern Stellung des kirchlichen Oberhauptes angemessen war, erhielten sie endlich die lang ersehnte Konstitution. Nie werden wir das imposante Schauspiel vor dem Quirinal, am Nachmittage des 15. Marz 1848, vergessen. Vierzig- bis funfzigtausend Menschen drängten sich um 5000 Mann Nationalgarde, die auf dem Monte Cavallo in Schlachtordnung mit fliegenden Fahnen und Musik an der Spitze aufgestellt waren, um den apostolischen Segen zu empfangen und mit tausendfachen Zurufen den großmüthigen Fürsten zu begrüßen, welcher endlich ihre Wünsche erfüllt und das Recht eines freien Volkes auf eine freie Verfassung anerkannt hatte. Die Verfassungen von Toskana und Sardinien hatten den Israeliten die Rechte und bürgerlichen Privilcgien der anderen Religionsgemeinden bewilligt; sie waren wählbar für die Nationalgarde und für daS Parlament. Groß war daher die Spannung der Israeliten in Rom, die Erklärung ihrer bürgerlichen Unabhängigkeit in dem römischen „Statut für die weltliche Regierung des Kirchenstaates", das damals publiznt wurde, zu entdecken. Man fand in dieser Akte keine besvndre Erwähnung der Israeliten, aber es wurde stillschweigend anerkannt, daß sie wie alle Anderen unter dem allgemeinen Worte „Bürger" einbegriffen seien. Wenn diese Vermuthung übrigens zu voreilig und nicht gänzlich begründet war, so hofft« man doch, daß das neugeschaffene römische Parlament ihren Rechten endlich die nöthige gesetzliche Sanktion geben würde. Der Papst, der öffentlichen Meinung nachgebend, unterstützte sein weltliches Ministerium; die israelitischen Mitglieder der Klubs verbanden sich mit den Häuptern der Regierung und den Redakteuren der Journale, die damals eine vollständige Preßfreiheit genossen. Die Sache der Israeliten nahm eine große Stelle in dem liberalen und aufgeklärten System ein, welches diese Männer zu verwirklichen strebten. Die Tagesblätter von Turin, Florenz, Pisa, Livorno und Rom enthielten Artikel, die den Israeliten in Italien überhaupt, und im Kirchenstaate i«sbesondere das Wort redeten. Die glänzende Rede von Robert Peel bei Gelegenheit der berühmten Bill zu Gunsten der Zulassung der englischen Israeliten in das Parlament wurde in dem Contemporaneo, einem der besseren Journale in Rom, übersetzt und mitzetheilt. Der Marquis d'Azeglio, jetzt Minister des Acußern in Turin, vertheidigte in einer vorzüglichen Broschüre mit großer Beredlsamkeit die gerechten Ansprüche der Israeliten auf eine Verbesserung ihrer Lage; unter den zahlreichen Journalen, die diese Zeit der Reform aufblühen sah, verdient der „Padre Crepino" eine besondere Bedeutung; jede Nummer bracht« eine Moralpredigt. „Liebe deinen Nächsten" war der Text einer geschickten Abhandlung über die veralteten Vvrurtheile der niedrigen Klassen des Volkes gegen die Israeliten. Diese Predigten waren in einem Stil« geschrieben, der sie dem beschränktesten Verstände zugänglich machte; ein hervorragender und populärer Prediger, der Abbü Ambrosoli von Mailand, wazte es sogar, in einer der großen Kirchen, St. Maria di Trastevere, nahe bei dem alten Ghetto, eine Predigt

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