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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-22 · Heft 43 (22.10.1849) · p. Seite 610

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 43 (22.10.1849)
Date
1849-10-22
Page
Seite 610 (sequence 6)
Language
German
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610 dekret verlesen, wonach in Folge des §. 1 der Grundrechte der politische Ehekonsens für die Juden ankeine anderen als an die hierüber für alle österreichischen Staatsbürger bestehenden Vorschriften gebunden ist. —. Wie schon bekannt, ist Dr. Fischhof vom hiesigen Kriminalgerichtc ab instantia losgesprochen und der Untersuchungsakt im Revisionszuge dem Appellationsgerichte vorgelegt worden. Bon Letzterem soll nun die Reassumirung der Untersuchung gegen Fischhof angeordnet worden sein. Italien. Rom, im September. Das levisli Chronicle enthält folgende interessante Darstellung der Verhältnisse der Israeliten in Rom während der letzten beiden Jahre, die zwar viele Details, welche wir in diesen Blättern gebracht, übergeht, aber doch einen guten Ueberblick gewährt. Während des kurzen Zeitraums vom Tode Gregors XVI. und der Wahl seines Nachfolgers im Juli 1846 hat die Lage der römischen Israeliten mannigfachen Wechsel bestanden. Aber im Unglück wie in der Freude über ihren vorübergehenden Sieg; unter dem Drucke des Neides und der Borurtheile einer unwissenden und fanatischen Minorität, wie in dem Augenblicke, wo ihr glühendster Wunsch in Erfüllung gehen, ihr Bürgerrecht anerkannt werden und sie das erste und vielleicht auch das letzte römische Parlament erhallen sollten; in der Zeit, wo sie vorübergehend alle bürgerlichen Rechte mit ihren katholischen Mitbürgern theilten, wie an dem Tage, der sie in ihre frühere Ausnahmsstellung zurückwars; in allen diesen Tagen bewahrten die römischen Israeliten stets eine würdige und ruhige Haltung. Zu keiner Zeit verleugneten sie die Zurückhaltung und Vorsicht, die man einer in der Schule des Hasses ausgewachsenen Menge gegenüber zu bewahren berechtigt ist. Seit Jahrhunderten in ein ungesundes Viertel der Stadt eingeschloffcn, betrachtet als der Auswurf der Gesellschaft, täglich allen möglichen Demüthigungen und herabwürdigenden Beschränkungen ausgesetzt; der Freiheit beraubt, gewisse Straßen ohne desondern Passirschein zu betreten, von den übrigen bei schwerer Strafe gänzlich ausgeschlossen; in allen Versammlungen zurückgcwiesen, von allen öffentlichen Geschäften und edleren Beschäftigungen ausgeschlossen, und dadurch gezwungen, jedes höhere Streben des Geistes und des Talentes, jede edlere Regung zu ersticken; endlich belastet mit drückenden Steuern, die der katholischen Bevölkerung unbekannt waren; das war die Lage der Israeliten in Rom während einer langen Reihe von Jahrhunderten. Die Erwählung eines neuen Papstes erweckte in ihnen Hoffnungen, die sie lange unterdrückt hatten. Der erste öffentliche Akt Pius IX. zeugte von dem Edelmuthe und dem Wohlwollen seines Charakters, von seinem aufgeklärten Geiste und von seinem festen Willen, den veralteten Spuren seiner Vorfahren nicht zu folgen und bewies seine Absicht, vor Allen der Erste auf der Bahn der Reform vorzugehen. Am Tage seiner Einweihung, den 8. November 1846, entband er die Israeliten von der entwürdigenden Zeremonie, die ihnen ein barbarisches Gesetz bei der Einsetzung eines neuen Papstes auferlegt hatte. Unsere Leser wissen vielleicht nicht, worin diese Zeremonie bestand; wir geben daher ein kurzes Programm derselben; der heilige Vater begicbt sich an diesem Tage in den Lateran; die Repräsentanten der israelitischen Gemeinde müssen ihn auf den Knieen unter dem Triumphbogen des Titus erwarten, und die Gnade Seiner Heiligkeit anflehen. Zugleich erleichterte man verschiedene strenge Verordnungen Betreff des Ein- und Austritts aus dem israelitischen Stadtviertel; die Thvre desselben waren des Nachts selten geschlossen, eine bis dahin unerhörte Sache; die Wachen übten eine weniger strenge und anhaltende Aufsicht. Obwol man sich noch nicht des Abends allein aus dem Viertel wagte, so ließ doch Alles eine baldige Befreiung von dieser schmählichen Beschränkung hoffen; die Israeliten stiegen in der öffentlichen Meinung. Hochstehende Männer gaben zu, daß man sie zu hart behandle; freilich immer noch ein schwaches Zugeständniß, aber dennoch ein bemerkenswerther Gewinn. Die schreckliche Ueberschwemmung der Tiber in der Mitte des Dezember 1846, wovon die Israeliten schrecklich zu leiden hatten, lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit auf das verlassene Viertel, wo sie so lange geschmachtet hatten, ihrem traurigen Schicksale überlassen. Fürsten und Männer aus allen Klassen eilten ihnen zu Hilfe, retteten, was zu retten war und ersetzten durch bedeutende Spenden, was der Strom verwüstet hatte. Seit der Regierung Pius IX. hatten sich Klubs gebildet; der „Römische Zirkel" war einer der bedeutendsten; er zählte zu seinen Mitgliedern

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