Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1849)
- Date
- 1849-10-22
- Page
- Seite 607 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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607 gestattet sein, die Geschichte dieser Veränderung so kurz als möglich hier anzudeutcn. In der konstituirenden Versammlung ging der Antrag des Abg. Patzig durch: den in ihren Gehalten schlecht gestellten Volksschullehrern eine Unterstützung zukommen zu lassen. Die Lehrer der Franzschule, deren Stellung bis jetzt noch zweifelhaft war, meldeten sich nun aus dem Grunde zu dieser Unterstützung, um dadurch zu erfahren, ob auch sie als Staatsdiener anerkannt werden, und als der Landtag einstimmig das Prinzip der Emanzipation festhielt, erhielten auch die Lehrer der Franzschule eine Zulage, so daß ein jeder 200 Thlr. jährlichen Gehalt hatte; damit war allerdings die Zukunft derselben ziemlich gesichert. Nun trat aber ein anderer Fall ein, der sowol die Schule, als auch die Lehrer in eine andere Stellung brachte. Nach unserer Verfassung hatte hier der Schulzwang ausgehört, dadurch nahmen plötzlich die meisten israelitischen Eltern allhier ihre Kinder aus der Anstalt und dann wurde dieselbe auch in letzter Zeit nur sehr spärlich von fremden Zöglingen besucht. Die Schulkasse war erschöpft und es entstand die Frage, ob der Staat den ganzen Schuletat übernehmen, ob er überhaupt diese Anstalt als Staatsanstalt zu erhalten gesonnen war. In dieser schrecklichen Ungewißheit unterrichteten die Lehrer wol an 3/t Jahre, ohne nur die geringste Sicherheit für die Zukunft zu haben. Der jetzige gesetzgebende Landtag brachte erst die Frage zur Lösung, indem er die Schule als Staatsanstalt anerkannte. Der Schulrath Ritter, dem die Organisation des anhaltischen Schulwesens anvertraut wurde, erkannte bald, daß die Franzschule immer die Tendenz einer Handelsschule hatte und als Solche sollte sie nun fortbestehen. Der Herzog sanktionirte diesen Plan und so wird die neue Handelsschule am 5. November in's Leben treten. Es haben sich bereits sehr viele christliche Knaben gemeldet, ebenso stellen sich auch die fremden Zöglinge wieder ein. Der Staat wird alle möglichen Opfer bringen, damit die neue Anstalt denselben europäischen Ruf erlange, als die frühere Franzschule. Die Erfahrung wird die bei einem jungen Institute unausbleiblichen Mängel heraussinden und von einem Kursus zum andern zu verbessern suchen. Der 5. November wird gewiß die schönste Jubelfeier sein, die die Franzschule nach ihrem 50jährigen Bestehen feiern konnte. Die nunmehr als allgemeine „Handelsschule" reorganisirte Franzschule steht unter der provisorischen Direktion des Herrn vr. Gustav Rasmus, der bisher Lehrer an derselben war. Jnteressiren wird Biele, die den verdienten Mann kennen, der §. 2 des Gesetzes: „Der Direktor der Franzschule, vr. David Fränkel, ist in gnädigster Anerkennung seiner fast fünfzigjährigen treuen und gewissenhaften Amtsführung von des ältestrcgierenden Herzogs Hoheit der beschwerlichen Direktorialgeschäfte entbunden und mit der Spezialaufsichr über die neue Handelsschule betraut worden." Bei dieser Gelegenheit empfehle ich zugleich meine Pensionsanstalt für Knaben, welche die hiesige Handelsschule oder das Gymnasium besuchen wollen. Für geistige und körperliche Pflege ist bestens gesorgt. vr. Gustav Philippson, Lehrer der Handelsschule. Karlsruhe, 9. Oktober. Heute Abend wurde hier feierlich der Grundstein zu einem Denkmal für die gefallenen Preußen gelegt. Bei der Inauguration war der Rabbiner neben dem katholischen und einem protestantischen Stadtpfarrer zugegen. Berlin, 10. Oktober. (Privatmitth.) Ja, es steht sehr übel mit der hiesigen Gemeinde, und daß die Leute, welche das Ruder der Gemeinde ergriffen haben, die Herren Neuorthodoxen, im Stande seien, die alten Bande wiederherzustellen, ist sehr zweifelhaft. Schon jetzt sind Tausende vom Vermögen der Gemeinde aufgezehrt, statt daß bisher Einnahmen und Ausgaben sich deckten, und oft bedeutende Ueberschüffe blieben. Berlin, 10. Oktober. So ist denn nun auch die Schulfrage durch die erste Kammer gegangen, und wie anders hat sie die Berfassungsparagraphen entlassen, als sie durch die Verfassung vom 5. Dezember ausgestellt waren. Sitzung vom 6. und 8. Oktober. Angenommen werden folgende Paragraphe: §. 17. Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei. Die Bestimmungen über den Mißbrauch dieser Freiheit enthält das Unterrichtsgesetz. §. 18. Für die Bildung der Jugend soll durch öffentliche Schulen überall genügend gesorgt werden. Eltern oder deren Stellvertreter dürfen ihre Kinder