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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-15 · Heft 42 (15.10.1849) · p. Seite 598

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 42 (15.10.1849)
Date
1849-10-15
Page
Seite 598 (sequence 10)
Language
German
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598 Darmfltadt, 21. September. Wie leicht in Gemeinden, die die Chöre nicht bezahlen können, diese wieder in Verfall kommen, davon giebt der folgende Art. in der Did. einen Beweis, der um so mehr daran mahnt, bei Reformen des Gottesdienstes auf Einfachheit zu halten. Er lautet: Es ist bekannt, daß das Institut des öffentlichen Gottesdienstes mit Gebet und Vortrag zuerst bei dem Volke der Offenbarung, bei den Israeliten, entstanden ist. Unter keinem Volke wird auch eine größere Anhänglichkeit an denselben angetroffen. Denn als schon längst verklungen war das Wort begeisterter Propheten und untergegangen war die staatliche Selbstständigkeit der Israeliten, da flüchtete sich ihr religiös-nationales Leben in die Synagoge. Hier versammelten sie sich an Sabbat- und Festtagen, um Trost zu schöpfen für undenkliche Leiden, Hoffnung für die Zukunft, und Kraft zur Ausdauer in ihrer hohen weltgeschichtlichen Mission, lebendige Verkünder des Einig-Einzigen zu sein. Und als im Anfänge dieses Jahrhunderts immermehr die Schranken des Fanatismus und der Intoleranz sanken und die Israeliten Antheil nahmen an Kunst und Wissenschaft, da war es wieder die Synagoge, worauf der erwachte Geist sein Augenmerk richtete. Man fühlte, daß drei Dinge nöthig sind: Abschaffung der eingcrissenen Mißbrauche und des Unbrauchbaren, Verbesserung des Alten, des Brauchbaren, und Einführung manches Neuen. Zu den graffesten Mißbräuchen gehörte das leidige ■ Vorsängerwesen in der Synagoge. Die Vorsänger, großentheils Polen, bedienten sich bei ihren Borträgen profaner Bänkellieder; der Musik unkundig, trugen sie die rituell üblichen Gesänge auf eine drollige, man kann sagen, tölpelhafte Weise vor und verbanden damit Stoßseufzer und Klagetöne einer längst verschwundenen barbarischen Zeit. Ueberdem war die Gemeinde während des ganzen Singsangs unbeschäftigt. Es sollte anders werden; man fühlte hier und da das Bedürfniß, geordnete Choralgesänge einzuführen. Unter Anderen war eS der rühmlichst bekannte Musiker Herr Herz dahier, der, vom Eifer für die gute Sache angetrieben, es zuerst unternahm, das Brauchbare in den jüdischen Gesängen in Musik zu setzen, das Unbrauchbare auszuscheiden, Neues hinzuzufügen, einem Kreise von Männern und Jünglingen es einzuüben und in der Synagoge einzuführen. Oeffentlichen jüdischen Zeitschriften zufolge, zeichnen sich die Kompositionen des Herrn Herz durch Einfachheit, Leichtigkeit und Anschließung an das rituell Uebliche vor anderen Arbeiten der Art aus. Besondere Aufmerksamkeit widmete Hr. Herz den Gesängen am Neujahre und Versöhnungstage wegen deren besondern Heiligkeit. Nicht wenig waren wir daher erstaunt, als wir am verflossenen Neujahre, statt des gewohnten, eingeübten, mehrstimmigen Männerchors, den Vorsänger mit einigen gellenden Knabenstimmen die uns bekannten und liebgewordenen Kompositionen des Herrn Herz auf eine entstellende Weise 'vortragen hörten. Es ist wahrlich ein trauriges Zeichen der Gemeinde, ein zeitgemäßes Institut eingehen zu lassen, welches schon so lange zur Verherrlichung des Gottesdienstes diente und jeden Fremden, der die Synagoge an hohen Festtagen betrat, mit Achtung vor der fortgeschrittenen Bildung der hiesigen Gemeinde erfüllte. Wer ist wol schuld daran? Etwa der Vorstand? oder der Rabbiner? oder das Chorpersonal? Oesterreichischer Kaisersiaat. Wien, 3. Oktober, vo. Fischhof hat gegen das wider ihn gefällte Urtheil, wornach die Untersuchung wegen Abgang von Beweisen aufzuheben wäre, appellirt und will entweder zu einer Strafe verurtheilt oder schuldlos erklärt werden. —. Zn den serbischen Distrikten steht es sehr unruhig aus, und insonders die Juden und Deutschen flüchten sich in die magyarischen. Wien, 6. Oktober. Zu der Zeichnung auf das neue Anleihen haben in der zweiten Hälfte am Meisten die jüdischen Großhändler hier beigetragen. —. In Kuttenberg, der berühmten Bergstadt in Böhmen, wehrte die Gemeinde einem Juden den Ankauf liegender Gründe, der sich aber dennoch in den Besitz derselben setzte. Nun wandte sich die Gemeinde an den Kaiser unter Berufung auf ein Dekret der Kaiserin Maria Theresia. Der Kaiser antwortete jedoch, unsere Zeit sei nicht die der Kaiserin Maria Theresia, seine Unterthanen hätten gleiche Pflichten, mithin auch gleiche Rechte. Amerika. Jamaika. Unter den 47 Mitgliedern des hiesigen Parlaments befinden sich gegenwärtig 8 Juden.

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