Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1849)
- Date
- 1849-10-15
- Page
- Seite 597 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3224737-3225606-3225649--10529-3240586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SS7 traurigen Umstand in seinen leitenden Artikeln gezeichnet, und auch ganz richtig die Ursache dieses Erkaltens gegen die Religion angegeben. — Ja, der U e b ergänz zu einer neuen Periode, in der Entwickelung des Judenthums, wie wir sie gegenwärtig haben, ist leider früher nicht genugsam bedacht und berücksichtigt worden. Man hat sich wenigstens damit begnügt— freilich mit lobenswerthen Ausnahmen — daß die Jugend nur hebräsch lesen lerne, daß sie einigermaßen mit den Formen der Religion bekannt werde, ohne sie mit dem eigentlichen Wesen mit dem Geiste der Religion innig bekannt und vertraut zu machen. — Einen geordneten lebendigen «Religionsunterricht der Jugend zu ertheilen, sie mit der erhabenen Geschichte Israels gehörig vertraut und bekannt zu machen, hielt man für überflüssig, wenigstens nicht wesentlich. Darum nun gegenwärtig der Jndifferentismus gegen die Religion, darum der Irr-, Un- und Aberglaube. — Aber, so traurig auch diese Zustände sind, wir wollen nicht verzagen pVs '2 Wir wollen vielmehr auf Den fest vertrauen, welcher Israel schon so oft aus großer Noth und Gefahr gerettet; Er, der Allmächtige, wird uns auch aus der gegenwärtigen großen Krisis, unbeschadet unseres heiligen Väterglaubens, desto glorreicher hervorgehen lassen. Aber thun wir auch das Unsrige! — Namentlich meinen Amtsbrüdern, den Lehrern Israels, möchte ich es zurufen, in der gegenwärtigen Zeit ihr hohes Amt mit desto mehr Eifer und Gewissenhaftigkeit zu üben. Auf unsere Schuljugend müssen wir in dieser Hinsicht die meiste Hoffnung setzen. Ertheilen wir derselben nur einen lebendigen, zeitgemäßen Religionsunterricht, machen wir sie nur mit unserer herrlichen Geschichte mit Wärme und Begeisterung recht vertraut, — wahrlich! sie lassen dann von der Religion, vom Judenthume nicht, sie werden zeitlebens Liebe und Anhänglichkeit für die Religion unserer Väter bekunden, und für dieselbe stets erwärmt und begeistert sein. „Wohin man den Geist richtet, dahin wandelt er, er läßt nicht ab von seiner Bahn!" Bei dieser Gelegenheit bin ich noch so frei eines Umstandes zu erwähnen, der für viele Gemeinde, namentlich die kleineren, von Interesse sein könnte. In Verbindung mit dem hiesigen Herrn Gemeindevorsteher nämlich, habe ich mir die Erlaubniß von dem Herrn Oberprediger und dem Magistrate ausgewirkt, den jüdischen Kindern den Religionsunterricht im christlichen Schulhause ertheilen zu dürfen. Es ist mir zu diesem Zwecke ein Schulzimmer angewiesen worden. Nach Beendigung der allgemeinen Schulstunden geht mein Unterricht an. 8.r Frankfurt am Main, 25. September. In den jüngsten Tagen machte hier großes Aufsehen, und wurde auch in vielen Zeitungen hervorgehoben, daß unter der Sammlung „für die deutschen Flüchtlinge in der Schweiz" im Fr. I. die Rubrik stand: „von der zweiten Knabenklaffe der israelitischen Bürger- und Realschule mit dem Motto: An uns werdet ihr einst Rächer finden — 6 fl." Hierauf erfolgte in der Beilage zu No. 229 des Fr. I. folgende Erklärung über einen, die israelitische Bürger- und Realschule betreffenden Vorfall. Um allem weitern Mißbrauche zu begegnen, fühl der Unterzeichnete sich gedrungen, über die, im Journal vom 22. unter den Gaben für die deutschen Flüchtlinge aufgeführten fl. 6. mit der Bezeichnung „von der zweiten Klaffe der israelitischen Bürger- und Realschule" und das beigefügte Motto hiermit zu erklären, daß, nach angestellter genauen Untersuchung, die Sammlung von einem Knaben, zum Theil außerhalb der Schule, ohne Wissen irgend eines Lehrers, unternommen wurde. Ein Theil der Schüler der zweiten Klasse gab dazu einen Beitrag; die Meisten der Beitragenden kannten aber das, von jenem Knaben verfaßte Motto nicht, oder sprachen sich dagegen aus; derselbe brachte dessen ungeachtet die Sammlung in die Redaktion des Journals und fügte eigenmächtig sowol die unrichtige Bezeichnung: „von der zweiten Klasse" als das anstößige Motto hinzu. — Es bedarf kaum der Erwähnung, daß dieser unserer Schuldisziplin zuwiderlaufende Vorgang nachdrücklichst gerügt und bestraft worden ist, wobei jedoch nicht übersehen werden darf, daß die größtentheils noch sehr jungen Knaben die Bedeutung der Worte nicht zu ermessen vermochten und wol Nichts weiter bei denselben gedacht haben, als durch einen kräftigen Ausspruch ihre Sympathie für die unglücklichen Verbannten zu erkennen zu geben. Die Redaktionen derjenigen Blätter, welche von dem Vorfälle Notiz genommen haben, werden höflichst ersucht, die gegenwärtige Erklärung ebenfalls aufzunehmen. Frankfurt, 23. Sept. 1849. vr. M. Heß, Oberlehrer der israel. Bürger- und Realschule. 42*