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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-15 · Heft 42 (15.10.1849) · p. Seite 596

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 42 (15.10.1849)
Date
1849-10-15
Page
Seite 596 (sequence 8)
Language
German
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596 kenen Bildung und einer ebenso Sohlen als unsittlichen Richtung in der Zeremonialreligion gehören. Sie wissen, daß die Gemeinde, in Folge der Märzrevolution ihrer Auflösung zueilend, sich seit Anfangs 1849 bestrebte, Grundlagen für einen neuen Verband zu gewinnen. Die Wahl neuer Repräsentanten zeigte, welche Gleichgiltigkeit unter den Mitgliedern herrscht, denn von den 1700 Stimmberechtigten erschienen nur etwa die Hälfte, und die Wahlurnen füllten sich mit Namen aus jener Partei, die öffentlich alle jüdischen Satzungen mit Füßen tritt, und doch jeden für einen Ketzer erklärt, der behauptet, jene Satzungen haben keine Geltung für uns und unsre Zeit mehr. Seit länger als sechs Wochen ist ein neuer Vorstand aus der Mitte dieser Partei gewählt, während der alte Vorstand noch sungirt, beide Vorstände aber sich schon heftig über die Grenzen ihrer Gewalt streiten. Die krankhaften Zustände der Gemeinde haben unter den Händen der beiden Vorsteherschaften das Schicksal eines gefährlich Kranken, der zwei Aerzte an sein Bett ruft, sie verschreiben beiderseitig, kuriren ihn richtig zu Tode und schieben sich dann gegenseitig die Schuld zu! Doch davon wollte ich nicht sprechen, ich wollte Ihnen nur ein Stückchen erzählen, welches beweist, wie der herrschenden Partei kein Mittel zu gemein und zu schimpflich ist, wenn sie glaubt, irgend einen Parteizweck dadurch erreichen zu können. Ein Hauptstreben mehrer der neuen Vorstandsmitglieder war es gleich Anfangs, den feinklugen und thatkrästigen Rechtskonsulenten vr. Rubo aus dem Amte zu treiben. Er ist den Leuten zu klug, zu wachsam und ein starkes Hinderniß auf dem Wege zur Einführung eines heuchlerischen Judenthums, in welchem man eine Aristokratie der Gesetzesübertreter bildet, der Kanaille aber von der alleinseligmachenden Wahrheit des Rabbinismus predigt. Da man auf gradem Wege dem vorsichtigen Juristen nicht beikommen kann, so beschlossen die Herren, Einen der Ihrigen auf einem Wege durch die Hinterthüre mit ihm handgemein werden zu lassen. Der Kaufmann Harry Jakob, Mitglied des neuen Vorstandes führte die Aufgabe, oder den Auftrag nun wirklich am 27. September in der Registratur der Gemeinde so aus, daß die Würde des Amtes und des Ortes auf's Tiefste dadurch beschimpft wurde, und wir sind überzeugt, daß die kleinste und ärmste Gemeinde Polens, sich für entwürdigt halten müßte, wenn in ihrer Amtsstube ein solcher Auftritt stattgefunden hätte. Daß der schmutzige Akt bei dem kaltblütigen Rubo seinen Erfolg nicht fand, läßt sich denken, im Gegentheil, alle rechtlich Gesinnten, die noch im Besitze einigen Gefühles von Anstand sind, trennen ihre Sache von der eines Vorstandes, in dessen Wirkungskreise solche Handlungen Platz greifen können, aber die Folgen für die Zukunft unserer Gemeinde lassen sich von solchen Umtrieben aus schon voraussehen, wir fürchten, die Auflösung ist durch die Neuwahl nicht zum Stillstand, sondern zur Vollendung gebracht. Berlin, 7. Oktober. Einem französischen Freimaurerblatte schreibt man: Die beiden großen Logen zur Freundschaft und zu den drei Weltkugeln hatten entschieden, daß vomZ14. Mai pr. an die Freimaurer israelitischer Religion sich ihren Arbeiten anschließen könnten, und daß jedes von ihnen anerkannte Mitglied sich in jeder europäischen Loge vorstellen und zugelassen werden könnte. Dieses Resultat krönt unsere Anstrengungen, um die Unabhängigkeit und Allgemeinheit des Ordens zu sichern und entspricht den Forderungen der großen Loge in England. Aber nun die Kehrseite. Die Nationalloge, unsre dritte große Loge, hat gedroht jede Verbindung mit ihren Schwestern abzubrechen, wenn sie Juden zuließen. In der gegenwärtigen Lage würde es nicht klug sein, von unserer Seite ein neues Mißverhältniß zu schaffen: so wird Alles in statu guo verbleiben, in Erwartung eines neuen Auflebens des öffentlichen Lebens. (Der Korrespondent mußte statt statu quo lieber sagen: statu ante. Die Schwäche hat hier abermals gesiegt. Sind wir nun noch nicht bei 1847 wieder angelangt?) Aken a. d. Elbe, 3. Oktober. (Privatmitth.) Abermals ist die Reihe der aufeinander fallenden heiligen Feste bald vorüber, und mit tiefem Schmerze sieht der religiöse Mensch, sieht der, welcher für die Religion seiner Väter innige Liebe fühlt und von ihr begeistert ist, wie von Jahr zu Jahr sich immer mehr der Sinn für Religion und das Höhere verliert, wie von Jahr zu Jahr immer mehr die Liebe zu der Religion der Väter aus dem Lager Israels weicht, und der Jndifferentismus, der Irr- und Unglauben sein Panier in demselben aufpflanzt. Es ist dies leider, wie ich aus eigener Anschauung und Erfahrung bezeugen kann, nur zu wahr, und nicht übertrieben hat daher der geschätzte Herr Redakteur d. Atg. diesen

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