Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1849)
- Date
- 1849-10-15
- Page
- Seite 594 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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594 mathematisch verhüllten Zweifeln eines Kant, eines Wolff zu thun haben, nicht mehr mit liebenswürdiger Leichtfertigkeit, sondern mit ernsthaften Thatsachen, mit entschiedenem Gotteshaß. Die Lager haben sich getrennt, hier Christenthum, da der Atheismus; dazwischen liegt keine religiöse Macht, da liegt nur die Ohnmacht, die sich dem Sieger beugt; welchem der beiden Heere wollen Sie beistehn? Man wird mich verweisen auf Belgien und Nordamerika, wo der Staat ebenfalls eine indifferente Stellung behauptet. Freilich könnte man uns dann mit demselben Rechte auch die Einführung der amerikanischen Demokratie zumuthen. Aber in Amerika ist die Trennung der beiden Gewalten nicht so tief gehend, weil dort die Gemeinde und in ihr also die Freiwilligkeit die Grundlage aller Institutionen ist. Außerdem weiht der Kongreß seine Sitzungen mit Gebet ein und im ganzen Lande wird streng der Sonntag gefeiert. In Belgien aber hat eine kirchliche Partei selber diese Trennung herbeigeführt, scheinbar und momentan wol zu ihrem Vortheil, ob aber bleibend, das wird die Zeit lehren; ich wenigstens halte es nicht für gut und freue mich, als Autorität die Meinung der Bischöfe im Konzile zu Würzburg, so wie die eines berühmten katholischen Redners von gestern für mich zu haben. Außerdem ist aber dort die katholische Kirche beinahe der Staat selbst, bei uns sind beide selbstständige Mächte. Man befürchtet ferner, es könne das christliche Bekenntniß des Staates ein Hinderniß sein für freie politische Entwickelung. Aber sehen Sie nach der Staatengeschichte von England, Amerika und andererseits Frankreich. Dort war die politische Entwicklung von jeher vom christlichen Glauben erfüllt, hier wuchs sie zu seiner Feindin heran; dort durchwehte sie der Odem der Puritaner, hier der der Enzyklopädisten und Jakobiner. So lange Sie dies nothwendige Element zur Ausbildung, auch der politischen, des Volks verkennen, mögen Sie Kammern berufen und Nationalversammlungen, auch aus den besten Männern des Volkes, immer wird der Rcfrän wiederkehren: veus afflavit et dissipati sunt. Der Kitt unserer Staaten ist von jeher der Gehorsam gegen die von Gott eingesetzte Obrigkeit gewesen, was soll nun an dessen Stelle treten? Etwa Belehrungen in den Schulen über konstitutionelle Monarchien mit absolutem oder beschränktem Veto, über demokratische mit oder ohne Steuerverweigerung? Die materielle Noth steigt, können Sie sie ohne die christliche Lehre der Entbehrung, der Entsagung bekämpfen? Die Revolution ist besiegt, meine Herren, aber nicht überwunden. Wir leben auf einem Vulkane und ob auch die letzten Ausbrüche überstanden, wissen wir nicht, wie lange uns Frist gegeben. Was soll uns dagegen schützen? Etwa liberale Konzessionen? Pius der IX. und der Fürst von Toskana zeigen uns deren Werth. Oder eine energische Reaktion? Wol Keiner verstand die doch besser zu leiten, als Metternich, und doch bezwang er die Revolution nicht. Oder gar, wie ein edler Redner uns neulich empfohlen, die Befriedigung der Sehnsucht nach deutscher Nationalität? Frankreich ist lange ein einiges, untheilbares, machtvolles Reich und doch gähnt tiefer, als irgend, in ihm der Krater. Nein, nur Eins kann diesen schließen, nur das Christenthum, nur der christliche Staat, nur die christliche Schule! Stellen Sie dieses Band wieder her, es ist das glorreichste Werk dieser Sessionszeit, der Segen der Generationen nach uns wird Ihnen dafür Lohn sein! Sägert charaktcrisirt den Stahlschen Staat als einen jüdischen, mit christlich-germanischen Flitter» aufgeputzt, als eine Staatsform, wie sie Revolutionen Hervorrufe. In der Besorgniß, daß dieser Staat, wie er eben hier entwickelt worden, ein neues Synedrium und Hohenpriesterthum im protestantischen Preußen heraufbeschwören werde, stimmt er gegen alle Amendements. Hansemann. Die IS*/-Millionen Christen unsers Landes sichern uns die christlichen Einrichtungen unsers Staats, so daß eine besondere Bestimmung in der Verfassung nicht nöthig wäre. Vielmehr ist zu fürchten, daß jene ausdrückliche Aufnahme den Verdacht einer wieder eingeführten ausschließlichen Staatskirche im Lande erwecken wird. Deshalb stimme ich gegen alle Amendements. Der Minister der geistlichen Angelegenheiten: Ich muß mich wiederum über den Standpunkt der Regierung zur vorliegenden Debatte erklären. Man hat hier gesagt, die Regierung habe in der Verfassung die Religion zwar anerkannt, aber nirgends ausgesprochen, daß sie die christliche meine. Ewige Wahrheiten bedürfen, ich wiederhole es, keines Ausdrucks. Es ist undenkbar, daß die Regierung die