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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-15 · Heft 42 (15.10.1849) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 42 (15.10.1849)
Date
1849-10-15
Page
Seite 593 (sequence 5)
Language
German
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593 es ihm innig Dank wissen, aber uns hilft die Erklärung nicht über den Artikel hinaus, so wenig wie die Denkschrift, welche nicht offiziell war. Die Verfassung enthält von dem „Hand in Hand gehen mit der Kirche", das uns gestern hier versprochen, keine Spur. Es ist ein Jndifferentismus des Staates, nicht gegen die Religion, aber gegen die christliche Religion, der in diesem Artikel liegt und gegen diesen ist mein und meiner Freunde Antrag gerichtet. Es liegt mir nun ob, Ihnen Sinn und Folgen des Prinzips zu erläutern, das in diesem Anträge niedergelegt ist. Der Sinn ist der: Es sollen fortan, wie früher, nur die christlichen Feiertage als Landesfeiertage gelten; es soll die spezifisch christliche Eidesformel aufrecht erhalten werden, unbeschadet einer allgemeinen Formel, welche man für die anderen Religionsgemeinschaften aufstelle; es soll der Trauung durch den christlichen Priester ihr altes Recht der öffentlichen Bestätigung bleiben, unbeschadet dem Zivilakte, der den Genossen andern Glaubens frei stehe; es soll der Kirche ihre altbegründete Stellung zur Universität gewahrt sein und keine Lehrstühle anderer Theologien neben die Ihrigen gestellt werden; es soll den christlichen Predigern die Würde öffentlicher Diener bleiben und ihnen eine politische Stellung werden, z. B. durch Vertretung in den Kammern, in Beglaubigung ihrer Akte, wie sie Anderen nicht zustehe; es sollen endlich beide christliche Kirchen die Mitaufsicht fortführen über die Erziehung der Jugend: das ist der Sinn unsers Antrags. Das preußische Volk soll sich zum Christenthum bekennen nicht als zur Religion der Mehrheit, sondern zur Religion der Wahrheit. Wir sind nicht umsonst eingedenk, das die großen Fürsten dieses Landes das innige Festhalten am Christenglauben für die edelste Perle in ihrer Krone hielten, daß die Förderung christlicher Zucht und Sitte ihr Streben war unablässig und immerdar; wir sind nicht umsonst eingedenk der erhabenen Gestalt des großen Kurfürsten, wir wollen nicht brechen mit so ehrwürdiger Vergangenheit. Es ist etwas andres, durch Zwang das Christenthum zu fördern, oder eine gesetzliche Norki festzusetzen für das, was dem Geiste des Volks längst innig verwachsen. Und verstößt es etwa gegen die Gleichheit, dem Kultus einer Nation den Vorrang einzuräumen vor dem Glaubensbelieben des Einzelnen? Oder verstößt es gegen die Freiheit, wenn Sie den Lehrer verpflichten, nicht zu untergraben die christliche Gesinnung seiner Schüler? Dann dürften Sie es ihm auch nicht wehren, wenn er ihnen gegen die Monarchie predigte und sie zur Republik erzöge. Man hat uns Unduldsamkeit vorgeworfen; wir wollen uns nicht hinreißen lassen zur Unduldsamkeit gegen Personen, aber in der Sache können wir nicht tolerant sein. Die Toleranz, die Sie gefordert, wäre nicht Liebe zu unseren Feinden, es wäre Haß gegen unsere Freunde. Die Folgen jenes Artikels, ohne Zusatz angenommen, wären fürchterlich. Der Landbewohner zumal würde ihn nie begreifen, er würde irre werden an seiner Obrigkeit, wenn sie unter der Form der Emanzipation Alles der Kirche entzöge, er würde schwankend werden in seiner Treue und das ist das Volk der Treue von 1848. Die spätere Folge wird sein, daß die christliche Religiosität im Volke abnimmt. Die Ueberzeugungen des Volks werden modisizirt durch Tradition, durch Einwirkung von Nebenzufällen und gleichzeitigen Thatsachen, und so wird es ihm bald nur natürlich scheinen, als sei das Christenthum antiquirt und die Zeit eines neuen Glaubens. Wenn ferner der christliche Prediger zum Privatlehrer einer Privatgesellschaft herabsinkt und der Lehrer Organ des Staates wird, dann wird das eintreten, was Thiers neulich seinen Wählern geschrieben: daß im Laufe der Geschlechter mehr und mehr der christliche Glaube abnehme. Was aber tritt dann an seine Stelle? vielleicht eine Vernunftreligion, vielleicht gar keine! In Betreff jener haben wir die alte Erfahrung, die sich wiederum bestätigen wird, daß sie dem Zweifel und endlich der entschiedenen Gottesleugnung weicht. Das hat in Deutschland die Niederlage des altersschwachen Rationalismus gezeigt. Die Mittheilungcn, welche neulich der Herr Minister in Betreff des Handwerkervereins machte, scheinen auf Sie einen tiefen Eindruck nicht verfehlt zu haben: bedenken Sie nun, daß in demselben Geiste seit Jahren schon alle Handwerksgesellen, die ihre Reisejahre durchmachen, bearbeitet werden; bedenken Sie, daß die republikanisch-sozialistische Propaganda, die im vorigen Jahre unterirdisch wühlend mit einem Ruck alle Throne Europas erschütterte, in ihrem Zentralpunkt bewußt die Abschaffung des Christenlhums ausgesprochen hat. Die Beweise liegen Ihnen vor in den Korrespondenzen der Führer der Bewegung in Baden und der Pfalz. Bedenken Sie, daß Sie nicht mehr mit den bescheidenen,

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