Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1849)
- Date
- 1849-10-08
- Page
- Seite 581 (sequence 9)
- Language
- German
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581 wird nicht jeder Verfolger, und selbst Alba, die weiten Sätze, welche die Religion in Ihrer Verfassung repräsentiren sollen, sich aneignen können, und durch sie, z. B. durch die Ehrfurcht gegen Gott, welche Andersdenkende verletzt hätten, sich rechtfertigen? Die beiden Kirchen, auf denen bis jetzt das Staatsleben sich aufgebaut hat, sind nebeneinander berechtigt, aber sie haben auch eine Einheit miteinander und auf diese, die allgemein christliche, soll der Staat basirt werden. So hoffe ich, daß Hand in Hand, Katholiken und Evangelische, von dieser Tribüne herab in den nächsten Tagen zum Festhalten am alten Rechte und Heil mahnen werden; ist doch, jenen neuheidnischen Sekten gegenüber, selber auf die Juden in politischer Beziehung mehr zu vertrauen, denn sie beten doch den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs an und halten ihre zehn Gebote. Ich fasse meinen Vortrag kurz zusammen: Was jene Artikel beabsichtigen, es ist etwas Unmögliches und eher würde der preußische Staat und Deutschland in Atome, in Asche sich wandeln, ehe sie in's deutsche Leben träten, aber schon der Versuch wird die verderblichsten Folgen zu büßen haben und deshalb rathe ich Ihnen dringend, überlassen Sie das Ganze dem Gebiete der Spczialgesetzgebung, wo man sich wirklich bemühen wird, die Tragweite dessen erst zu ermessen, was man zum Gesetze erheben will. (Bravo!) Der Minister der geistlichen Angelegenheiten: Ich habe mich einer einleitenden Auseinandersetzung der Grundsätze, die für das Ministerium in dieser Berathung maßgebend sein werden, enthalten aus Rücksicht gegen die hohe Kammer, weil mein Unwohlsein mich an längerer geordneter Rede hindern wird; aber die eben gehörte Rede verpflichtet mich dazu, um so mehr, als sie phantasievoll und geistreich, wie sie war, uns eine Zukunft gemalt hat, die uns erzittern machen und uns mit Abscheu vor einer Verwaltung erfüllen müßte, welche auf solche Wege geleitet. Aber Gott wird es geben und die Verwaltung wird stark genug sein, solche Zeiten von unserm Lande fern zu halten! Kirche und Staat werden sich nie trennen und die Regierung hat nie etwas Anderes gewollt, als Religionsfreiheit gewähren. Sie wird Nichts von ihrer Ehre vergeben, Nichts von der Innigkeit, mit der sie an der Kirche hängt, die das Volk zu ihr heraufziehn soll und wird. Damals, als Bewegungen zu rascheren Schritten drängten, Bewegungen, die nicht aus der französischen Revolution hervorgcgangcn (Bravo!), die viel früher ihren Ursprung schon gefunden, vielleicht gar nicht gefunden, wenn nicht geistvolle Phantasie zu solchen Ideen und Befürchtungen hingetragen hätte. (Bravo!) Auch damals war die Regierung Preußens nicht Kopirmaschine der französischen (Bravo!) und sie wird cs nie sein. Nie wird sie sich durch französische Zustände imponiren lassen. (Starkes Bravo!) Aber es ist ein Recht der Zeit, das diese Artikel forderte, der Zeit, die vielleicht in manchen Forderungen zu weit ging, der aber die Regierung willig nur bis dahin entgegengekommen ist, bis wohin die Rechte des Staates ungefährdet sie begleiten konnten. Wir haben uns dem Entwürfe der Nationalversammlung wörtlich angeschloffen, aber nur in der Hoffnung auf die Revision, im Vertrauen aus die Kammern, aus die Männer, welche zu erwägen verstehen würden, was die damalige Zeit forderte und was die jetzige noch zulaffen müsse. (Bravo!) Wir sind also nicht indem Vcrhältniß zur Verfassung, wie sie Ihnen hier vorliegt, daß wir unbedingt auf dem Wortlaute bestehen müßten, wir werden vielmehr für jede Mäßigung dankbar sein und gern auf solche eingehen. Es ist nie der Regierung beigekommen, zur Kirche Zusagen: wir wollen auseinander gehen, die Kirche selbst hat in den letzten Jahren nach freier Bewegung gestrebt, sie ist ihr gewährt worden, soweit es unbeschadet geschah der Rechte des Staats und des Wohles des Volkes. Die Regierung wird nie von der Kirche lassen, sie hat also keine Ursache vor Befürchtungen Sorge zu tragen, wie sie hier in so schmachvollen Bildern dargelegt worden sind. (Bravo!) Scheller geht, um die Behauptungen v. Gerlachs zu widerlegen, weitläufiger auf die deutsche Geschichte ein und zeigt am dreißigjährigen Kriege die Leidenschaft des Volks für Religionsfreiheit. Er spricht für die Kommissionsfassung und schließt mit dem Glaubcnsbekenntniß seiner politischen Freunde: Hier stehen wir, wir können nicht weiter, Gott helfe uns! Nitzsch vertheidigtsein Amendement, als vermeide man dadurch den Schein der Indifferenz gegen die Religion und das Bekenntniß der Religionslosigkeit, welche das Volk, wie viele Petitionen gezeigt, in der Fassung des Art. 11 gefunden. Es wirkte schon aufregend genug, daß das staatsbürgerliche Recht vom christlichen Bekenntniß nicht mehr abhängig, während 41*