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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-08 · Heft 41 (8.10.1849) · p. Seite 575

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 41 (8.10.1849)
Date
1849-10-08
Page
Seite 575 (sequence 3)
Language
German
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575 phet also Ln seiner Rede beiden Parteien entgegenspricht, Beiden die Unwahrheit und die innerste Leerheit vorwirft, so muffen wir tiefer in die Frage einzudringen suchen, und mit heiligem Ernste treten wir zu ihm, ■'übiöö biwi und fragen ihn nach der Gerechtigkeit Rechten: lasset uns begehren nach der Nahe Gottes! M. Fr.! Aus urältester Zeit der Menschheit her sehen wir den Menschen beherrscht von dem Streben nach der Erkenntniß Gottes. Unwiderstehlich fühlt sich der Mensch dahin getrieben, den Gott über ihm zu erforschen, ihn bestimmten Begriffen nach zu wissen, und von diesem Wissen sich so ganz durchdringen zu lassen. Wie sollte er auch nicht? Hangt doch mit diesem Gotte sein ganzes eignes Wesen und dessen Begriff zusammen. Was bist du, Mensch, wenn du keinen Gott weißt? Ein Phantom des Augenblicks, eine unerklärliche Erscheinung von Morgen zu Abend. Und in all deinen Schwächen, wohin sollst du dich wenden? und in all jenen unglücklichen Zeiten, die über Jeden kommen, wo du dich wie ein Rohr fühlst, daß der Sturm nach allen Seiten schüttelt und zerknittert, woran sollst du dich halten? O du winziges, gebrechliches, hin und her verstürmtes Wesen, wenn du keinen Gott weißt, mit deinem knöchernen Gedankenkasten, an dem sich nur ein Splitter, und deinem fleischernen Herzen, an dem sich nur eine Faser zu verrücken braucht, um dich unsäglich armselig zu machen, du, ohne Gott? — Und wenn der Mensch diesen Gott erst weiß, so will er ihm nahe, näher sein; er will vor ihm seinen Dank ausströmen, wenn er sich wohl, gehoben fühlet, er will vor ihm sein Herz ausschütten, wenn es bedrängt ist, o er will sich aus dem Staube der Erde und über diese erheben, um sich im himmlischen Glanze der Gottheit zu erfrischen, und als ein anderer, höherer, freierer, zu fühlen. Aber in der Strömung des gewöhnlichen Lebens vermag er dies nicht, hier, wo sein Geist getrieben wird von Sorge zu Sorge, von Gedanke zu Gedanke, von Gefühl zu Gefühl, daß er Jeglichem nur einen flüchtigen Augenblick zu widmen vermag — daher!, m. Fr., die religiöse Satzung, die Zeremonie, der Gottesdienst. M. Fr. Aus urältester Zeit der Menschheit her sehen wir den Menschen hingetrieben zum Guten und Rechten. £>, haben die Menschen im großen Ganzen die Tugend verachtet, haben sie das Recht nicht anerkannt, die Liebe nicht geehrfürchtet? Aber dieser enge Raum der Menschenbrust, er ist auch der Sitz aller Leidenschaften und bösen Begierden. Jünglinge gehen unter frühzeitig, weil sie sie nicht bändigen können, Männer sinken in den Staub, weil sie sie nicht zu zähmen verstehen, Greise beschmutzen ihr Silberhaar, weil sie sie nicht in ihre Gewalt bekommen. Ha! diese Selbstsucht, die sich zum Mittelpunkt der Welt macht, diese Habgier, die haben, haben will, wenn der Bruder daneben verdarbet, diese Eitelkeit, welche mit Flitter und Tand ihren Moder behängt, diese Wollust, die den Tod, aus dem vergifteten Becher trinkt — und wie sie alle heißen, die Schlangen, die diese gebrechliche Menschenbrust herbergt. — Nun? wohinaus wollet Ihr? Doch Alle zum Frieden, zum Heile, zur Beseligung. Nun, da der Mensch sich so hingegeben fühlet den Stürmen der Leidenschaft, so will er von Zeit zu Zeit eine Mahnung, er will einen Leuchtthurm auf der wogenden See, einen Stab in den Sümpfen des Lebens — daher, m. Fr., die religiöse Satzung, die Zeremonie, den Gottesdienst. Und noch Eines. Die Erkenntniß dieses Gottes und die Erkenntniß des Rechten und Guten, sie war und ist unter den Menschen verschieden. Aber um je eine Erkenntniß scharten sich immer die Haufen. Nun, so muffen sie doch ein Gemeinsames haben, Etwas, was ihnen zum gemeinsamen Ausdruck des Bekenntnisses diene, und was ein Bindemittel sei unter ihnen, daß sie fest und ohne Schwanken aufrecht erhalten, was in ihnen Allen lebt, und daß sie sich wieder zucücksinden können wenn sie sich verloren haben. Daher, m. Fr., die religiöse Satzung, die Zeremonie, derGottesdienst. Also dies ist die dreifache Quelle und der Zweck und Inhalt dieser: die Erkenntniß Gottes zu stärken und sich ihm nahe und näher zu fühlen, einmal, in dem Zwiespalt unsers Innern uns zum Guten und Rechten wieder zurückzusinden und es in uns zu kräftigen, zweimal, und das Band abzugeben für die gemeinsam Bekennenden, das dritte Mal. Und wer, der diese Quelle kennt, und diesen Inhalt und Zweck würdigt, wird sie für unnöthig, ja nur für entbehrlich erklären? Aber wie ist es dann wieder anders gekommen unter den Menschen! Diese Satzungen, diese Zeremonieen, dieser Gottesdienst, ihr Inhalt zog sich aus ihnen zurück, ihr Zweck verlor sich, sie wurden zu Formen, bloßen Formen, zu verknöcherten, eisernen, tobten Formen, aus denen weder Erkenntniß Gottes, noch Kräftigung der Liebe und des Rechts mehr erwuchs, sondern die hoch-

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