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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-08 · Heft 41 (8.10.1849) · p. Seite 574

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 41 (8.10.1849)
Date
1849-10-08
Page
Seite 574 (sequence 2)
Language
German
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574 nen, einen Tag, dem Ew'gen wohlgefällig? Ist nicht das vielmehr ein Fasten, das ich liebe: öffne die Schlingen der Bosheit, löse die Bande des Joches, frei entlasse Unterdrückte, und jegliches Joch zerbrechet! Nicht so? Brich dem Hungrigen dein Brod, unglückliche Verfolgte bring in's Haus, so du einen Nackten stehst, bekleide ihn, und deinem Fleisch entzieh dich nicht: dann wird, wie Morgenröthe, dein Licht anbrechen, und deine Heilung schnell gedeihn, und vor dir zieht dein Heil daher, des Ew'gen Herrlichkeit schließt deinen Zug. — Wenn du des Sabbat wegen hemmest deinen Fuß, an meinem heil'gen Tage dein Geschäft zu thun, so du den Sabbat Wonne nennest, den dem Ewigen geheiligten geehrt, so du ihn ehrst, daß deine Wege du nicht thust, und dein Geschäft nicht suchst, und Geschwätz nicht schwatzest: dann sollst du Wonn'am Ew'¬ gen haben, ich lasse dich des Landes Höh'n ersteigen, und Jakobs, deines Vaters, Erbe dich genießen; denn des Ewigen Mund hat es geredet." Meine Fr.! In diesem mächtigen Stücke wirft der Prophet eine Frage auf, und beantwortet sie, eine Frage, die in unsrer Zeit wol jeden denkenden Menschen beschäftigt, und ohne deren Beantwortung er nicht zur Ruhe kommen kann. Es ist die Frage: was ist der wahreWerth der religiösen Aeremonieen? Ihr wisset es, es stehen in unsrer Zeit auch hierin, wie aus allen Gebieten, zwei Parteien sich gegenüber, die diese Frage schnurstracks entgegengesetzt beantworten; die Einen, die Kinder der Neuzeit, sagen: Die religiöse Zeremonie hat gar keinen Werth, der Mensch mag selbst zufthen, wie er mit seinem religiösen Bewußtsein fertig werde, Gebet, religiöse Satzung, Gottesdienst sind Formen, du kannst dir Etwas daraus wählen, was dir behagt, was dir bequem ist, oder auch Nichts, wenn du nur ein tüchtiger, brauchbarer Mensch bist, der den gerechten Pfad innezuhalten sucht, so hast du genug. Die Anderen, die Kinder der alten Zeit, sagen: Nein, Zeremonie, religiöse Satzung, Gesetz, Gebot, Gottesdienst, dies ist der wesentliche Theil der Religion, hältst du sie nicht, verwirfst du, ja vernachlässigst du sie nur, so bist du irreligiös, so bist du ein Sünder, ein Uebertreter göttlichen Gesetzes, willst du Verdienst bei Gott haben, so thue sie, so halte sie unverbrüchlich im Kleinen wie im Großen. Aber, m. Fr., diese Frage und auch ihre gerade entgegengesetzte Beantwortung ist nicht neu, sie war frühzeitig vorhanden; siehe da, der Prophet bringt sie schon heran. Wenn er sagt, sie fragen mich: warum fasten wir, du siehst es nicht? kasteien uns, du merkst es nicht? ist das nicht eine Frage derer, die auf die genaue, sorgfältige Uebung derSatzung allein allen Werth legen, die den Schutz, den Segen Gottes darum verlangen, weil sie die Satzung dem Worte gemäß vollführen? Und schildert er diese nicht weiter: Sieh, an eures Fastens Tage gehet ihr all eurem Verlangen nach, siehe, bei Streit und Hader fastet ihr, mit frevlen Händen! Also der Grund, die innere Ursache des Fastens kümmert sie nicht, all den Schmutz der Leidenschaften, all den Unfug innerer Gemeinheit wahren sie, haben sie in ihrer Brust, dennoch fragen sie: warum sichest du nicht, d. h. warum hilfst, warum segnest und beglückst du uns nicht, da wir doch fasten? Nein, er verwirft das Fasten noch nicht, aber er sagt: ihr fastet nicht also, daß eure Stimme gehört werde; das Fasten hat nur dann einen Werth, wenn ihr nur euer sündiges Verlangen, eure Lüste und Giere aus eurer Brust entfernt habet, wenn Friede, Liebe, Recht in eurem Geiste heimisch geworden. Aber nein! noch mehr, er setzt das bloße Kasteien noch tiefer: sollte das ein Fasten sein, das ich liebe, daß wie Schilf der Mensch sein Haupt hänge? Nein: öffnet die Schlingen der Bosheit, brechet dem Hungrigen euer Brod, bekleidet den Nackenden, und so fort, wie er das wahre, göttliche, Heil erringende Werk des Menschen schildert. Und dennoch, m. Fr., kaum daß der Prophet also sich hat hören lassen, kaum daß er die Uebung des sittlichen Gesetzes weit über alle religiöse Satzung gestellt hat, wie anders, was er hinzufügt V. 13. 14.: „Wenn du des Sabbat wegen hemmest deinen Fuß, an meinem heil'gen Tage dein Geschäft zu thun, so du den Sabbat Wonne nennest, den dem Ewigen geheiligten geehrt, so du ihn ehrst, daß deine-Wege du nicht thust, und dein Geschäft nicht suchst, und Geschwätz nicht schwatzest: dann sollst du Wonn' am Ew'gen haben, ich lasse dich des Landes Höh'n ersteigen, und Jakobs, deines Vaters, Erbe dich genießen; denn des Ewigen Mund hat es geredet." Wie? ist nicht der Sabbat auch eine religiöse Satzung, ist das Verbot der Arbeit, bis auf des eiteln Geschwätzes nicht ein religiöses Gesetz, ein Zeremonialgesetz? Und wie hoch stellt er es, wie knüpft er an dessen Befolgung Segen und Wonne und gnadenreiche Verheißung? Tritt er da nicht im Gegensatz völlig denen entgegen, welche von keiner Satzung, keiner Zeremonie etwas wissen wollen, spricht er ihnen nicht das Höchste des Menschen, die Wonne am Ewigen ab? Fürwahr, wenn der Pro-

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