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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-10-01 · Heft 40 (1.10.1849) · p. Seite 568

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 40 (1.10.1849)
Date
1849-10-01
Page
Seite 568 (sequence 12)
Language
German
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568 dische Verhältnisse mitzutheilen fähig bin. Ich bin zu Hause antisozial, habe „melancholischen Humor", wievr. Geiger in melancholischer und verletzter Stimmung von mir sagte, und wie Herr Leopold Dukes in gewohntem Plagiat nachplapperte. Aber hier habe ich den melancholischen Humor zum System erhoben, und mache daher weder mit Juden noch Christen Bekanntschaft, und weiß folglich wenig Neues für Sie. Um ganz meinem Heilverfahren zu leben habeich mir gelobt, selbst alte Freunde, Falls ich sie hier treffe, zu meiden, ja ich würde sogar meine Freunde Benjacob, L. Dukes, Ginzburg und Werbluner unerhört an meine Thüre klopfen lassen. Vor Herrn L. Dukes bin ich übrigens in Franzensbad sicher. Als treuer Sohn Ungarns mußte ihn, den rüstigen und unverheiratheten Mann Pflicht- und Ehrgefühl langst unter die Fahne Koffuths führen, es haben Tausende im Auslande lebende Ungarn ihre Studien oder sonstige Beschäftigung verlassen, um nach der Heimatb zu eilen und für dieselbe zu kämpfen, und gerade die jüdischen Ungarn, wohl einsehend, wie das Siegerschwert der Magyaren noch die letzten Bande zerhauen könne, welche das jüdische Bürgerthum fesseln, haben sich mehr oder weniger der guten Sache geopfert. Der Mahre Jellineck büßte seine edle Begeisterung für Ungarn mit dem Leben, Hartmann, der Böhme, sang für sie unter Gefahren, von den gebildeten Rabbinen sind Mehre gefallen, andere schmachten in Kerkern und anderen droht das Mordeisen des Holofernes-Haynau. Sollte Herr L. D. der einzige Ungar sein, der ehr- und pflichtvergessen weder Schwert noch Feder für sein Vaterland zu führen Lust hätte? Nein, er ist unfähig gewesen, als Literatur-Virtuose herumzuziehen, während seine Landsleute für die Freiheit starben! Wahrscheinlich befindet er sich in Komorn, oder Peterwardein unter dem Ueberrest der Tapferen, vielleicht ist er mit den Häuptern nach der Türkei entkommen, vielleicht ist er gefangen, oder gar auf dem Felde der Ehre gefallen! Ich meinerseits will jetzt den Helden und Patrioten ebenso hoch schätzen, wie ich ihn bisher wegen seiner gegen mich verübten Gemeinheit zu verachten das Bedürfniß fühlte. Ich meine wegen seiner Angriffe gegen mich in den ersten Nummern des Literaturblattes des Orientes 1849. Herr L. D. hat daselbst in einer vorgeblichen Anzeige meiner Ausgabe des Kimchi in charakteristisch charakterloser Weise zwei Personen beschimpft: sich und mich, und zwar mich beim großen Haufen, der, unwissend und schadenfroh, sein Lüstchen an jeder Zänkerei hat, sich aber bei jedem Sachkenner und redlich Denkenden. Ich hatte demnach nur verachtendes Stillschweigen zu beobachten; da indeß nicht jeder Sachkenner meinen Kimchi kennt und auch nicht die Quelle der schmutzigen Bosheit, deren Gegenstand ich sein sollte, so will ich doch hier einige Aufschlüsse über die literarische Unsittlichkeit des fahrenden Ritters geben. Schon die Angabe des Titels meiner Ausgabe ist ein voller und berechneter Betrug. Es ist der Titel nicht blos unvollständig angegeben, sondern verfälscht. Welchen Beruf Herr L. D. überhaupt hat, grammatisch-lexikalische Werke zu beurtheilen, das werden seine persönliche Bekannte am Besten wissen, namentlich diejenigen, welche ihm wohlthatig die hebräischen Texte-vokalisiren und druckreif machen. Bei seinen Lügenhaften Angaben und Verkleinerungen ist nur das Eine ehrlich, daß er, wie er naiv erklärt und seine Unparteilichkeit empfiehlt, mein Feind sei. Und warum ist er mein Feind? weit ich, wie er abermals naiv gesteht, einige Mate seine Sünden aufgedeckt habe. Dieser Feindschaft gemäß fällt er mich, mit der Lächerlichen Aufgeblasenheit und dem Unfehlbarkeitsdünkel eines wandernden Schaßpollaks an, bestiehlt mich aber mit der Linken (nsn), während seine Rechte mich besudelt. Der Herr L. Dukes, der ebenso deutsch schreibt wie er hebräisch liest, scheint daran gewöhnt zu sein, von Freunden Gelehrsamkeit geschenkt und von Feinden ungeschenkt zu nehmen! Sein Treiben und Herumtreiben seit zwanzig Jahren mußte ihn, den wandernden Literatur-Virtuoso, in die Lage eines wandernden, charakter- und sittenlosen Schaßpollacks treiben. Arbeitscheu und leichtfertig, hat er keinen wissenschaftlichen und bürgerlichen Standpunkt innerhalb eines ehrenvollen Wirkungskreises gesucht, hat es vielmehr bequemer gefunden, als Karrikatur des Juda Alcharisi durch die Welt zu ziehen, und alle jene mit Koth zu bewerfen, die nicht freigebig mit Lob. gegen ihn sind. Das Original freilich war ein genialer Kopf, gelehrt und fleißig, dem man schon was zu Gute halten muß, das Original würzt auch seine Bosheit mit Geist, Witz und Eleganz der Sprache! Von einem N2 ^82 öitö» 82 hat man schon zur Zeit Hiobs gewußt, daß er ein ist; aber der preßburger hat von den zwei dem Teufel beigelegten Eigenschaften die eine gewiß, und deshalb lasse ich ihn laufen. Vielleicht bin ich der erste Badegast, der aus Franzensbad an Sie schreibt, ich will aber diese meine Originalität noch dadurch erhöhen, daß ich Ihnen über einen talmudisch-wissenschaftlichen Gegenstand schreibe. Na-

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